HEFT #52

Ausgabe DEZEMBER 2021

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Sunday Night Football Drama in der Steel City

Steelers-Superstar T.J. Watt machte nicht nur vor Sunday Night Football Luftsprünge. Steelers-Superstar T.J. Watt machte nicht nur vor Sunday Night Football Luftsprünge. Imago Images / ZUMA Wire / Brian Kunst
Der Headliner unserer NFL Spieltagzusammenfassung „Cover Them All“ der Week Six ist das Sunday Night Game aus Pittsburgh, wo sich die Steelers mit den angereisten Seattle Seahawks darum stritten, wer denn zumindest vorerst mal die bisher doch arg holprige Saison auf etwas glattere Straßen lenken durfte. Dazu gibt es die uralte Rivalität zwischen den Bears und den Packers, ein Football-Fest in Foxboro und ein nach London ausgelagertes Duell aus dem Sunshine State. Und wie könnte es anders sein in der NFL, selbst dieses Kellerduell lieferte wie die anderen Spiele auch so manches Highlight für den gierigen Football-Fan!

T.J. Watts Big Play entscheidet Sunday Night Football

Sowohl die Seattle Seahawks als auch die Pittsburgh Steelers waren mit großen Hoffnungen in die Saison gestartet, konnten diese aber im Frühverlauf des NFL Jahres nicht wirklich erfüllen. Dementsprechend umkämpft und auch nervös gingen beide aufeinander bei Sunday Night Football los. In der Overtime sind die Nerven erst Recht ähnlich Drahtseilen gespannt, doch als Geno Smith sich per Dropback nach hinten bewegt, sieht T.J. Watt seine Chance. Sekunden später haben die Steelers den nach dem Sack Fumble den Ball und kurz darauf trifft Kicker Chris Boswell aus 36 Yards zum Sieg.



Viel Glanz und Gloria ist am Ende für Pittsburgh nicht dabei, doch das wird ihnen in so einem Spiel auch herzlich egal sein. Ben Roethlisberger spielt solide, auch wenn er erneut einen Fumble abgeben muss. Rookie Runner Najee Harris kommt immer besser in Fahrt (81 Rush Yards plus 46 Yards inklusive Touchdown in der Luft) und den Rest erledigt die hochgelobte Steelers-Defense (fünf Sacks). Lange Zeit haben sie aber Mühe mit einer Seahawks-Mannschaft, die um ihren Backup Smith einen harten Kampf liefert, letztendlich aber trotz gutem Laufspiel (5,3 Yards pro Carry) die entscheidenden Plays nicht macht. An dieser Stelle gute Besserung an Darrell Taylor, der das Spiel auf einer Trage und nach wohl schwerer Verletzung gen Krankehnhaus verlassen musste.

Jaguars können doch noch gewinnen

Auch wenn sowohl die Jaguars als auch die Dolphins neben einzelnen schönen Pässen ihrer jungen Quarterbacks mehrfach unter Beweis stellten, warum sie derzeit im NFL-Keller rumdümpeln, so war das Florida auf jeden Fall spannend und holte den ein oder anderen British Gentleman von seinem Sitz. Für das emotionale Ende sorgte Practice Squad Kicker Matthew Wright mit einem 53-Yard, sein Follow Through landete gefühlt mitten im Unterleib der zerknirschten Gegner. Während Jacksonvilles Jubel über den ersten NFL Sieg seit 20 Spielen vom Krachen eines Steins begleitet wurde, der Urban Meyer und Co. vom Herzen fiel, wird es für Brian Flores langsam eng im Delfinarium.

Zweiter Saisonsieg für die Indianapolis Colts

Mit sich langsam lichtender Verletztenliste (zumindest vor dem Spiel, womit Genesungswünsche an Parris Campbell gehen) hellt auch die Stimmung bei den Indianapolis Colts ein wenig auf. Hauptgrund dafür ist am Ende natürlich der zweite und vollkommen ungefährdete Saisonsieg über den Divisionsrivalen aus Houston. Der zuletzt verbesserte Davis Mills war genau die Art von Sparring-Partner, gegen den sich eine frustrierte Colts-Defense den Frust von der Seele boxen konnte. Offensiv rannte Jonathan Taylor mit einem 83-Yard-Touchdown vorne weg (insgesamt 145 Yards mit 14 Läufen plus zwei Touchdowns) und dazu nutzte Carson Wentz seine gerade einmal 20 Pässe auch einigermaßen effizient (11,2 Yards pro Pass, zwei Scores).

Die Bengals fauchen sich weiter durch die NFL

Niemand wäre überrascht gewesen, wenn die jungen Cincinnati Bengals nach ihrer emotionalen Pleite letzte Woche gegen Green Bay diesen Sonntag mit einem Hangover in Detroit aufgeschlagen wären. Aber Pustekuchen, Joe Burrow (drei Touchdowns) und seine Bengaltiger ließen die Löwen aus der Motor City von Anfang bis Ende ganz abgeklärt ihre mächtigen Tatzen spüren. Sinnbildlich ist der Block von All-World-Receiver Ja’Marr Chase beim vorentscheidenden Touchdown-Catch von Joe Mixon. Wenn deine jungen Stars derart voranmarschieren, dann hilft auch der zeitweise schon verzweifelte Kampf von Dan Campbells Mannen nicht, die mehrfach den 4th Down in der eigenen Hälfte ausspielten.


Eiskalte Rams lassen den Giants keine Chance

Ein Auswärtsspiel am Mittag nach einem Flug quer über die Vereinigten Staaten kann für das Gästeteam in der NFL immer mal wieder unangenehm werden. Das war die Partie für die Rams aber höchstens, wenn die gastgebenden Giants beim Handschlag vor dem Spiel ein wenig zu fest zugedrückt haben. Danach traten Aaron Donald und seine Mannen wie das Spitzenteam auf, das sie im bisherigen Saisonverlauf zumeist gegeben haben. Allein die Kombination aus Cooper Kupp (130 Receiving Yards inklusive zwei Touchdowns) und Matthew Stafford (22 von 28 Pässen erfolgreich) war schon viel zu viel für „Big Blue“, bei denen nicht ein Rädchen ins andere passte. Und auch wenn die Verletzungssituation es derzeit nicht einfach macht für die New Yorker, ein wenig mehr als drei Interceptions in so einer Partie würden sie von Daniel Jones eben doch mal gerne sehen.

Die Baltimore Ravens zementieren ihre hohen Ansprüche

Es war das unangefochtene Spitzenspiel des gestrigen NFL Mittag, irgendwie ist das Memo dafür bei den Los Angeles Chargers und ihrem Shooting Star Justin Herbert nicht so wirklich angekommen. Sie schienen fast verwundert, dass sie nach ihrem 1000-Yard-Shootout mit Cleveland letzte Woche tatsächlich gegen eine echte NFL-Defense spielen mussten, eine gar nicht so schlechte noch dazu. Die hochmotivierten Ravens rammten den Ball mit ihrem patentierten Laufspiel nach vorne, auch wenn sie nur noch eine Art Ehemaligen-Treffen als Runningback-Gruppe zur Verfügung haben. Devonta Freeman (5,9 Yards pro Rush inklusive Score) und Co. machten ihren Job aber auf beeindruckende Weise und die restlichen Nadelstiche setzte dann Lamar Jackson, dessen zwei Interceptions kaum ins Gewicht fielen.

Vikings vermiesen Panthers und Darnold den Sonntag

Ob es Geister waren, die „Purple People Eaters“ oder jemand anderes, Sam Darnold sah auf jeden Fall an diesem Sonntag viel zu viel Lila für seinen Geschmack. In einem wilden Spiel machen die Panthers lange in der Offensive fast alles falsch, was man so vermasseln kann, von unzähligen Drops über eine löchrige Protection bis hin zu Darnolds eigener Ungenauigkeit (nur 17 von 41 landeten bei den Teamkollegen). Carolina kämpft sich aber irgendwie in die Overtime, doch dann übernehmen Kirk Cousins (373 Passing Yards, drei Touchdowns) und K.J. Osborn, der für den Game Winner in die Endzone stürzt. Dalvin Cook (140 Rush Yards) und Adam Thielen (elf Catches für 126 Yards und einen Touchdown) machten auch wieder einen fitten Eindruck.

Kansas City Chiefs können für eine Woche aufatmen

So ganz waren sie immer noch nicht das alte NFL Powerhouse aber die Kansas City Chiefs konnten mit ihrem Auswärtssieg in Washington zumindest für eine Woche das Wort „Krise“ einmal aus dem Sprachgebrauch streichen. Patrick Mahomes wirft zwar zwei Interceptions und die Chiefs leisten sich noch einen Fumble dazu, doch immerhin generiert der Offensiv-Zirkus auch 499 Yards und über 30 Punkte. Bei solchen Werten können Taylor Heinicke und sein WFT höchstens an ihrem besten Tag mithalten. Da sie den aber nicht hatten und auch die vor der Saison hoch gelobte Defense nur punktuell glänzen kann sehen sie sich nun schwierigen Wochen in der Hauptstadt gegenüber.


Alte NFL Rivalen messen sich im Soldier Field

Die Defense der Chicago Bears tat, was sie konnte, und hielt die eigenen Reihen lange im Spiel gegen die favorisierten Green Bay Packers. Für ungefähr einen oder zwei Drive generierte Rookie Justin Fields zusammen mit dem stark laufenden Khalil Herbert auch so etwas wie offensive Euphorie. Viel Kreativität steuern die Chicagoer Coaches nicht immer bei und letztendlich reicht es bei Fields in Sachen Konstanz, Rhythmus und gedanklicher Schnelligkeit derzeit noch nicht, um Spiele nachhaltig zu prägen. Aaron Rodgers tat dies auch nur bedingt, doch sein langer Drive inklusive Rush Touchdown als Antwort auf Chicagoes Heranrücken ist genau die Art von spielerischem Statement, die am Ende Partien in der NFL entscheiden kann. Vielleicht hatte Justin Fields ja seinen Notizblock dabei.

Arizona Cardinals bleiben auch in Cleveland ungeschlagen

Nick Chubb fehlte merklich, Baker Mayfield hatte keinen guten Start und seine Kreditwürdigkeit in Ohio wird auch von manchem Dawg Pounder in Frage gestellt, aber wenn ein Team in zwei Wochen NFL Football 84 Punkte abgibt, dann müssen die Bagger ganz woanders anrollen. Der von talentierten Individualisten strotzenden Verteidigung fehlt es an einem „On Field Quarterback“, der das ganze organisiert, oder vielleicht auch an der richtigen Vorbereitung. Die Arizona Cardinals juckt es nicht, obwohl ihr Coach Kliff Kingsbury durch einen positiven Covid-Test in der Wüste bleiben musste. Schon im ersten Drive trickst Kyler Murray (vier Touchdwns) den Gegner via Audible aus und bereitet den Weg für einen 40-Yard-Run von Chase Edmonds. Das Receiving Corps um DeAndre Hopkins knetet danach noch ein paar gegnerische Knöchel durch und schon ist der Auswärtssieg eingetütet.

Las Vegas Raiders gewinnen im ersten Spiel ihne Gruden

Herzlichen Glückwunsch, Rich Bisaccia… nicht zu einem 100-Millionen-Dollar-Vertrag, einer neuen E-Mail-Adresse oder zum Geburtstag, sondern zum ersten Sieg als NFL-Head-Coach. Die Las Vegas Raiders lassen das PR-Chaos abseits des Feldes und überzeugen sportlich auf ganzer Linie. Derek Carr führt eiskalt Regie, Henry Ruggs wird von Woche zu Woche stärker und hinten macht Maxx Crosby (2,5 Sacks, vier QB-Hits) den Laden dicht. Denver hat massive Probleme, Teddy Bridgewater auf den Beinen zu halten und auch die zuletzt hochgelobte Defense erwischt keinen besonders guten Tag.

Foxboro-Frenzy mit den Patriots und den Cowboys

Die Dallas Cowboys dominierten bei ihrem NFL Gastspiel in New England über weite Strecken eigentlich alles: Offensive Yards, Time of Possession, Anzahl an Spielzügen, Penalties, unkonzentrierte Dummheiten und dann eigentlich auch noch einmal Penalties. Die Patriots blieben damit sowie mit gewohnt smartem Football im Spiel und durften damit auch beim Budenzauber kurz vor Spielende mitmachen. Trevon Diggs schnappt sich erst wie fast jede Woche einen Pick Six, wird dann von Kendrick Bourne via Double Move vernascht. Zuerlein gleicht für Dallas noch aus und in der Overtime tanzt CeeDee Lamb (insgesamt neun Catches, 149 Yards und zwei Touchdowns) mehrfach Jalen Mills davon, unter anderem zum Game Winner über 35 Yards. Und Bill Belichicks Dreitagebart dürfte damit noch ein wenig grauer werden.

Welcher NFL-Star überzeugte für euch am meisten während der Week Six?
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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