Nick Saban beendet seine eindrucksvolle Karriere im College Football. Imago Images / USA Today / Kirby Lee

Einer der größten Head Coaches in der Geschichte des College Footballs geht in den Ruhestand. Nick Saban gewann in seiner Karriere sieben National Championships. Während der letzten 17 Jahre trainierte er die Alabama Crimson Tide, verwandelte sie in ein absolutes Powerhouse im College Football und verkündete nun, nach einem für ihn ganz normalen Arbeitstag, sein Karriereende im Alter von 72 Jahren. 

Nachdem es den Anschein hatte, als würden ihn die großen Veränderungen im College Business zuletzt verbittern lassen, konnte er in seiner letzten Saison noch einmal die Playoffs erreichen, wo er sich mit seinem Team und dem späteren Champion, den Michigan Wolverines, ein großes Spiel lieferte. Ein würdiger Abschluss, möchte man sagen, denn Nick Saban hat die Sportart in den letzten Jahrzehnten so sehr geprägt wie niemand sonst. 

 

Nick Saban: Eine Bilderbuchkarriere

Von den Toledo Rockets über die Big Ten zieht es Nick Saban zur Jahrtausendwende an die LSU in die Southeastern Conference. Nachdem er mit den Tigers 2003 die National Championship gewann, lockte ihn die NFL, weshalb er bei den Miami Dolphins anheuerte. Doch sein Gastauftritt bei den Profis endete jäh nach zwei Jahren und 17 Niederlagen in 32 Spielen. 

Nach seiner Entlassung wagten die Crimson Tide den Schritt, der sich als bedeutendster Zug in ihrer Geschichte herausstellte, als sie Nick Saban verpflichteten und mit einem der am höchsten dotierten Verträge in der Footballgeschichte ausstatteten. Sie sollten es nie bereuen. 

Denn Saban baute eine wahre Dynastie im College Sport auf. Über 200 Spiele gewann er mit seiner Mannschaft in 17 Jahren. Sechs National Championships holte er und was für ihn vielleicht noch wichtiger gewesen ist, 16 seiner ehemaligen Zöglinge gewannen später bei den Profis einen Super Bowl. 

 

Ausbilder Saban

Weil die Ausbildung der Spieler für den Erfolgscoach immer im Vordergrund stand, fühlte er sich im College Football auch stets wohler als in der NFL. Hier konnte er Spieler mit seinen Fähigkeiten und seinem Einfühlungsvermögen von seiner Arbeit überzeugen und sie im Recruiting nach Tuscaloosa locken. 

Sein Rekord im NFL Draft spricht Bände. 49 Spieler, die unter seiner Ägide zu Profis ausgebildet wurden, wählten Profiteams in der ersten Runde. Unter Ozzie Newsome hätten die Baltimore Ravens seinerzeit eine Pipeline nach Alabama bauen können, so viele Spieler holten sie von den Crimson Tide. 

In Erinnerung bleibt sicherlich, wie er nach der Endspiel-Niederlage gegen die Georgia Bulldogs im Januar 2022 seinem vierten Heisman Trophy Gewinner Bryce Young und dessen Teamkollegen Will Anderson auf der anschließenden Pressekonferenz für ihren bemerkenswerten Charakter und ihren Eifer dankte: 

https://x.com/RyanWVTM13/status/1480777768124223492?s=20

 

Veränderungen im College Football

Doch zuletzt kam Nick Saban bei all den Veränderungen im College Football einfach nicht mehr mit. Oder er wollte es vielleicht auch einfach nicht mehr, weshalb sein Rücktritt nun folgerichtig erscheint. 

Im Zuge der Vermarktungsrechte (NIL) und der ausufernden Wechsel über das Transferportal war es Saban irgendwann satt, vor jungen Männern mit dem Geldkoffer zu wedeln. Das Recruiting, am Anfang seiner Trainerkarriere auf die Anwerbung von neuen Talenten beschränkt, erfolgt nun beinahe ganzjährig. 

Nun, Saban wollte seine Arbeit und all sein Schaffen nicht für Spieler opfern, von denen er nicht wusste, ob sie im nächsten Jahr noch für ihn spielen würden. Der Prozess, über den er junge Spieler zu Profis ausbilden wollte, schien ihm mehr und mehr zu entgleiten. Auch spielerisch litt sein Team zuletzt darunter, was ihm aber sicherlich weniger Sorgen bereitete, als das Geld und falsche Versprechungen die Karrieren von jungen Talenten negativ beeinflussen könnten. 

 

Saban beendet glorreiche Karriere

Es ist der richtige Zeitpunkt, nun zu gehen. Saban ist 72 Jahre alt, augenscheinlich gesund und kann die nächsten Jahre mit seiner Frau Terry nach ihrer Goldenen Hochzeit genießen. Sicher wird er dem Sport in irgendeiner Form erhalten bleiben und wird sich auch einmal ungefragt zu Wort melden. Dafür hat der praktizierende Katholik einfach ein zu großes Interesse an der Sportpolitik. 

Eine letzte Anekdote gibt es dann noch. Am Tag seines Rücktritts geht Saban unaufgeregt seine Termine durch, als wäre es für ihn ein völlig normaler Arbeitstag. Am Nachmittag absolviert er noch eine Telefonkonferenz aller SEC-Coaches und lässt sich rein gar nichts anmerken. Kurz darauf führt er mehrere Bewerbungsgespräche mit neuen Trainerkandidaten für Assistenz-Jobs, während die Nachrichten eintrudeln, dass bekanntgegeben wurde, Saban werde seine Karriere beenden.

Er gibt eine abschließende Pressekonferenz zu seinem Rücktritt und fährt nach Hause. Am nächsten Morgen ist er pünktlich wie jeden Tag um 7:30 Uhr auf dem Campus. Denn Saban werde nach eigenen Angaben, den Übergangsprozess bis zum neuen Trainer begleiten, bis er für ihn abgeschlossen sei. 

Nick Saban darf in all seinem Verantwortungsbewusstsein für den Sport auf eine der erfolgreichsten Karrieren eines College-Coaches zurückblicken. 34 Jahre lang durfte er das tun, was er am meisten liebt. Junge Männer ausbilden und sie zu Footballprofis reifen zu lassen. Wir danken ihm dafür. 

Über den/die Autor/in
Philipp Forstner
Instagram - https://www.instagram.com/draftnerd/
Philipp Forstner
Autor / Redakteur
Philipp schreibt bei TOUCHDOWN24 u.a. über den College Football

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