Touchdown Galaxy: Robert Baker erzielt 2003 im Frankfurter Waldstadion Punkte gegen Rhein Fire Touchdown Galaxy: Robert Baker erzielt 2003 im Frankfurter Waldstadion Punkte gegen Rhein Fire IMAGO / Ed Cornejo

Mythos Frankfurt Galaxy

geschrieben/veröffentlicht von/durch  Dirk Kaiser 08.04.2021
Am 27. Juni 1999 war die Frankfurt Galaxy auf dem Höhepunkt. Zum zweiten Mal in ihrer Geschichte hatte die Organisation aus der Main-Metropole den World Bowl gewonnen. Mit 38:24 besiegte die Mannschaft des späteren Quarterbacks der Carolina Panthers, Jake Delhomme, die Barcelona Dragons im Düsseldorfer Rheinstadion vor knapp 40.000 Zuschauern. Es war der zweite von insgesamt vier Triumphen der Galaxy im europäischen Ableger der National Football League.
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“Die Frankfurt Galaxy erreichte mit 35.000 Zuschauern den ewigen besten Schnitt aller Teams der Liga, übertraf damit eine Reihe der Fußball-Bundesligisten und wurde endlich seitens Medien, Politik und Wirtschaft als maßgeblicher Sport- und überregionaler Imageträger anerkannt“, berichtete Tilman Engel TOUCHDOWN24 in einem Interview im Sommer 2018. Die Galaxy war bereits 1991 Gründungsmitglied in der World League of Football, dem Vorgänger der NFL Europe. Damals gehörten die Frankfurter neben den London Monarchs und Barcelona Dragons zu den drei europäischen Mannschaften, die sich mit Montreal Machine aus Kanada sowie sechs Teams aus den USA messen durften. Es darf schon fast als tragisch angesehen werden, dass die Galaxy mit sieben Siegen aus zehn Spielen zwar das drittbeste Team der Regular Season stellte, in der europäischen Division hinter den Monarchs und Dragons die Playoffs aber verpasste.

Trotzdem, insbesondere auf dem alten Kontinent, war diese Spielzeit der Beginn einer Erfolgsgeschichte des American Footballs unter NFL-Regie. Der Mythos “Frankfurt Galaxy“ nahm in den frühen Neunziger Jahren seinen Anfang. “In strategischer Hinsicht sind hier die Jahre ab Juli 1995 und 2004 zu nennen, als es der Liga gelang, das Galaxy-Geschäftsmodell erfolgreich auf neue Märkte in Düsseldorf und Hamburg zu übertragen“, sagte Engel auf den Erfolg der Galaxy angesprochen. Und weiter: “Hier wurde so der Nachweis erbracht, dass der Erfolg der Frankfurt Galaxy nicht ein einmaliges Phänomen im deutschen Sport war, sondern dass auf dieser unternehmerischen Kommunikationsgrundlage auch eine ganze Liga in Deutschland nachhaltig erfolgreich sein kann.“

“Beeindruckende Zuschauerzahlen“

Engel war von 1998 bis zum Ende der Liga 2007 einer der prägnantesten Figuren im NFL-Europe-Universum. Als Geschäftsführer von Frankfurt Galaxy erlebte er das Tagesgeschäft hautnah mit. Und durfte gestalten. Die Mutterliga aus den USA machte kaum Vorgaben. “Den Teams, die sich wie die Frankfurt Galaxy umfassend in das Thema Kundenbindung einbrachte, gelang es sehr früh, beeindruckende Zuschauerzahlen zu erzielen. Die Teams, die lediglich klassische Werbung einsetzten, ohne gezielt neu und somit nicht per se US-affine Zielgruppen zu erschließen, kamen nie aus ihrem Zuschauerloch hinaus und waren so auch nicht in der Lage, ein zumindest ausgeglichenes Wirtschaftsergebnis zu erzielen“, gab Engel Einblick in die Frankfurter Erfolgsformel.

Für die Zuschauer waren aber noch ganz andere Dinge wichtig. Das Erlebnis mit Parties auf dem Stadiongelände schon Stunden vor dem Kickoff. Imbissbuden, Bull Riding, Football Skills, Hüpfburgen, herumlaufende Maskottchen, die für Fotos mit den Kindern parat standen. Galaxy-Spiele waren ein Event für die ganze Familie, andere Standorte zogen nach. Es waren aber auch die Spieler auf dem Rasen, die für die Fans zu Helden wurden. Allen voran Jake Delhomme, dessen Karriere nach dem Erfolg im World Bowl in der NFL so richtig Auftrieb bekam. Am 1. Februar 2004 stand Delhomme mit den Carolina Panthers im Super Bowl und erreichte ein höheres Rating als sein namhafter Gegenüber Tom Brady mit den New England Patriots – wenngleich Brady am Ende das Spiel gewann.

Weitere Teams aus der NFL Europe in der Historie:




Fans der Galaxy erinnern sich aber auch an andere Spieler. Wide Receiver Mario Bailey spielte ab 1995 sechs Jahre für die Galaxy und erzielte dabei 35 Touchdowns. Kein Spieler der Liga-Geschichte hatte häufiger den Ball für Punkte gefangen. 252 Catches und 3805 Yards Raumgewinn sind ebenfalls Liga-Rekorde aus Frankfurter Hand. Der erste Superstar spielte bereits 1991 für die Galaxy und hörte auf den einprägsamen und von den Fans erfundenen Namen “Tony Baker, the Touchdown-Maker“. Andere Spieler kamen nach ihren Einsätzen im Galaxy-Trikot noch zu NFL-Karrieren: Guard George Hegamin oder Quarterback Paul Justin, Tight End Werner Hippler, der Rekordspieler der NFL Europe ist. Punter Scott Player kam für die Arizona Cardinals in den Pro Bowl und Defensive Back Clarence Love gewann in der Saison 2000 mit den Baltimore Ravens gar den Super Bowl.

Frankfurter Dynastie

Die Galaxy schaffte sich nicht nur ihren Mythos, sie glänzte auch als erfolgreichstes Team der Liga-Geschichte. 1995 holte man den ersten World Bowl im Finale gegen die Amsterdan Admirals, vier Jahre später kam es zum großen Triumph gegen die Barcelona Dragons. 2003 (gegen Rhein Fire) und 2006 (nochmal gegen Amsterdam) folgten die Titel Nummer drei und vier. Vier weitere Male standen die Hessen im Finale um den World Bowl, mussten den Platz aber als Verlierer verlassen. So auch tragischerweise am 23. Juni 2007, im letzten Spiel der NFL Europa, wie die Liga dann in der Schlussphase hieß, gegen die Hamburg Sea Devils. Der krönende Abschluss blieb der Galaxy also verwehrt. An mehr als der Hälfte der Endspiele in 15 ausgetragenen Spielzeiten nahmen die Frankfurter aber Teil – man könnte von der einzigen Dynastie der Liga-Historie sprechen.

Das sind die großen Geschichten der Galaxy. Engel wusste aber auch von den kleinen Storys zu erzählen, die für ihn den “Mythos Galaxy“ ausmachten. “Ich habe (2018, d. Red.) das Spiel von Frankfurt Universe gegen die Stuttgart Scorpions in Frankfurt im Stadion am Bornheimer Hang besucht. Während der Halbzeitpause kam ein Zuschauer in einem Galaxy-Jersey circa aus dem Jahre 2000 oder 2001 zu mir, stellte sich vor und erzählte mir, dass er seine Frau und die spätere Mutter ihrer beiden Kinder beim letzten Galaxy-Spiel im Juni 2007 im Frankfurter Stadion kennengelernt hatte“, berichtete Engel. Er ergänzte: “Und das ist es, was bis heute zählt und bleibt: Die vielen Verbindungen, Freundschaften und Erinnerungen, die Frankfurt Galaxy seit 1991 geschaffen hat.“ Womöglich gibt es ab dem Sommer in der European League of Football eine späte Fortsetzung – die Fußstapfen sind indes groß.

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