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Aidan Hutchinson, Travon Walker oder Kayvon Thibodeaux?

Kayvon Thibodeaux fällt in der Wahrnehmung zum NFL Draft 2022 gerade hinter Aidan Hutchinson und Travon Walker zurück. Dabei galt er vor einigen Monaten noch als First Overall Draftpick Kayvon Thibodeaux fällt in der Wahrnehmung zum NFL Draft 2022 gerade hinter Aidan Hutchinson und Travon Walker zurück. Dabei galt er vor einigen Monaten noch als First Overall Draftpick Imago Images / ZUMA Wire /
Wenn ein NFL Team in den Top Drei im NFL Draft einen Spieler auswählt, suchen sie einen potentiellen Star-Spieler, sozusagen ein Talent, welches so nur einmal im Jahrzehnt vorkommt und die Mannschaft von Grund auf verbessert. Viele Mock Drafts haben in den letzten Wochen Aidan Hutchinson an Nummer Eins gesehen. Aber zwei weitere Spieler sind immer wieder in der Diskussion. Travon Walker steigt seit dem NFL Combine drastisch die Boards hinauf und viele glauben, Jacksonville Jaguars General Manager Trent Baalke könnte sich in den gut gebauten Athleten verguckt haben. Die Detroit Lions und Houston Texans beschäftigen sich indes mit der Frage, ob sie an Zwei oder Drei sogar Kayvon Thibodeaux den Vorzug geben möchten.



Was wäre für die Teams in der Nacht vom 28. auf den 29. April die beste Entscheidung und wohin tendieren sie tatsächlich. Eine Interpretation der Talente und der jeweiligen Teams.

Athletik: Vergleich Hutchinson vs. Thibodeaux vs. Walker

Aidan Hutchinson ist in den meisten Mock Drafts weiterhin die Nummer Eins. Doch ein anderer Name taucht immer wieder auf. Die Jaguars scheinen Travon Walker zu bevorzugen. Zum einen sind es die passenden Vergleiche zu Josh Sweat, den der neue Head Coach Doug Pederson 2018 nach Philadelphia zu den Eagles lotste. GM Trent Baalke wiederum sucht den nächsten Aldon Smith, unabhängig von den charakterlichen Bedenken natürlich und sieht dies zweifellos in Travon Walker. Doch gerade Kayvon Thibodeaux hat aufgrund seines athletischen Profils vor allem den frühen Draftprozess dominiert.

Über das Werkzeug RAS-Compare können athletische Messungen im Kontext zu ihrer Position und ihrer Körpermessungen wunderbar miteinander verglichen werden. Werfen wir also einen Blick auf die drei Talente im direkten Vergleich und in der Comparison zu Josh Sweat und Aldon Smith.


Wie wir sehen, sind alle Prospects im hohen grünen Bereich und gelten damit als elitäre Athleten. Travon Walker hat leicht die Nase vorn gegenüber Aidan Hutchinson und Kayvon Thibodeaux. Besonders in den wichtigen Bereichen 2-Cone und Shuttle Drill, wo es um Agilität und Geschwindigkeit geht, gewinnt Aidan Hutchinson gegen den hochgepriesenen Athleten Walker. Ein Fakt, der ihm in den Medien nur selten zugestanden wird. Lediglich im Broad Jump, der Explosivität beim ersten Schritt wiederspiegeln soll, lässt sich Hutchinson von Walker abhängen.


Im direkten Vergleich von Travon Walker mit Aldon Smith und Josh Sweat wird deutlich, weshalb Walker bei Pederson und Baalke plötzlich eine Rolle spielt, in der Diskussion um den First Overall Draftpick. Es zeigt aber auch, wie überragend die diesjährige Spitze der Edge Defender in athletischen Tests abschneidet. 

Fazit: Hutchinson vor Walker vor Thibodeaux

Pass Rush: Hutchinson vs. Thibodeaux vs. Walker

Es gibt im Pass Rush verschiedene Wege, zum Quarterback zu gelangen. Einige gewinnen mit purem Speed und tiefer Körperbeuge über außen, andere überwältigen ihren Gegner mit Kraft und Energie und einige exzellente Techniker versuchen mit variablen Pass Rush Moves innen wie außen durchzukommen.

Wer zwei oder sogar drei dieser Anlagen und Fähigkeiten zusammenbringt, steigt unter den NFL Profis in die Elite der Edge Defender auf. Khalil Mack oder Myles Garrett sind gute Beispiele dafür, wie konstant und effektiv ein Spieler performen kann, wenn er all diese Werkzeuge zusammenführt. 

Aidan Hutchinson ist diese Art Spieler und hat dies bereits am College bewiesen. Er konnte auf vielen unterschiedlichen Wegen zum Quarterback gelangen und landet in jedem Spiel gegen jedes Matchup zahllose Sacks und Pressures.

Travon Walker musste Einbußen aufgrund des Schemes der Georgia Bulldogs hinnehmen. Seine Aufgabe war es öfter, Lücken für seine blitzenden Linebacker Nakobe Dean, Channing Tindall und Quay Walker aufzureißen, durch die diese hindurchstoßen konnten. Dementsprechend wurde er bei Speed Rushes über außen nur selten eingesetzt, obwohl sein athletisches Profil dies zugelassen hätte. Außerdem waren seine Techniken bisher weniger darauf angelegt, selbst schnellstmöglich zum Quarterback zu kommen. Deshalb gibt es hier einmal eine Grauzone, weil es nur wenig Filmmaterial gibt, dass seine wahre Präsenz in der NFL abbildet und zweitens fehlt die notwendige Erfahrung als vielseitiger Pass Rusher. 

Kayvon Thibodeaux ist der athletische Edge Defender, der über außen und mit purer Kraft dominieren kann. Wo es momentan bei ihm noch fehlt, sind seine Techniken und das nötige Spielverständnis, die ihn im Zusammenspiel zu einem konstanten Pass Rusher machen. Er selbst macht diese Schwäche bei sich aus, wie Interviews beim NFL Combine verraten. Diese Erkenntnis ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklung seines Repertoires. 

Fazit: Hutchinson vor Thibodeaux vor Walker

Stats: Hutchinson vs. Thibodeaux vs. Walker

Wenn es nach den reinen Statistiken geht, wäre Kayvon Thibodeaux immer noch die unangefochtene Nummer Eins. Diese sind auch tatsächlich Teil des Gesamtbildes. Um einen sehr hohen Draftpick zu rechtfertigen, müssen grundsätzlich die athletischen Anlagen, das Filmmaterial und die daraus resultierende Produktion stimmen. Und unter Berücksichtigung der Einsatzzeiten, der daraus resultierenden Sack-Rate und Pressure-Rate, liegt Thibodeaux vor Hutchinson und klar vor Walker. Die Daten sind von Sports Reference.


Aidan Hutchinson:


Kayvon Thibodeaux:


Travon Walker:


In 36 Einsätzen kommt Aidan Hutchinson auf 17,5 Sacks und 27,5 Tackles for Loss. Damit kommt er auf eine Sack-Rate von 0,49 pro Spiel und landet durchschnittlich 0,76 Tackles for Loss. Kayvon Thibodeaux bringt es in 30 Einsätzen auf eine Sack-Rate von 0,633 und landet sagenhafte 1,18 Tackles for Loss. Außerdem hat er laut Pro Football Focus auch die höchste generelle Pressure-Rate.

Travon Walker schafft in 29 Spielen gerade einmal 0,33 Sacks pro Begegnung. Die Gründe dafür kennen wir, trotzdem fällt er hier eindeutig zurück. Auch mit 0,45 Tackles for Loss pro Spiel holt er das nicht mehr annähernd auf und befindet sich in Sachen Pressure-Rate unter Ferner liefen. Hier holt er bei PFF immerhin wieder auf, wenn man nur seine Snaps, die er als echter Edge Defender hatte, isoliert betrachtet, kann aber auch darin nicht an Hutchinson oder gar Thibodeaux vorbeiziehen. 

Fazit: Thibodeaux vor Hutchinson vor Walker

Run Defense: Hutchinson vs. Thibodeaux vs. Walker

Damit ein Spieler besonders hoch gedraftet wird, benötigt er vor allem auch Spielzeit und Einsatzmöglichkeiten. Ein Rollenspieler, der anfangs nur bei klaren Passing Downs eingesetzt werden kann, rechtfertigt niemals einen Top Drei Draftpick. Der Bust wäre ansonsten vorprogrammiert, weil der Spieler nie den Ansprüchen gerecht werden kann. 

Da der Ball in der NFL auch gelaufen wird, gilt es, in der Verteidigung des Laufangriffs mindestens passabel zu sein. Travon Walker bietet hier aber sogar ein besonderes Upgrade. Gegen den Lauf war er am College bereits sehr zuverlässig und zeigte sich auch im Zentrum als unbändiger Störenfried an der Line. Vor allem im Handeinsatz löst er sich hervorragend von Blockern und lässt sich von einem einzelnen Blocker gewiss nicht aus der Run Lane arbeiten.

Bei Thibodeaux verläuft das ähnlich. Mit langen Armen und physischen Einlagen behält er als Run Defender die Oberhand.

Hutchinson hat hier einen klaren Nachteil. Er hat für seine immense Körpergröße relativ kleine Arme. Bessere Athleten in der Offensive Line werden ihn deshalb zeitweise aus dem Spiel nehmen können. Glücklicherweise verschafft sich der Edge Defender aber mit seiner besonders positiv hervorzuhebenden Einstellung und einer hohen Ausdauer im weiteren Spielverlauf wieder einen nötigen Vorteil. 

Fazit: Walker vor Thibodeaux vor Hutchinson

Vielseitigkeit: Hutchinson vs. Thibodeaux vs. Walker

Ein weiteres Attribut ist in der heutigen NFL die Vielseitigkeit eines Spielers. Denn einen Edge Defender situativ weiter nach innen ziehen zu lassen oder ihn in Coverage droppen zu sehen, sind Komponenten, die Defensive Coordinator heutzutage an Talenten schätzen.

Zugegeben, es dürfte ohnehin selten passieren, aber Thibodeaux und Hutchinson sind nicht für Pass Coverages gemacht. Sie gehören als Ends an die Line und sollten als 3-4 Edge Defender immer in Richtung Quarterback ziehen. Damit ist bei den beiden auch alles über den Mangel an Vielseitigkeit gesagt.

Travon Walker liefert hier weiteres Upside. Er kann weiter innen spielen und hat dies bereits gezeigt und deutete bei seltenen Snaps in Coverages an, wie sicher der Edge Defender sich im offenen Feld bewegt. Gerade hybride Fronts, die gerne auch eine Front rotieren und versuchen Schwachstellen in der Offensive Line zu attackieren, werden Walker deshalb noch einmal mehr schätzen.

Fazit: Walker vor Hutchinson vor Thibodeaux

Bedeutung für den NFL Draft 2022

Insgesamt landet Aidan Hutchinson vor Kayvon Thibodeaux und Travon Walker. Rein aus der Spielerbewertung ist die vage Prognose über Walker das Risiko nicht Wert. Denn es gibt sichere Auswahlmöglichkeiten, die in meinen Augen auch größere Talente sind.

Was machen die Jaguars?

So sehr Vergleiche zu Aldon Smith sich anbieten, so schwierig finde ich die Prognose für Travon Walker. Denn im Gegensatz zu Smith fehlte Walker bis zuletzt am College die Produktivität. Setzen wir seine Zahlen ins Verhältnis zu Kayvon Thibodeaux, stellt sich schon die Frage, was die Jacksonville Jaguars noch in Travon Walker sehen, als nur das athletische Profil von Josh Sweat oder Smith.

Die Jaguars sollten deshalb ihren First Overall Draftpick in einen Spieler investieren, der definitiv bereit ist, vom ersten Tag an effektiv zu spielen. Zwar kann Walker langfristig als bester Spieler dieser Draftklasse hervorgehen, aber diese Prognose ist so fraglich, dass es das Risiko für Jacksonville in der Anwesenheit von Aidan Hutchinson und Thibodeaux nicht Wert sein sollte. Es ist ihnen aber zuzutrauen, dass sie dieses Wagnis eingehen, weil sie sich schlichtweg in Walker verknallt haben. Liebe macht eben blind. 

Was machen die Lions?

Die Lions sind an zweiter Stelle dran und suchen bereits Interessenten für diesen Pick um aus den Top Drei herauszutraden und weitere Auswahlmöglichkeiten im Draft zu sammeln. Dies werden sie aber erst tun, wenn sie an der Reihe sind und gesehen haben, was die Jaguars mit ihrem First Overall Pick machen. Denn sollte Aidan Hutchinson noch da sein, wird der Verkünder des Picks in Rekordzeit zum Pult stürmen und die Auswahl verkünden. Den Homegrown Athleten aus Plymouth, Michigan, einem Vorort von Detroit zu angeln, wäre das Traumszenario für die Löwen aus der Motor-City. 

Sollte er nicht mehr da sein und kein Downtrade möglich sein, geht es für sie noch um die Frage: Kayvon Thibodeaux oder Travon Walker?

Detroit sendete deshalb eine siebenköpfige Abordnung nach Eugene, Oregon und testete das Talent von der Westküste auf Herz und Nieren. Vor allem die Interviews waren hierbei entscheidend, kamen in der Vergangenheit doch immer wieder Gerüchte über die Arbeitseinstellung von Thibodeaux auf. 

Wir können das von dieser Seite des Atlantiks nicht beurteilen, aber Aussagen von gegnerischen Offensive Coordinators, die sagen, man müsse “Thib” nur im ersten Quarter stoppen, um ihn auszuschalten, stehen deutlich im Raum. Sollten die Lions ihn aufgrund persönlicher Probleme abkanzeln, werden sie ihn nicht draften. Sind sie damit gut, nehmen sie Thibodeaux. 

Was machen die Texans?

Wenn die Jaguars an Nummer Eins das Risiko meiden und Travon Walker auslassen, wäre Travon Walker an dritter Stelle für die Houston Texans noch zu haben. Und die Texans brauchen dringend Hilfe im Pass Rush. In Sacks und Pressures fand sich das Team jeweils auf den letzten Plätzen im Liga-Vergleich 2021 wieder.

Genau in diesem Bereich hat Walker sein Potential bisher aber nicht bestätigt. Deshalb gibt es auch für Houston geeignetere Prospects. Nach einem Downtrade kann George Karlaftis eine gute Ergänzung sein. Genauso bietet es sich an, dass hier der erste Offensive Tackle oder Cornerback vom Board geht. Prinzipiell können die Texaner hier Best Player Available gehen. Wenn das in ihren Augen Travon Walker ist, go get’em. 

Philipp Forstner

DraftNerdPhilipp Forstner, alias Draft Nerd, ist ehemaliger O-Liner und sammelte erste Erfahrungen als Autor bei "Beardown Germany". Er schreibt über den NFL Draft und College Football für TOUCHDOWN24 und beobachtet als Scout die zukünftigen und aktuellen Spieler der NFL.
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