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Samstag, 02 Februar 2019 12:00

Super Bowl LIII: Brady zum Sechsten?

geschrieben/veröffentlicht von/durch Peter Dewald
Zum neunten Mal stehen Quarterback Tom Brady und Head Coach Bill Belichik mit den New England Patriots im Super Bowl. Fünf Mal haben sie ihn gewonnen.
Die Los Angeles Rams haben mit Sean McVay (32) den jüngsten Head Coach in der Super Bowl Geschichte. McVay gilt als Taktik-Genie. Innerhalb von drei Jahren hat er die Rams vom Loser in einen Super Bowl-Anwärter verwandelt.

Vor 18 Jahren stand Tom Brady als 24-jähriger Quarterback in seinem ersten Super Bowl. Die New England Patriots waren unerwartet ins Endspiel gekommen und galten als krasser Aussenseiter gegen die Rams, die damals in St. Louis spielten. New England gewann durch ein Field Goal in letzter Sekunde. Nur 145 Yards hatte Brady im Spiel geworfen und kaum mehr als die Hälfte seiner Pässe angebracht, aber er wurde zum MVP gewählt, weil er in zwei entscheidenden Phasen des Spiels die Patriots zu einem Touchdown - kurz vor der Pause - und dem Sieg bringenden Field Goal am Ende führte. Nun könnte sich der Kreis schließen. Brady, nunmehr in seinem 19. Profi-Jahr, steht wieder gegen die Rams im Super Bowl. Diesmal nicht als ambitionierter und unerfahrener Spieler in seinem zweiten Profi-Jahr, sondern als der erfolgreichste Quarterback in der Geschichte des Footballs.

Der Sieg der Patriots kam für viele überraschend

Wie vor 18 Jahren stehen die Patriots ein bisschen unerwartet im Finale. Viele trauten den Patriots nicht zu, dass sie sich im AFC Championship Game in Kansas City gegen die Chiefs würden durchsetzen können. Aber mit einem überragenden Laufspiel und einer aggressiven Verteidigung trotzten die Patriots den Chiefs ein Unentschieden ab. Und in der Verlängerung spielte Tom Brady seine ganze Erfahrung aus und führte sein Team über die Länge des Feldes zum Sieg bringenden Touchdown.

Mit Power-Football der alten Schule zum Ziel

Als die Patriots in der zweiten Saison-Hälfte zwei Spiele hintereinander verloren, änderte Head Coach Bill Belichik die Grundausrichtung des Angriffs. Er verstärkte das Laufspiel und setzte noch häufiger ein 2-Back-Set mit einem Fullback als Vorblocker ein. New England spielte Power-Football nach alter Schule, etwas was in der Pass verrückten abgelaufenen Saison kaum noch Mannschaften praktizierten.

Fullback James Develin als Schlüsselspieler

Aber das ist nun New Englands Stärke. In den vergangenen vier Spielen überrannten die Patriots regelrecht ihre Gegner mit im Schnitt 184 Rushing Yards. Eine leicht zu übersehene Schlüsselrolle nimmt im Angriff jetzt Fullback Joe Develin ein. Der 115-Kilo Mann verschaffte in den letzten Spielen Running Back Sony Michel viel Raum, den der Rookie in den letzten zwei Playoff-Spielen zu 242 Yards und fünf Touchdowns nutzte. Sind Develin und Michel auf dem Platz, dann laufen die Patriots in 8 von 10 Fällen – und obwohl die Defenses dies nun auch wissen, sie konnten das Laufspiel trotzdem nicht stoppen. Gelingt den Patriots das auch im Super Bowl, wären sie strategisch im Vorteil. Ihr Angriff wäre unberechenbarer, könnte die Uhr kontrollieren und zugleich den Angriff der Rams vom Feld halten.

Eine starke Truppe: Die No-Names der Offensive Line

Der wiedergefundene Schwung im Angriff liegt auch an der Offensive Line der Patriots. Sie präsentierte sich die ganze Saison über in Form. Die Guards Joe Thuney und Shaq Mason, Center David Andrews und Right Tackle Marcus Cannon sind ein eingespieltes Team. LT Trent Brown, der von den San Francisco 49ers kam, hat Nate Solder der vor der Saison abwanderte, glänzend ersetzt und Tom Brady den Rücken frei gehalten. Brady wurde in der Saison nur 21 mal gesackt und in den zwei Playoff-Spielen hat die Offensive Line ihre Leistung noch einmal gesteigert. Ihr Quarterback wurde nicht einmal gesackt und nur dreimal zu Boden geworfen. Offensive Line Coach Dante Scarnecchia, er ist mittlerweile schon 70, genießt in der Szene hohes Ansehen. Große Namen haben die Patriots nicht in ihrer Offensive Line, aber als Unit zählt sie dank Scarnecchia zu den besseren der NFL.

Die Schwächen im Angriff

Zwei Schwächen fallen beim Angriff der Patriots ins Auge. Seit Wide Receiver Josh Gordon das Team verlassen hat, fehlt ihnen ein schneller Spieler für die tiefen Pässe. WR Chris Hogan hat zwar die Schnelligkeit, er wurde in der Saison aber selten tief angespielt und TE Rob Gronkowski war einfach zu oft verletzt oder nicht in Form, um für die Defenses glaubhaft eine tiefe Bedrohung darzustellen.

Die zweite Schwäche betrifft Brady. Er weicht nicht gut aus, wenn er frontal attackiert wird. Die Rams haben zwei Defensive Tackle, die sich auf den Pass Rush bestens verstehen: Aaron Donald – den derzeit besten Verteidiger der NFL – und Ndamukong Suh, der mit 31 immer noch viel Druck von der Mitte der Defense her aufbauen kann.

Der Meister des schnellen Kurzpass-Spiels

Ihres Pass-Spiels brauchen sich die Patriots weiß Gott nicht zu schämen. Mit Running Back James White in der Flat und WR Julian Edelman, der sich nie scheut über die Mitte zu gehen, hat Tom Brady zwei Spieler, die fast immer anspielbereit sind, zuverlässig die Bälle fangen und Extra-Yards herausholen. Im Kurzpass-Spiel ist Brady ein Meister und - wenn er nicht ständig Druck spürt - fast nicht zu stoppen. Und Druck aufzubauen wird schwer, denn Brady wirft schnell. In der Saison brauchte er nur zweieinhalb Sekunden zum Passen, in den Playoffs war er sogar noch etwas schneller.
Die Defense ist immer noch langsam

Vor einem Jahr wurde die Patriots Defense im Super Bowl LII an die Wand gespielt. Eine Rundum-Erneuerung aber fand nicht statt. Immer noch haben die Patriots keine schnelle Verteidigung. In der Saison spielte die Defense oft durchschnittlich. Aber in den Playoffs war die Verteidigung entscheidend für das Weiterkommen. Gegen zwei der stärksten Angriffe der Liga, den der Chargers und der Chiefs, spielte die Defense exzellent. Dies lag an einer überragenden Taktik. Die Patriots spielten eine Press- und Blitz-Defense, mit der sie die gegnerischen Quarterbacks Patrick Mahomes und Philip Rivers erheblich unter Druck setzten.

Ein strategisches Meisterwerk

Das Konzept lebt von aggressiven Looks. Linebacker und mitunter auch ein Safety rücken vor dem Snap an die Line of Scrimmage und täuschen Blitz an. Unberechenbar attackieren dann die Spieler, mal alle, mal kommt ein Delay Blitz aus der Secondary, mal lassen sich Defensive Linemen in die Deckung zurückfallen oder auch in unterschiedlicher Zahl die Linebacker. Die aggressive Taktik ist eine Mischung aus 46-Defense und Zone Blitz, also von Strategien der Chicago Bears anno 1985 und der Steelers vor 20 Jahren. Die Blitzes und Täuschungs-Manöver bringen nicht nur die Quarterbacks durcheinander, sie lassen die fehlende Schnelligkeit der Defense weniger ins Gewicht fallen. Außer All-Pro Cornerback Stephon Gilmore haben die Patriots keinen überragenden Verteidiger. Aber mit dieser Strategie trumpften die unbekannten Trey Flowers, Kyle Van Noys und Dont’a Hightowers in den Playoffs voll auf. Diese aggressive Verteidigung werden wir auch im Super Bowl zu sehen bekommen, denn der junge Rams QB Jared Goff zeigte, dass er unter Druck mitunter krasse Fehlentscheidungen trifft.

Mit Head Coach McVay begann der Aufstieg der Rams

Unter Head Coach Sean McVay machte Jared Goff vergangene Saison einen gewaltigen Entwicklungssprung. Und die Rams entwickelten sich 2017 von einem Kellerkind in ein Playoff-Team. In den Playoffs flogen sie sang und klanglos in der ersten Runde heraus und Goff zeigte, dass er noch Zeit braucht. In dieser Saison hat sich Jared Goff weiter verbessert. In der ersten Saison-Hälfte zogen die Rams ein dynamisches Pass-Spiel auf, dem kaum ein Gegner gewachsen war. Dann verletzte sich WR Cooper Kupp, der Angriff brillierte noch in einem Spiel – das verrückte 54-51 gegen die Chiefs - und danach kam er ins stocken. In der Saison warf Goff 32 Touchdowns und 12 Interceptions. In den letzten sieben Spielen – ohne Kupp – warf er 7 Touchdowns und 7 Interceptions und im Schnitt 100 Yards weniger. Die Rams entwickelten sich – wie New England – in der zweiten Saison-Hälfte in ein Rushing-Team.

Am Sieg in New Orleans hatte Goff großen Anteil

Gegen die Saints im NFC Championship Game vergangene Woche spielte Goff nervenstark. Als die Saints deutlich in Führung lagen und die Fans im Superdome ohrenbetäubenden Lärm machten, behielt Goff die Ruhe und Übersicht. Als er nur von vier Defensive Linemen angegriffen wurde, die die Rams Offensive Line im Griff hatte, führte er die Rams mit präzisen Würfen zurück ins Spiel. Und als die Saints zu blitzen anfingen, nutzte Goff Mismatches in der Deckung aus und bediente wiederholt WR Brandin Cooks mit genauen Pässen. Obwohl das Laufspiel lahmte und Running Back Todd Gurley ein Total-Ausfall war, kämpften sich die Rams dank Goff zurück ins Spiel.

Gurley erwischte einen rabenschwarzen Tag

Viele vermuteten, Gurley, der wichtigste Angreifer der Rams, wurde wenig eingesetzt, weil er nach gerade überstandener Verletzung nicht fit war. Aber Gurley spielte schlichtweg schwach. Bei seiner zweiten Ballberührung ließ er den Football durch seine Hände gleiten, der prompt intercepted wurde. Später, tief in der Hälfte der Saints, ließ er einen Pass fallen. Der Drive war gestoppt und die Rams mussten sich mit einem Field Goal begnügen. Danach wurde Gurley als Ballträger nicht mehr vertraut. Head Coach McVay gestand, dass das schwache Spiel seines Top Running Backs auch auf seine Kappe ging: „Ich hätte ihn mehr einbinden müssen, um ihm die Möglichkeit zu geben, ins Spiel zurückzufinden.“

Mit dem „Fat Back“ zurück in die Spur

Zum Glück hatten die Rams noch CJ Anderson, der sich selbst gerne als „fat back“ bezeichnet. Klein und kompakt ist Anderson und mit viel Wucht rennt er in die Mitte der Defenses. Gegen die Saints hatte er weniger Erfolg als in den Spielen zuvor, aber er brachte das Laufspiel einigermaßen in Gang und so konnten die Rams weiterhin zwischen Lauf- und Pass-Spiel variieren und blieben schwer zu verteidigen.

Sind Anderson und Gurley in Form, wie beim Playoff-Spiel gegen die Dallas Cowboys, können sie einen Gegner regelrecht über den Haufen laufen – 273 Rushing Yards waren es gegen die Cowboys. Das Laufspiel zu etablieren wird eines der Hauptziele gegen die Patriots sein, die nicht die stärkste Rushing-Defense besitzen.

Die Rushing Defense der Rams ist die große Unbekannte

Und wie gut ist die Defense der Rams gegen den Lauf? Man weiß es nicht. In der regulären Saison spielte sie schwach. 5.1 Yards pro Versuch ließ die Defense zu, die schlechteste Bilanz in der Liga. In den zwei Playoff-Spielen war es kein Vergnügen gegen die Rams zu laufen. Gegen Dallas und den derzeit besten Running Back der Liga, Ezekiel Elliott, ließ die Defense nur 50 Yards bei 22 Versuchen zu, magere 2.6 pro Lauf. Und gegen die Saints, die mit Mark Ingram und Alvin Kamara eines der besten RB-Duos der NFL haben, waren es in 21 Versuchen nur 48 Yards. Erfolgreicher als sonst beschäftigten die vier Defensive Linemen um Aaron Donald die Vorblocker und verschafften den Linebackern Zeit, um die Lücken zu attackieren.

Die schlaflosen Nächte des Trainerstabs

Auch eine andere Schwäche der Rams, die in der regulären Saison immer wieder auffiel, die Deckung gegen Top-Receiver, gelang in den Playoffs exzellent. In der Saison war Cornerback Aqib Talib immer wieder angeschlagen, jetzt ist er fit. Gegen die Saints gelang es Marcus Peters und Talib, den zur Zeit besten Wide Receiver der NFL, Michael Thomas, komplett aus dem Spiel zu nehmen. Nicht gut allerdings spielte Linebacker Corey Littleton, wenn Saints RB Alvin Kamara aus dem Backfield kam. Das werden die Patriots weidlich auszunutzen suchen. Mit James White haben sie einen hervorragenden Pass-Catching Running Back. Um ihn auszuschalten wird es nicht genügen, dafür nur Littleton abzustellen. Da wird Defensive Coordinator Wade Phillips bis zum Super Bowl mit seinem Trainerstab noch einige schlaflose Nächte verbringen müssen, um eine geeignete Strategie zu finden.

Als Wade Philips Tom Brady die Zähne zog

Wade Philips hat gute Erinnerungen an ein Spiel gegen Tom Brady. 2015 spielte er als Defensive Coordinator mit den Denver Broncos gegen die Patriots im AFC Championship Game. Die Cornerbacks der Broncos, Aqib Talib war einer davon, spielten Bump-and-Run, d.h. sie attackierten die Wide Receiver an der Line of Scrimmage, um sie beim Loslaufen zu behindern. Das brachte das Timing zwischen den Receivern und Brady gehörig durcheinander. Die Receiver konnten sich nicht so schnell wie gewohnt freilaufen, Brady musste länger warten, ehe er passen konnte und das bekam er zu spüren: 21 mal wurde er zu Boden geworfen. Eine Strategie, die Philips mit den Rams – und mit Talib – sicher wieder erwägen wird.

Das Duell der Taktik-Meister

Stichwort Strategien. Mit Bill Belichik und Sean McVay treffen zwei Masterminds des Footballs aufeinander, die nicht nur ausgeklügelte Konzepte vor dem Spiel entwerfen, sondern deren Stärke es ist, sich im laufenden Spiel an die Strategien des Gegners anzupassen und mit Gegen-Maßnahmen zu kontern. So werden wir beim Super Bowl LIII nicht nur herausragende Spieler bewundern können, sondern auch die Taktiken und Gegentaktiken, mit denen sich McVay und Belichik von der Seitenlinie aus ihr eigenes Duell liefern.

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