Jimmy Garoppolo wird den 49ers in der nächsten Zeit fehlen. Jimmy Garoppolo wird den 49ers in der nächsten Zeit fehlen. imago images / Icon SMI

Overtime Week 2 – Ist die Saison für die 49ers gelaufen?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  22.09.2020
In „Overtime – der Wochenrückblick“ wirft TOUCHDOWN24-Redakteur Daniel Wolf jeden Dienstagmorgen einen etwas anderen Blick auf die Spiele der vergangenen Woche. Heute: Das Verletzungsdebakel der San Francisco 49ers, das sportliche Debakel der New York Jets und eine Liebeserklärung an Sean McVay.


49ers-Lazaret: War es das für den amtierenden NFC-Champion?

Ich lehne mich mit dieser Aussage nicht weit aus dem Fenster, aber Week 2 hat eindeutig gezeigt, wie wichtig Preseason-Games in der Saisonvorbereitung sind. Wer am Sonntag die Redzone laufen hatte, bekam den Eindruck, man sei beim Fußball, so schnell brachen die Spieler von Stadion zu Stadion zusammen. Dass die Anzahl der Verletzungen in diesem Jahr aufgrund der fehlenden Vorbereitung in die Höhe schnellen würde, war kein großes Geheimnis. Dass es aber bereits nach Woche 2 zahlreiche verletzte Superstars gibt, ist doch eine unschöne Überraschung.


Kein Team erwischte es so hart wie die San Francisco 49ers auf dem Geläuf der New York Jets. Die Defensive Ends Nick Bosa und Solomon Thomas haben sich vermutlich jeweils das Kreuzband gerissen, Runningback Raheem Mostert hat eine Knieblessur und Franchise-Quarterback Jimmy Garoppolo wird mit einer Knöchelverstauchung einige Wochen fehlen. Das alles bei einem Team, das vor Woche 2 bereits auf Receiver Deebo Samuel, Tight End George Kittle und Cornerback Richard Sherman verzichten musste.

So traurig es ist: Die Saison der Niners könnte in einer schweren NFC West bereits gelaufen sein. Kyle Shanahan ist zwar ein Genie, aber auch er kann aus Nick Mullens, Jerick McKinnon und Brandon Aiyuk keinen Contender formen. Ich sehe keinen totalen Zusammenbruch in San Francisco, aber die Playoffs könnten in einigen Wochen - abhängig von der Dauer von Jimmy Gs Verletzung - bereits außer Reichweite sein.

 

Die Jets haben nur noch eine Wahl: Fire Adam Gase!

Wie hat Adam Gase eigentlich noch einen Job in der Liga? Die Anzahl an Spielern, die unter Gase floppten, sich anderswo versuchten und dort jetzt aufblühen, wird von Jahr zu Jahr größer - Ryan Tannehill und DeVante Parker, um nur zwei Beispiele zu nennen. Und jetzt ist Gase drauf und dran, mit Sam Darnold eine weitere vielversprechende (Quarterback)-Karriere an die Wand zu fahren. Das Spiel der Jets war gegen San Francisco über weite Strecken derart einfallslos, dass selbst das B-Team der Niners keine Probleme hatte, „Gang Green“ zweistellig aus dem eigenen Stadion zu schießen.

Gase zeigte sich nicht nur absolut unkreativ im Play-Calling, er traf schlicht absurde Entscheidungen. Beispiel gefällig? Das kuriose Field Goal spät im Spiel bei einem Stand von 3:24, um „positive Vibes“ zu kreieren. 3 Punkte machen bei einem Rückstand von 21 Punkten aus einem 3-Possession-Game aber ein …? Richtig, ein 3-Possession-Game! Man muss kein Mathematik-Professor sein, um diesen Zusammenhang nachzuvollziehen.

Die Jets sind der klare Frontrunner auf den No.1-Pick und könnten ein wenig frisches Blut dringend gebrauchen. Wenn uns die jüngere Geschichte eins gezeigt hat, dann, wie unsinnig es ist, zwangsläufige Entscheidungen herauszuzögern. Deswegen ist New York besser dran, Gase noch heute den Laufpass zu geben.

 

Atlanta und große Führungen – gefühlt das hundertste Kapitel

28 und 3. Das sind zwei Zahlen, an denen Falcons-Fans in den letzten Jahren zu knabbern hatten. Seit diesem Sonntag kommen wohl zwei weitere Zahlen dazu: 29-10. Das war der Spielstand zur Halbzeit beim Spiel gegen die Dallas Cowboys, bevor das Team in der zweiten Hälfte einen weiteren, epischen Kollaps erlebte und mit 39-40 verlor. Gefühlt müssen gegnerische Teams den Falcons nur eine große Führung geben und sie sind auf der sicheren Seite.

Diese Niederlage war aber besonders kurios: Die Falcons hatten laut ESPN teilweise eine Gewinnwahrscheinlichkeit von über 99 Prozent. Es bedurfte eines totalen Blackouts bei einem Onside Kick der Cowboys, bei der die Falcons-Spieler um den Ball herumtanzten, als sei er eine heiße Kartoffel, statt ihn einfach aufzunehmen (was regeltechnisch absolut erlaubt gewesen wäre).

So befinden sich die Falcons in einer nur allzu vertrauten Situation: Mit dem Rücken zur Wand früh in der Saison. Letztes Jahr konnten die Spieler sich zusammenraufen und nach der Saisonhälfte einen Lauf starten, um Coach Dan Quinn zu retten. Dieser Lauf muss 2020 wohl früher kommen, wenn Quinn 2021 weiterhin in Atlanta coachen will.

 

McVay und die Rams erfinden sich neu

Tiefe Play-Action-Pässe und einer der größten AdoTs (Average Depth of Target) in der Liga – das waren zwei Dinge, die die Offense der Los Angeles Rams unter Sean McVay über drei Jahre hinweg ausgezeichnet haben. Diese Zeiten scheinen angesichts der ersten beiden Auftritte der Rams in diesem Jahr endgültig vorbei. Was sich beim Auftakterfolg gegen Dallas bereits angedeutet hatte, setzte sich beim Sieg über die Eagles fort.

Die „Rams 2020“ sind eine Offense, die variabel auftritt und sich mehr über das Kurzpassspiel definiert. Ein ausgeprägtes Screen-Game und ein Fokus auf Yards after the catch – das sind die Lösungen auf die schwachen Leistungen im Vorjahr, bei denen Jared Goff hinter einer geschwächten Offensive Line stark unter Druck stand. Goff fühlt sich in der neuen Offense deutlich wohler und kann noch mehr in seiner Rolle als „Game Manager“ glänzen.

Während andere Playoff-Anwärter wie die Vikings, die Eagles oder die Cowboys zu kämpfen haben, melden die Rams ernsthafte Ansprüche auf einen Platz in der Postseason an.

Daniel Wolf

Daniel Wolf hat Sportjournalismus an der Hochschule Ansbach studiert und dort seine Leidenschaft für das „richtige“ Football entdeckt. Ist seit Andrew Lucks Mega-Playoff-Comeback gegen die Kansas City Chiefs lautstarker Supporter der Indianapolis Colts. Schreibt seit 2018 für TOUCHDOWN24, hauptsächlich im Bereich NFL. Stolzer Vize-Meister der TOUCHDOWN24-Fantasy-Liga.

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