GFL – German Football League – Wird die noch gebraucht, oder kann die weg?

geschrieben/veröffentlicht von/durch  23.11.2020
Es sind schwere Zeiten für das Präsidium des AFVD. Nicht nur das sich mit RESTART21 eine Initiative formiert hat die den Austausch des gesamten Präsidiums inklusive des Präsidenten Robert Huber fordert, nein, mit der Vorstellung der European League of Football kurz ELF, bekommt der Verband und die GFL auch gleich noch eine neue Liga vor den Latz geknallt. Als ob die Covid19 Pandemie nicht schon genung Kraft und Anstrengungen gekostet hätte.

Doch genau diese Pandemie hat die Schwächen und die Versäumnisse der letzten Jahre mehr als deutlich aufgedeckt. Doch allein dem Verband die Schuld für diese Versäumnisse in die Schuhe zu schieben dürfte wohl zu kurz gesprungen sein. Das wird auch die Initiative RESTART21 zu spüren bekommen, sollte deren Vorhaben denn von Erfolg gekrönt sein.

Man wird zugeben müssen, die derzeitigen Probleme bestehen nicht erst seit gestern sondern basieren auf Fehlentscheidungen, zu geringem Weitblick und auch den persönlichen Interessen Einzelner. Zugeguckt und mitgemacht oder auch die Augen verschlossen haben allerdings auch die Vereine der GFL und der GFL2. Auch diese müssen sich hinterfragen, ob sie nicht vieles hätten anders machen können oder im Interesse des Sportes vielleicht sogar hätten machen müssen.

Doch eben diese Vereine haben in den letzten Jahren nur hinter vorgehaltener Hand Kritik geäußert, zitiert werden wollte so gut wie niemand, wollte man doch nicht als Nestbeschmutzer dastehen. Lieber ließ man die Dinge laufen, kümmerte sich um seinen eigenen Kram und hoffte darauf, dass andere die Dinge schon richten werden. So ist es denn auch gekommen. Dank Corona, so blöd das auch klingt. Ohne dieses Virus wäre wahrscheinlich wohl alles beim Alten geblieben, es lief ja, zwar sehr amateurhaft, aber es lief.

Es gibt Vereine, da läuft es tatsächlich gut, so z.B. bei den Schwäbisch Hall Unicorns, deshalb verwundert es auch nicht, dass dieser Verein am Dachverband und den jetzigen GFL-Strukturen festhält und diese auch verteidigt und sich beim weiteren Umbau der Liga engagiert. Aus Sicht der Haller mehr als nachvollziehbar. Aus der über Jahre geschaffenen Komfortzone will man eben nicht raus. Ob dieses Denken aber dem Gesamtbild American Football in Deutschland wirklich dienlich ist, scheint dabei zweitranging. Denn es muss die Frage erlaubt sein, warum ausgerechnet diese Personen, die bis jetzt den American Football in Deutschland nicht ins 21. Jahrhundert holen konnten der Ansicht sind, es gerade jetzt zu schaffen?

Jetzt wo sich öffentlich Widerstand regt und sich sogar eine neue Liga mit professionellen Ansprüchen formiert merkt man plötzlich, dass man nicht einfach so weitermachen kann. Das Problem dabei, man wird genauso weitermachen wie bisher. Wirkliche Veränderungen, die die GFL professioneller machen, wird es nicht geben. Es wird ein Sport auf Amateurbasis bleiben, daran wird auch eine neue Verbandsführung nichts ändern können. Dieser Wahrheit muss man sich einfach stellen.

Die Gründe liegen auf der Hand, denn Verband und Vereine haben schon jetzt klar gemacht, sie werden am Ehrenamt und dem Vereinsdenken festhalten. Dabei sei ausdrücklich erwähnt, dass am Ehrenamt nichts verwerfliches ist, im Gegenteil. Es gilt jedem, der sich ehrenamtlich einbringt, höchsten Respekt entgegen zu bringen. Doch eben dieses Festhalten am Ehrenamt steht jeglicher Professionalisierung im Weg. Warum? Ganz einfach, um American Football einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren bedarf es Profis. So z.B. im Bereich Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, hier hat die GFL noch ordentlich Luft nach oben. Diese Profis wird man aber auf ehrenamtlicher Basis nur schwer finden, da sich dieser Bereich als sehr komplex und arbeitsintensiv präsentiert. Die meisten Vereine dürften sich solche Profis wohl kaum leisten können. Gleiches gilt auch für viele weitere Bereiche in den Vereinen. Ohne ehrenamtliche Helfer, hätte die GFL und der American Football in Deutschland schon lange fertig. Auch wenn man das auf Verbands-u. Vereinsseite sicherlich anders sieht und vielleicht auch anders sehen muss.

Doch gerade dieser Verband versucht nun sich neu zu positionieren, allerdings nicht sonderlich geschickt. Anstatt mit der neuen Liga, die im kommenden Sommer mit eventuell acht Mannschaften ihr Debüt geben will, sich an einen Tisch zu setzen, kommuniziert man lediglich Argumente, die schon jetzt das Scheitern dieser Profi-Liga prophezeien. Ein Hinterfragen warum sich eine solche Liga überhaupt gründen konnte? Fehlanzeige. Stattdessen beschwört man das Ende des gesamten American Football in Deutschland herauf. 

An diesem Untergang wären der AFVD und die GFL nicht ganz unbeteiligt, auch das gehört zur Wahrheit. Statt nach Möglichkeiten zu suchen, wie beide Ligen im Sinne des Sportes von einander profitieren könnten, verirren sich AFVD, GFL und deren Anhänger in der Vergangenheit und zeigen damit deutlich auf, dass sie noch immer nicht in der Neuzeit angekommen sind.

American Football ist im 21. Jahrhundert mehr als nur Sport, er ist auch Unterhaltung und genau das sucht das junge Publikum von heute. American Football ist Show und Sport in einem es bedarf Typen die sich vermarkten lassen, Typen über die sich die Fan-Gemeinde im Netz aufregen oder freuen kann. Typen über die man spricht, Typen deren Trikots man käuflich erwerben kann. Mannschaften um die sich Fangruppen bilden, so wie man es von der NFL her kennt. Das alles hat die GFL bisher nicht oder nur im überschaubaren Rahmen zu bieten und das dürfte sich zukünftig auch nicht zum Besseren wenden.

Der GFL würde eine grössere öffentliche Aufmerksamkeit auch mehr schaden als nutzen, denn viele Vereine verfügen nicht über die nötigen Kapazitäten einer höheren Zuschauerzahl gerecht zu werden. Es fehlt manchenorts einfach an den nötigen Spielstätten. Somit auch an der Möglichkeit höhere Einnahmen zu generieren. Ein Teufelskreis für den ein oder anderen Club.

Eben diesen Teufelskreis will die European League of Football nun durchbrechen. Diese Liga wird der GFL Spieler kosten, keine Frage, wer will es diesen aber auch verübeln? Diese neue Liga bietet aber auch eine Chance, denn warum nutzt man die GFL nicht als Aufbau-Liga für die ELF? Hier sei als Beispiel nur mal College-Football und NFL aufgeführt. Wenn beide Seiten diesen Nutzen und die entstehenden Möglichkeiten erkennen, dann könnte man zukünftig ein gutes Gesamtkonzept im Einklang beider Ligen und im wahren Sinne der Nachwuchsförderung auf den Weg bringen. Jungen Spielern würde man so ein Ziel geben, ein Ziel, im eigenen Land Profi werden zu können. Ein solches Ziel bietet die GFL derzeit und wohl auch zukünftig nicht, auch nicht durch die Zusammenarbeit mit der kanadischen Liga. Doch genau hier tut sich der AFVD schwer und übersieht die Option, sich bei einem Scheitern der ELF als Retter des Sportes präsentieren zu können. Dazu muss man die GFL nur zukunftsorientiert aufstellen um im Fall der Fälle Spieler aus der ELF aufgefangen zu können. Doch die Fronten sind verhärtet. 

Die heutigen Marketingmöglichkeiten sind andere als in den Neunzigern. Allein durch das Internet ergeben sich völlig neue Möglichkeiten. Aber genau das übersehen Kritiker der ELF gerne mal wenn sie Vergleiche zu bereits gescheiterten Profi-Ligen in Deutschland heranziehen. Wir leben in einer völlig anderen Zeit, dies gilt es zu erkennen.

Die ELF hat mächtig viel Arbeit vor sich und es wird Rückschläge geben, doch es wird Zeit, dass alle im Sinne des Sportes an einem Strang ziehen, persönliche Differenzen überwinden und sich in den Dienst der Sache stellen – Dem American Football in Deutschland!

Der Ausgang im Kampf um das AFVD Präsidium zwischem den aktuell Verantwortlichen und der Initiative RESTART21 wird zeigen, in welche Richtung sich der American Football in Deutschland bewegen wird. RESTART21 zeigte sich zuletzt mit den Gründern der ELF gesprächsbereit. Findet man keinen gemeinsamen Nenner, so könnte die GFL in der Tat bald Geschichte sein, immer vorausgesetzt die ELF ist wirtschaftlich und medial erfolgreich. Denn dann wird die GFL weiter in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Schon jetzt tendiert das Interesse der Medien an der GFL gen Null. Ein Resultat aus der schlechten Medienarbeit der letzten Jahre. Die reine Fokussierung auf den eigenen Facebook- oder Instagram Kanal ist eben zu wenig, auch wenn viele Vereine das unter Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit verstehen. Das hier nur die eigene Fanbase bedient wird, wird dabei gerne übersehen.

Es wird Zeit über den Tellerand zu schauen und für die Vereine wird es Zeit American Football in Deutschland als großes Ganzes zu betrachten und zu verstehen. Die Zeit ist gekommen den Mikrokosmos AFVD/GFL zu verlassen und sich den neuen Möglichkeiten und Herausforderungen zu stellen. Doch will man das?

Und ja, die GFL wird noch gebraucht, aber nicht so, wie man sie kennt!

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Thomas Filges

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