- Anzeige -
Montag, 15 April 2019 09:20

Rekordmann Adam Thielen: Vom Lückenfüller zum Superstar

geschrieben/veröffentlicht von/durch Daniel Wolf
Nachdem Adam Thielen bereits 2017 Fans und Experten gleichermaßen begeisterte, hat er in der Saison 2018 noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht. Als Lohn gab es einen neuen Vertrag.

Der Vikings-Receiver zählt mittlerweile zu den besten Wideouts der Liga und knackt zahlreiche Rekorde. Doch lange Zeit sah es nicht so aus, als ob Thielen überhaupt in der besten Football-Liga der Welt spielen würde. Ein Blick auf den beeindruckenden Aufstieg eines Lückenfüllers zum absoluten Superstar.

Es gibt diese Momente beim verrückten Aufstieg von Adam Thielen, vom unterschätzten Spieler auf einem kleinen College zum Lückenfüller in der NFL und schließlich zum Pro Bowler, in denen er sich entspannt zurücklehnt und daran denkt, wie einfach es hätte passieren können, dass nichts davon auch nur ansatzweise geschieht. "Wenn ich daran zurückdenke, bin ich deutlich nervöser, als ich es zu diesem Zeitpunkt gewesen bin (im Vikings Rookie-Camp 2013, Anm d Red.)", sagte Thielen 2017. "Jetzt merke ich, wenn auch nur ein Spielzug anders ausgegangen wäre - ich etwa einen Ball fallen lassen hätte, anstatt ihn zu fangen - dann hätte ich diese Möglichkeit nie bekommen. Aber in diesem Moment habe ich einfach Football gespielt und war wahrscheinlich zu naiv, zu verstehen, was für eine Möglichkeit das wirklich war."

Denn eine Einladung zu einem Probetraining in Minneapolis war die Chance, auf die der Wide Receiver seit seiner Kindheit gewartet hatte. Schließlich wuchs Thielen als riesiger Vikings-Fan im kleinen Detroit Lakes auf, einem 10.000-Seelen-Dorf im Bundesstaat Minnesota. Und wie so viele Jugendliche träumte er davon, einmal so gefährlich zu sein, wie Receiver-Legende Randy Moss oder Cris Carter, die großen Stars der 1990er und 2000er Jahre.

Per 500-Dollar-Stipendium aufs College

Das einzige Problem: Nur wenige Leute konnten sich vorstellen, dass Thielen einmal zum Vorbild einer neuen Generation von Vikings-Fans werden könnte, als sie ihn spielen sahen. Wenn ihn denn überhaupt einmal jemand spielen sah. Schließlich ist Detroit Lakes nicht gerade der Ort, durch den NFL-Scouts einfach mal so per Zufall hindurchspazieren. So gab es nach Thielens Zeit auf der High School kaum ein College, das den schmächtigen Jungen, der zu diesem Zeitpunkt gerade einmal um die 70 Kilogramm wog, verpflichten wollte. Das einzige Angebot, das er bekam, kam in Form eines 500-Dollar-Stipendiums von Minnesota State Mankato - eines Colleges in der Division II. Nicht gerade die optimalen Voraussetzungen, um den Sprung in die NFL zu schaffen. “Wir hatten eigentlich nie einen einzigen Scout, der uns bei unserem Training zugeschaut hat“, beschrieb Thielen bei ESPN die Situation.

Doch Thielen machte das Beste aus dieser Situation. Er beendete seine College-Karriere als einer der besten Receiver in der Geschichte von Minnesota State und erarbeitete sich einen Ruf als echter Teamplayer. Sein damaliger Coach Todd Hoffner beschrieb Thielen als "einen, der immer alles für dich auf dem Feld geben würde." Dennoch kam es, wie es kommen musste und sogar noch schlimmer. Thielen meldete sich zwar für den Draft 2013 an, erhielt aber nicht einmal eine Einladung zum NFL Combine, wo jedes Jahr College-Spieler ihre physischen Fähigkeiten vor hunderten Scouts aller Teams unter Beweis stellen können.

Es war der Tiefpunkt in der Karriere des mittlerweile 28-Jährigen, der ernsthaft überlegte, seine Football-Schuhe an den Nagel zu hängen. Es ging sogar so weit, dass Thielen nur wenige Wochen nach seinem letzten College-Spiel ein Bewerbungsgespräch für einen Job annahm - er sollte zahnärtzliche Ausrüstung verkaufen. Als er seiner damaligen Freundin und heutigen Frau Caitlin von seinem Plan erzählte, Football-Profi zu werden, antwortete diese auf eine Art und Weise, die die beiden noch heute zum Lachen bringt. "Ich sagte ihm, vielleicht solltest du lieber einen richtigen Job annehmen", so Mrs. Thielen. Dennoch nahm Thielen noch an einem letzten, regionalen Combine in Chicago teil. Es sollte sein Sprungbrett in die NFL werden.

Chance beim Herzensverein

Mit seiner Schnelligkeit erkämpfte er sich einen Platz in einer größeren Combine in Dallas. Dann kam der Draft 2013 und Thielen wurde wie erwartet nicht ausgewählt. Er schien bei seinen Combines zuvor jedoch genug Eindruck hinterlassen zu haben, damit ihn die Vikings zu einem Rookie-Probetraining einluden - allerdings auf Kosten von Thielen. Doch eine Jobmöglichkeit bei seinem Herzensteam konnte Thielen nicht ausschlagen, also sagte er zu. Gegen alle Wahrscheinlichkeiten behielten ihn die Vikings anschließend sogar bis ins Training Camp, woran auch die großen Stars des Teams teilnahmen. Dort wurde Thielen zur Lachnummer. "Du konntest sehen, wie einige Defensive Backs ihn ausgelacht haben, als sie gegen ihn spielen sollten", sagt Hoffner und spielte auf die Statur des 1,88 Meter großen und dünnen Schlakses an. Thielen schaffte zwar nicht den Sprung in den finalen 53-Mann-Kader, doch blieb als Mitglied des Practice Squads bei den Vikings.

Das hieß also: Thielen durfte zwar mit dem Team trainieren, doch an den Spieltagen saß er mit seiner Familie vor dem Fernseher - während seine Teamkameraden auf sich aufmerksam machten. "Das war ein hartes Jahr für mich", sagt Thielen. "Du bist drei Jahre ein Starter in der High School, dann spielst du vier Jahre College und sitzt nie wirklich auf der Bank. Und auf einmal kannst du ein ganzes Jahr kein Spiel bestreiten. Ich dachte mir mehr als einmal: 'Mann, ich vermisse es, auf dem Feld zu stehen.'" Doch Thielen fand Wege, seine Frustration zu verstecken. Und das sollte sich auszahlen. Nur ein Jahr später, 2014, schaffte er den Sprung in den finalen Kader, vor allem aufgrund seiner Fähigkeiten als Special Teams Player.

In den Special Teams verbrachte Thielen dann auch den Großteil der nächsten zwei Spielzeiten. Als Receiver konnte er nur in 6 von 32 Spielen einen Ball fangen. Das zehrte an den Nerven des sonst so besonnenen Wideouts. Seine Frau Caitlin erzählt gerne von dem einen Mal, als ein anderer Receiver in einem Vorbereitungsspiel einen spektakulären Catch machte und Thielen nur meinte: “Ich bin besser als der Typ!" Doch Thielen ermahnte sich immer wieder, sich daran zu erinnern, wo er herkam und was er erreicht hatte. Er lebte noch immer seinen Traum und wusste, seine Chance würde irgendwann kommen.

Durchbruch mit spektakulären Catches

Und in der 2016er Spielzeit sollte es endlich soweit sein. Gleich im ersten Spiel gegen Tennessee verletzte sich einer der Starter und Thielen wurde ins kalte Wasser geschmissen. Mit einigen starken Catches, darunter ein spektakulärer Hechtsprung, spielte er sich direkt in die Herzen der Vikings-Fans. Und auch in das von Minnesota-Coach Mike Zimmer. "Ich dachte, jedes Mal wenn dieser Typ ins Spiel kommt und eine Möglichkeit bekommt, macht er Plays", so Zimmer. "Im Endeffekt ist das heute immer noch so."

Das Jahr 2016 sollte ausschlaggebend für Thielens weitere Karriere werden. Er etablierte sich schnell als verlässliche Option in einem Team, das in Tight End Kyle Rudolph und Wideout Stefon Diggs bereits über zwei elitäre Passempfänger verfügte. Doch nach einem 5-0-Start schwächelten die Vikings und beendeten das Jahr nur bei einer Bilanz von 8-8. Das Team verpasste die Playoffs, doch Thielen hatte seinen Traum verwirklicht. Er war Starter bei seinem Lieblingsteam - ein Ziel, das er sich Jahre zuvor in seinem verschneiten Haus in Detroit Lakes gesetzt hatte. Zeit also, sich zurückzulehnen?

Nicht für Thielen. Er wollte mehr. Jetzt, als er es geschafft hatte, wollte er auch mit dem Team Erfolge feiern. Caitlin meinte, sie würde sich manchmal wünschen, ihr Mann sei häufiger stolz auf das, was er bereits erreicht habe. Doch so ticke Thielen einfach nicht, wie sein ehemaliger College-Coach sagt. "Adam zeigt immer, was er drauf hat", so Hoffner. "Er selbst ist längst kein Geheimnis mehr, aber sein Geheimnis sind seine Beharrlichkeit und sein Hunger. Wenn er das jemals verlieren würde, wäre er nur ein gewöhnlicher Spieler."

Thielen schreibt Geschichte

Es ist diese Beharrlichkeit, die Thielen dahin gebracht hat, wo er im Jahr 2018 ankam: Einer der besten Receiver in der National Football League. Als erster Spieler in der Geschichte der Liga hat es Thielen geschafft, in acht aufeinander folgenden Spielen zu Saisonstart 100 Yards oder mehr zu fangen. Acht Spiele in Folge mit 100 Yards, wenn auch nicht zum Saisonstart, schaffte bislang einzig und allein “Megatron“ Calvin Johnson, der weltweit als einer der besten Wideouts aller Zeiten gilt. Kein Wunder also, dass es nicht Antonio Brown, nicht Julio Jones, sondern Thielen war, der nach exakt acht Wochen die meisten Receiving Yards (925 Yards, 6 Touchdowns) der NFL auf dem Konto hatte.

Und das kann nur der Anfang für weitere starke Spielzeiten gewesen sein. Es geht darum, dem Star-Receiver immer wieder freie Releases an der Line of Scrimmage zu ermöglichen und das mit den starken Intermediate-Throws von Quarterback Kirk Cousins zu kombinieren. Klappt das, fällt es schwer, ein Szenario zu finden, in dem Thielen nicht funktionieren könnte.. Laut Pro Football Focus spielte Thielen 2018 zudem über 60 Prozent seiner Snaps aus dem Slot, wo er mit seiner Schnelligkeit und Wendigkeit für noch mehr Separation sorgen kann. Wahrscheinlich wird Thielen nicht jeden Rekord brechen, der jemals existierte, aber eines ist sicher: Er wird weiterhin der Motor der Vikings-Offense bleiben und so versuchen, seine Wikinger Jahr für Jahr in die Playoffs zu führen.

Dort hat Thielen nach dem enttäuschenden Ende 2017 gegen den späteren Champion aus Philadelphia und dem Verpassen der Postseason 2018 noch eine Aufgabe zu erledigen. Denn wenn man Thielens Weg kennt, ist eines sicher: Er würde alle diese Rekorde für einen Titel mit seinen Vikings einlösen. Vom Lückenfüller zum Rekordmann zum Super-Bowl-Champion – es wäre eigentlich die logische Folge einer beeindruckenden Karriere.

NFL Season Standings 2018

AFC North

Rank Teams
1 Baltimore Ravens
2 Pittsburgh Steelers
3 Cleveland Browns
4 Cincinnati Bengals

AFC East

Rank Teams
1 New England Patriots
2 Miami Dolphins
3 Buffalo Bills
4 New York Jets

AFC South

Rank Teams
1 Houston Texans
2 Indianapolis Colts
3 Tennessee Titans
4 Jacksonville Jaguars

AFC West

Rank Teams
1 Kansas City Chiefs
2 Los Angeles Chargers
3 Denver Broncos
4 Oakland Raiders

NFC North

Rank Teams
1 Chicago Bears
2 Minnesota Vikings
3 Green Bay Packers
4 Detroit Lions

NFC East

Rank Teams
1 Dallas Cowboys
2 Philadelphia Eagles
3 Washington Redskins
4 New York Giants

NFC South

Rank Teams
1 New Orleans Saints
2 Carolina Panthers
3 Atlanta Falcons
4 Tampa Bay Buccaneers

NFC West

Rank Teams
1 Los Angeles Rams
2 Seattle Seahawks
3 San Francisco 49ers
4 Arizona Cardinals

Kontakt

TOUCHDOWN24 Verlag
Thomas Filges
Ollenhauerstr. 79
13403 Berlin - Germany

Tel.: 030 / 88 62 58 62
Mail: info@touchdown24.de

Social Network