Die Cleveland Browns gehen 2021 mit Titel-Hoffnungen in die Saison. Die Cleveland Browns gehen 2021 mit Titel-Hoffnungen in die Saison. IMAGO / ZUMA Wire

Overtime – Die fantastische Offseason der Cleveland Browns

geschrieben/veröffentlicht von/durch  11.05.2021
Kaum ein Team hatte 2021 eine bessere Offseason als die Cleveland Browns. Nachdem General Manager Andrew Berry im Vorjahr die Offense um Baker Mayfield aufpolierte, bekam heuer die Defense den richtigen Schliff. Das Ergebnis: Die Browns haben Stand heute einen der besten Roster der Liga und zählen zurecht zu den frühen Playoff-Favoriten in der AFC.
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Für den Großteil der letzten zwei Jahrzehnte sind die Dinge in Cleveland nicht gerade rosig gelaufen. Schwache Draft-Picks, miese Free-Agent-Signings und Trainer, die sich bereits nach wenigen Jahren die Klinke in die Hand gaben. In einer Liga wie der NFL, deren Reiz in der Ausgeglichenheit aller Teams liegt, war es erstaunlich, wie die Browns über eine so lange Zeit so schlecht sein konnten.


Die Zukunft der Franchise schien sich aber bereits im letzten Jahr zum Besseren zu wenden. Cleveland holte elf Siege in der Regular Season und konnte mit dem Wildcard-Erfolg über die Pittsburgh Steelers sogar den ersten Playoff-Sieg seit mehr als 25 Jahren einfahren. Die Hoffnung vor dieser Saison war, den Roster punktuell zu verstärken, um aus einem aufstrebenden Team einen echten Contender zu bilden.

Starke Free Agency, noch besserer Draft


„Mission erfüllt!“, könnte man zu diesem Zeitpunkt der Saison sagen. Wenn der Kader der Browns im Vorjahr noch eine klare Schwäche hatte, dann war es die Secondary. Einer herausragenden Free Agency mit den Verpflichtungen von Safety John Johnson und Slot-Cornerback Troy Hill ließen die Browns mit Erstrunden-Cornerback Greg Newsome einen noch besseren Draft folgen. Zusammen mit Superstar Denzel Ward sollte das Defensive Backfield 2021 eher eine Stärke denn eine Schwachstelle sein.

 

Berry, seines Zeichens der jüngste General Manager der Liga, war mit seiner Mission „Defense“ aber noch lange nicht fertig. Jadeveon Clowney gibt den Browns noch mehr Tiefe in einer sowieso schon stark besetzten Defensive Line, während Zweitrundenpick Jeremiah Owusu-Koramoah ein weiterer Spieler mit enormem Potenzial ist. All diese Moves waren nicht nur direkte Verstärkungen für den Kader, sondern im Vergleich zu einigen anderen Signings dieses Jahres vergleichsweise günstig - Safety Johnson zum Beispiel entschied sich trotz besserer Angebote für die Browns, um 2021 für einen Contender zu spielen.

Alleine diese Aussage, die wir eher über die Brady-Patriots als die Browns gewohnt sind, zeigt, dass die Browns nicht mehr länger die Lachnummer der Liga sind. Tatsächlich ist der Roster auf dem Papier einer der besten der Liga, auf beinahe jeder Position ist Cleveland exzellent besetzt. Und anders als vor zwei Jahren, als Cleveland unter Trainer Freddie Kitchens bereits einmal auf dem Papier wie eines der besten Teams der Liga aussah, hat das jetzige Personal bereits bewiesen, dass es für Furore in den Playoffs sorgen kann.

Der Kader strotzt vor Talent


Tatsächlich kann man Argumente finden, dass der 2021er-Kader einer der besten ist, den die traditionsreiche Franchise in ihrer Geschichte hatte. Neben der verbesserten Defense haben die Browns alle relevanten offensiven Starter behalten. Die Offensive Line zählt zu den Top-3 der Liga, während das Runningback-Tandem aus Nick Chubb und Kareem Hunt ligaweit seinesgleichen sucht. Und mit Drittrundenpick Anthony Schwartz, eine echte Big-Play-Threat downfield, hat Quarterback Baker Mayfield eine weitere Waffe bekommen.

Natürlich dürfen wir auch Odell Beckham Jr. nicht vergessen, der den Saisonschlussspurt letztes Jahr verletzt verpasste. Ich habe der Theorie, dass Cleveland ohne OBJ ein besseres Team wäre als mit, nie etwas abgewinnen können. Head Coach Kevin Stefanski ist viel zu talentiert, um für einen ultra-athletischen Spieler wie Beckham keine Rolle in seiner Offense zu finden. Beckham wird in einer lauflastigen Offense vielleicht keine abstrusen Zahlen mehr auflegen, wie wir es aus einer Giants-Zeit gewohnt sind – aber er würde noch immer jeder Offense der Liga gut zu Gesicht stehen.

Im Vorjahr flogen die Browns vor der Saison ein wenig unter dem Radar, der Trainerwechsel von Kitchens zu Stefanski wurde vielerorts unterschätzt. Das wird dieses Jahr nicht der Fall sein. Der Hype-Train ist längst in Ohio angekommen und fast alle Experten erwarten große Dinge von den Browns. Es ist das erste Mal seit Jahren, dass Browns-Fans mit berechtigten Titel-Hoffnungen in eine Saison starten dürfen.

Der Druck liegt auf Mayfield


Der Druck liegt damit auf Quarterback Baker Mayfield, der das erste Mal in seiner noch jungen Karriere die zweite Saison infolge in demselben offensiven System spielen wird. 2020 machte Mayfield einen signifikanten Schritt nach vorne, aber er hat sein Potenzial noch längst nicht ausgeschöpft. Wollen die Browns in der starken AFC wirklich Juggernauts wie die Chiefs, Ravens und Bills angreifen, muss Mayfield einen weiteren Entwicklungsschritt nehmen.

2021 ist für Mayfield außerdem das vierte Jahr seines Rookie-Vertrags, die Option für das fünfte Jahr haben die Browns bereits gezogen. Sollte Mayfield seinen guten Eindruck aus dem Vorjahr bestätigen, könnte ihm als Nächstes eine dicke Vertragsverlängerung winken. Würden die Browns aber trotz eines herausragenden Rosters die Playoffs verpassen, ist auch Mayfields Zukunft über das Jahr 2022 alles andere als sicher.

 

Daniel Wolf

Daniel Wolf hat Sportjournalismus an der Hochschule Ansbach studiert und dort seine Leidenschaft für das „richtige“ Football entdeckt. Ist seit Andrew Lucks Mega-Playoff-Comeback gegen die Kansas City Chiefs lautstarker Supporter der Indianapolis Colts. Schreibt seit 2018 für TOUCHDOWN24, hauptsächlich im Bereich NFL. Stolzer Vize-Meister der TOUCHDOWN24-Fantasy-Liga.

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