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Eine kleine Momentaufnahme vor den NFL Playoffs

Hurra, die NFL Playoffs gehen los! Auch für George Kittle und die San Francisco 49ers. Hurra, die NFL Playoffs gehen los! Auch für George Kittle und die San Francisco 49ers. Imago Images / Icon SMI / Brian Rothmuller
Da geht sie dahin, die reguläre NFL-Saison 2021… die erste Spielzeit mit 17 Saisonspielen war wie so viele vor ihr eine ganz besonders einzigartige, wartete sie doch mit reihenweise Meilensteinen, dem dunklen Schleier der Covid-19-Pandemie sowie etlichen anderen interessanten Geschichten auf. Am letzten Spieltag wurden nun alle Weichen für die diesjährigen NFL Playoffs gestellt und damit drängt sich ein kleiner Rück- wie Ausblick förmlich auf!

Der erste 17. Spieltag einer regulären NFL-Saison war ein höchst dramatischer, packten doch reihenweise Teams ihre wirklich flüchtigen Playoff-Chancen beim Schopfe und stellten sich ihrem Schicksal in unnachahmlicher Manier. Andere dagegen stolperten vor ihren anstehenden Postseason-Auftritten, womit sie immer noch besser dastehen als jene, die ihren sicher geglaubten Platz unter der Playoffsonne mit unterirdischen Leistungen verspielten.



Wiederum eine andere Gruppe Teams jagte in den vergangenen Tagen zwischen Urlaubsbuchungen sowie Reinemachen im Locker Room nur noch die berühmte goldene Frucht mit der zackigen Krone. Was heißt das nun für die Rückschau auf die vergangene Regular Season, was steht der Sportwelt jetzt bevor in den NFL Playoffs? Erstmal jedenfalls steht fest was jetzt kommt, sagt der legendäre Jim Mora:



Und alle hoffen einfach nur darauf, das nächste Spiel zu gewinnen… zumindest die 14 Teams, die noch die Chance dazu haben.

Das monumentale Desaster der Indianapolis Colts

Bei den fröhlichen Rechenspielen jeglicher Playoff Pictures hing in der AFC eigentlich so ziemlich alles am Auswärtsspiel der Colts in Jacksonville, eine Niederlage des haushohen Favoriten war Basis vieler eigentlich unmöglicher Träume anderer Teams. Doch nicht nur eine berühmte Autowerbung weiß schon seit Ewigkeiten, dass alles möglich ist – erst recht in der NFL.

Die Niederlage der über die Saison zunächst totgeglaubten und dann fleißig aufholenden Jungs aus dem Mittelwesten ist die Art von Pleite, welche eine potenziell solide vor sich hin tuckernde Franchise auf Jahre mit einer psychischen Narbe versehen kann. Seit einiger Zeit schon kratzte Indianapolis am unteren Rand der NFL-Elite, gehörte für so manche Woche auch einmal dazu, aber letztendlich bleibt die Erkenntnis, dass hier nicht nur das Projekt Carson Wentz fürs Erste gescheitert ist. Und nun, Chris Ballard?

Welche NFL-Playoff-Teams sind heiß, welche kalt?

Viele der Mannschaften, die am letzten Spieltag noch um eine bessere Platzierung in den NFL Playoffs kämpften, vermasselten ihre letzten Auftritte. Arizona, New England und die Rams gingen baden, auch andere Top Teams wie Buffalo, Tennessee oder Kansas City taten sich lange schwer gegen doch eher weniger prominente Konkurrenz. Was das nun gepaart mit den dramatischen Siegen der Raiders, 49ers oder der Steelers für die kommende Woche heißt? Erst einmal gar nichts (Danke an Captain Obvious für diese Erkenntnis).

Wenn die vergangenen Wochen in der NFL eines mal wieder bewiesen haben, dann ist es die Tatsache, dass sich in der Liga von einem Tag auf den anderen alles rasend schnell ändern kann. Quatsch, von Spielzug zu Spielzug (da kann man ja die Chargers fragen). Den besten Eindruck mit dem meisten gefestigten Potenzial machten zuletzt ohne Frage die Green Bay Packers. Sie haben diesen Herrn Rodgers, seinen Kumpel Mister Adams, Heimrecht, Erfahrung und eine ganze Menge mehr auf der Habenseite.

Aber unverwundbar? Nicht im Geringsten. Dafür ist die Leistungsdichte in der gesamten NFL einfach zu groß. Es gibt reihenweise Teams, denen man einen langen Playoff-Run zutrauen würde, ein halbes Dutzend mit transzendenten Quarterbacks, einige mit gewieften Head Coaches… Momentum und Tagesform sind am Ende immer ganz entscheidend in der Postseason. Cincinnati dampfte zuletzt auf allen Kesseln, ist aber eigentlich noch zu jung. Dallas fand seine Offense, aber wann haben die Cowboys das letzte Mal in den Playoffs überzeugt? Es ist mit der diesjährigen NFL-Saison ein bisschen wie auf einem Kindergeburtstag. Es macht ganz lange ganz viel Laune und dann gibt es am Ende für jeden eine große Wundertüte mit Süßem für Zuhause.

Die fast vergessene NFL-Geschichte von T.J. Watt

In dem Durcheinander der ligaweiten Playoff-Jagd und mit all den vielen kleinen Geschichten, die vor der NFL-Postseason in diesen Tagen geschrieben werden, ging ein ikonischer Meilenstein fast ein wenig unter: Die 22,5 Sacks von T.J. Watt, mit denen er einen 20 Jahre alten NFL-Rekord von Michael Strahan einstellt. Dabei ist wohl kaum eine Leistung der abgelaufenen Saison symbolischer für einen Spieler und die Farben, die er trägt.

Watt ist ein Pittsburgh Steeler durch und durch, den man wohl ohne mit der Wimper zu zucken neben Jack Ham, Jack Lambert oder "Mean" Joe Greene hätte aufstellen können. Ein Arbeiter sinnbildlich für eine Arbeiterstadt mit Toughness bis in die Haarspitzen, jemand, der sich wohl in ein paar Jahren überall mit „All Time Great“ vorstellen könnte. Und er darf sogar in den diesjährigen NFL Playoffs mittanzen, was trotz seiner mehr als demütigen Worte bezüglich des Rekordes, wonach dieser nicht ihm sondern vielen Leuten zu verdanken ist, zum größten Teil sein Verdienst ist.

Welchen jungen Quarterbacks gehört die Zukunft?

Justin Herbert hätte es gar nicht mehr beweisen brauchen, doch sein spätes Comeback gegen die Las Vegas Raiders (auch wenn es letztendlich nicht von Erfolg gekrönt war) untermauerte abermals, dass er eine der prägenden Figuren der nächsten Quarterback-Generation sein wird. Ob das bei einer notorischen "Fast-Franchise" (immer mal wieder verdammt gut, aber eben nur fast gut genug) auch zu dauerhaftem durchschlagendem Teamerfolg führen wird, bleibt abzuwarten. Er scheint allerdings die Art von Superstar zu sein, der auch mittelmäßige Teams dauerhaft über ihre Leistungsgrenze hinausheben kann.

Neben Herbert reihen sich Jungs wie Joe Burrow, Josh Allen, Kyler Murray, Dak Precott und natürlich Patrick Mahomes ein, letzterer ist bis auf weiteres das Nonplusultra in Sachen Franchise Quarterback der kommenden Dekade. Was die diesjährige Rookie Class in Zukunft veranstalten wird steht dagegen noch in den Sternen. Außer Mac Jones, der vor allem von seinen Nebenleuten wie einem perfekten System um ihn herum profitierte, konnte kein hochgelobter Signal Caller von Lawrence über Fields bis Wilson wirklich beweisen, dass ihnen das Morgen gehört. Viel Spaß mit den Offseason Workouts, zitternde Fans der Kellerkinder!

Black Monday in der NFL… und dann?

Vic Fangio hat es bereits erwischt, am traditionellen "Black Monday" nach dem letzten Spieltag wird noch so manch anderer NFL-Coach seinen Schreibtisch räumen müssen. Matt Nagy, Mike Zimmer und Joe Judge sind wohl die heißesten Kandidaten. Im ersten Moment erscheint es vielen Fans wie ein Segen, dass dem erfolglosen Übungsleiter der Weg zur Tür gezeigt wird. Während es sicherlich in vielen Fällen der erste Schritt zur Besserung ist, sollte man nicht vergessen, dass im Endeffekt mit einer derartigen Personalie noch nichts gewonnen ist.

Denn auch die vergangenen Head Coaches kamen einst (so sie denn nicht Adam Gase hießen) mit großen Vorschusslorbeeren, markigen Worten und viel Hoffnung. Vieles sieht am Anfang toll aus, doch was bleibt ist meist die Erkenntnis, dass es nur ganz wenige Männer auf diesem Globus gibt, die das Zeug dazu haben, eine Franchise zum Super Bowl zu führen. Und um nichts anderes geht es letztendlich. An dieser Stelle also viel Glück an all jene, die in diesen Tagen auf Stepstone, LinkedIn oder ähnlichen Job-Börsen "NFL Head Coach" ins Suchfeld eingeben müssen.
Moritz Wollert

Moritz Wollert studierte Sportmanagement im Fernstudium an der Fachhochschule für angewandtes Management Erding. Er hat aber nach mehreren Jahren in der Praxis seine Leidenschaft für das geschriebene Wort zum Beruf gemacht und arbeitet mittlerweile als freier Autor und Redakteur. Hauptsächlich ist er dabei im Sportbereich unterwegs, seit 2020 auch fest für TOUCHDOWN24.

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