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NFL Combine: Gewinner und Verlierer

Der Österreicher Bernhard Raimann stellt sich beim NFL Combine den Fragen der Medien Der Österreicher Bernhard Raimann stellt sich beim NFL Combine den Fragen der Medien Imago Images / Icon Sportswire / Robin Alam
Der NFL Combine war einmal mehr sehr erkenntnisreich. Viele Talente gingen bestens vorbereitet in das Event und zuallererst konnten sich die Wide Receiver als besonders schnelle Positionsgruppe am Donnerstag hervortun. An den nächsten drei Tagen gab es weitere Gewinner, aber leider auch ein paar Verlierer. Nur sollte gesagt sein, dass es sich hier um einen Teil der Evaluation zum NFL Draft handelt und beim Combine keine Medaillen verteilt werden. Auch wenn es medial manchmal so wirkt.



Einige Talente müssen, um sich zu den Gewinnern des Wochenendes zu gehören, nicht einmal den 40 Yard Dash laufen. Quarterback Malik Willis bestach vor allem in den Interviews. Andere wiederum gewinnen bei den Messungen und medizinischen Tests. Letztere Resultate werden aber erst allmählich an die Öffentlichkeit gelangen, weshalb es dazu überwiegend Informationen über meinen Twitter-Feed geben wird. Folgt mir daher @Draft_Nerd 

NFL Combine Gewinner

Gehen wir es an. Hier sind zunächst die Gewinner vom NFL Combine 2022. Im weiteren Verlauf gibt es noch ein paar Verlierer. 

Wide Receiver aus Ohio

Alec Pierce von der University in Cincinnati, Ohio hat beim NFL Combine gewonnen. Mit 1,91 Metern gemessen und einem Gewicht von 95 Kilogramm lief er eine 4,41 im 40 Yard Dash, sprang er weitere 1,03 Meter in die Höhe und beschreibt damit einen enormen Catch Radius. Beim Standweitsprung setzte er noch einen drauf und sprang 3,28 Meter weit. Wer das zu Hause einmal ausprobieren will, wird sehen, wie krass diese Zahl ist.

Überrascht hat mich das tatsächlich nicht. Bereits an der High School spielte Pierce recht erfolgreich neben Football, auch Volleyball und verdingte sich im Dreisprung. Aber ich hatte den Eindruck, manche Entscheidungsträger in der NFL waren überrascht und werden bei Pierce, den einige schon als Possession Receiver abstempeln wollten, nochmal ins Tape gehen. (Hier rankt ihn CBSSports noch an 150!)

Dann waren da weitere Top-Performances aus dem Staat Ohio. Diesmal von der Football-Elite-Schule des Staates von den Buckeyes. Garrett Wilson hatte beim 40 Yard Dash knapp die Nase vor seinem Teamkollegen Chris Olave und konnte auch in anderen athletischen Drills gewinnen. In den Workouts gefiel mir wiederum Olave besser als Wilson. Beide sollten ihren Status als Erstrundenpicks zementiert haben. Es bleibt aber spannend, wer in diesem teaminternen Duell am Ende die Nase vorne hat. 

Christian Watson

Der größte Gewinner unter den Wide Receivern ist aber Christian Watson. Bereits nach dem Senior Bowl kletterte Watson die Boards nur so hinauf und der kometenhafte Aufstieg des FCS-Prospects von der North Dakota State geht nun weiter. Ich bleibe zwar dabei, dass mir letztendlich die Topresultate gegen die schwierigsten Matchups im College Football fehlen, um ihn in der ersten Runde auszuwählen, wäre aber trotzdem nicht überrascht, wenn Watson in ein paar Jahren als bester Wide Receiver dieser Klasse hervorgeht. Zumindest hat er das Risiko eines verlorenen Picks weiter minimiert. Mit 1,93 Metern und 95 Kilogramm gemessen, lief er eine 4,36, sprang 98 Zentimeter in die Höhe und schaffte mit 1,03 Metern einen der besten je gemessenen Standweitsprünge.

Zion Johnson erneut erste Klasse

Wer außerdem seit dem Senior Bowl punktet und punktet und punktet, ist Zion Johnson. Der Interior Offensive Lineman zeigte einen der besten 3-Cone Drills, was in meinen Augen der wichtigste Test in Sachen Beweglichkeit ist. Zusätzlich lief er noch einen schnelleren 20 Yard Shuttle Drill als Purdues Wide Receiver David Bell. Die Workouts im Anschluss waren aber leider nur wenig aussagekräftig. Diese ausladenden Drills, bei denen Philadelphia Eagles Offensive Line Coach Jeff Stoutland sogar versuchte, den Stance der Prospects so zu korrigieren, dass sie breiter stehen, obwohl dieser heutzutage gar nicht mehr gelehrt wird, war alles andere als Werbung für den NFL Combine. 

Malik Willis

Besonders promoten konnte sich dafür Malik Willis. Der Quarterback ist in den Interviews sehr positiv aufgefallen. Seine Messungen fielen dazu solide aus und in den Workouts bewies er noch einmal sein Ballgefühl bei tiefen Würfen über das Feld. Es fehlt zwar immer noch der spezielle Moment, der dafür sorgt, dass sich ein NFL Team von Kopf bis Fuß in ihn verliebt. Aber Willis wird immer klarer als bester Quarterback dieser Draftklasse gesehen.

Breece Hall

Als bester Runningback konnte sich beim NFL Combine Breece Hall von der Konkurrenz absetzen. Kenneth Walker III wird zwar bis zuletzt ein Wörtchen mitreden wollen, aber die Leistungen von Hall am Freitag waren phänomenal. Etwas leichter und dafür etwas größer, erzielte Hall nahezu identische Resultate zu Jonathan Taylor in allen wichtigen Kategorien. 

Georgia Rules The Combine

Jedes Jahr gibt es einen Spieler, der aus allen herausragt. Diesmal ist das Jordan Davis, der mit seinen Teamkollegen aus der Defensive Line von den Georgia Bulldogs den NFL Combine gerockt hat. Schauen wir uns seine Zahlen einmal an:

40 Yard Dash: 4,78 s

Hochsprung: 81 cm

Standweitsprung: 3,12 Meter

Der 155 Kilogramm schwere Defensive Tackle war damit schneller als ein Großteil der Quarterbacks in diesem Jahr und er sprang höher (vom Boden gemessen) als die meisten Runningbacks. Der zweitbeste Defensive Lineman sprang im Standweitsprung 28 Zentimeter kürzer als Davis. Damit nicht genug, erzielte er den zweitbesten je gemessenen RAS (=Relative Athletic Score) zu dem ich mich bei Kent Lee Platte und seinen umfangreichen Datenbanken auch bediene. Nur Hall of Fame Wide Receiver Calvin Johnson Jr. testete seinerzeit beim Combine besser als Jordan Davis.

Doch damit war die Show der Bulldogs noch nicht beendet. Devonte Wyatt knüpfte an diese besondere Performance genauso an, wie Travon Walker. Letzterer lief eine 4,51 in 40 Yard Dash und eine 4,32 im 20 Yard Shuttle Drill. Vor dem Combine versuchte Walker Scouts davon zu überzeugen, dass er seine Zukunft als 3-4 Outside Linebacker auf der Edge Position sehe und mit diesen Werten konnte er alle von seiner besonderen Qualität überzeugen. Nur wenige hatten das von Walker vorher so eingeschätzt und ihn bereits vor dem Event unter den Top Ten im NFL Draft 2022 geführt.

Nick Cross und “Sauce” Gardner

Während ich Walkers Aufstieg nicht vorhergesehen habe, kann ich bei einem Defensive Back punkten. Marylands Safety Nick Cross fand sich bereits vor ein paar Wochen auf Platz Zwei meines Position Rankings, was ich in aller Bescheidenheit hier kundtun möchte. Nachdem er mit einer 4,34 den schnellsten 40 Yard Dash aller Safeties hinlegte, den viertbesten Hochsprung mit 94 Zentimetern und den drittbesten Standweitsprung mit 3,3 Metern hinlegte, während er zuvor mit einer Größe von 1,85 Metern gemessen wurde, bei einem Gewicht von 96 Kilogramm, dürfte er in den nächsten Tagen auf mehreren Boards klettern.

Es wird auf alle Fälle spannend unter den Top Vier der Safeties. Kyle Hamilton bleibt der klare Favorit, aber dahinter hat sich auch Lewis Cine durch bemerkenswerte Interviews hervorgetan und wir dürfen auch Jalen Pitre nicht vergessen.


Ähnlich verhält es sich bei den Cornerbacks. Derek Stingley Jr. wird erst beim Pro Day der LSU Tigers testen und seine Vorverletzungen bereiten einigen NFL Teams mittlerweile doch mehr Sorgen als zunächst angenommen. Da könnte sich Ahmad “Sauce” Gardner bei den Teams aufdrängen. In den Workouts verhielt er sich außergewöhnlich gut und erfüllt in den athletischen Tests alle Anforderungen. Manche mögen ihn für etwas zu schmal halten. Aber dank eines Top Speeds von 4,41 Sekunden wäre es kein Beinbruch für sein explosives Spiel, wenn er noch etwas Masse auflegen würde.

NFL Combine Verlierer

Bevor wir zu den Verlieren kommen, sei eine wichtige Notiz gegeben. Myjai Sanders erlebte einen katastrophalen Combine. Jedoch sollte das ganze in den richtigen Kontext gerückt werden. Sanders war zwei Wochen heftig erkrankt und verlor über sechs Kilogramm Körpermasse. Sichtlich außer Form wollte er den Scouts dennoch beweisen, dass er ein “harter Kerl” ist und den Combine unbedingt bestreiten. Das rechnen ihm die Teams tatsächlich sehr hoch an und freuen sich, ihn in alter Frische bei seinem Pro Day in Cincinnati am 24. März begutachten zu können.

Kommen wir nun aber zu den echten Verlierern vom NFL Combine 2022.

Treylon Burks

Ein 4,55 zu laufen, bei seinen Körpermaßen von 1,88 Metern und 102 Kilogramm ist sicherlich kein Desaster. Doch damit befindet sich Burks definitv nicht mehr in der Kategorie von Deebo Samuel oder A.J. Brown, mit denen er vor dem NFL Combine gern verglichen wurde. Sein 40 Yard Dash zeigt, dass er nicht die Explosivität der beiden besitzt. Auch wenn eine gestoppte Zeit nur wenig über die tatsächliche Spielgeschwindigkeit im Route Running aussagt, so gibt sie doch seine athletischen und körperlichen Grenzen des machbaren an. 

Das soll auf gar keinen Fall heißen, dass Burks sich damit aus der Diskussion um die Top Receiver gebracht hat und plötzlich kein besonderer Passempfänger mehr sein kann. Doch hätte er beim Combine brilliert, hätte er sich bravourös von der Konkurrenz absetzen können. 

Kyren Williams

Ein viel größeres Problem habe ich mit Kyren Williams. Es gibt Schwellenwerte, die darf ein Prospect auf seiner Position nicht unterschreiten. Und Fakt ist, kein Runningback, der in den letzten zwölf Jahre eine 4,62 oder schlechter beim Combine lief, erhielt nachhaltig Spielzeit in der NFL. James Conner ist die einzige Ausnahme mit einer 4,65 und auch der brachte es im letzten Jahr gerade noch auf sechs Starts und auf keine einzige 1.000 Rushing Yards Saison.

Williams lief eine 4,72 im 40 Yard Dash. Obwohl er bei den Workouts später wieder so aussah, wie im Tape, hat er sich für mich disqualifiziert. Zu hoch wäre mir das Risiko im Vergleich zur Konkurrenz. Sein Pro Day wird nun die letzte Chance, diese Scharte wieder auszuwetzen. 

Coby Bryant

Coby Bryant zeigte gute Ball Skills in den Workouts, aber alles andere war wenig inspirierend. Ich hätte Bryant bereits vor dem Combine dazu geraten, auf Safety umzuschulen, wo er seine Fähigkeiten als harter Hitter und sein hohes Maß an Feldübersicht wesentlich besser einbringen kann. Gegenüber anderen Cornerbacks hat der Jim Thorpe Award Gewinner 2021 für den besten Cornerback im College Football in den athletischen Tests an Boden verloren. Im Vergleich zu den Safeties steht er gut da und dort wird weniger Agilität und Explosivität aus der Rückwärtsbewegung heraus, von ihm verlangt. Dies würde also seinen Stärken viel eher entsprechen. Coby Bryant ist daher für mich kein echter Verlierer. Er hat dafür gezeigt, dass er über einen Positionswechsel nachdenken muss, um in der NFL Erfolg zu haben. 

Philipp Forstner

DraftNerdPhilipp Forstner, alias Draft Nerd, ist ehemaliger O-Liner und sammelte erste Erfahrungen als Autor bei "Beardown Germany". Er schreibt über den NFL Draft und College Football für TOUCHDOWN24 und beobachtet als Scout die zukünftigen und aktuellen Spieler der NFL.
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