NFL Referees haben es an Spieltagen nicht leicht. Walt Coleman im Gespräch mit Quarterback Jared Goff. Credit: Imago Images / NurPhoto / Amy Lemus

Zum jährlichen Treffen der Teambesitzer gibt es traditionell neue Regelvorschläge, die in den nächsten Tagen debattiert werden. Die NFL erhebt für sich den Anspruch, immer mit der Zeit zu gehen und passt dementsprechend zu jeder Saison einige Punkte des umfangreichen Regelwerks an. Die Eingaben für den Diskurs sind gemacht und hier sind die Bestimmungen, die sich möglicherweise für das Jahr 2023 ändern.

Zwei Dinge werden dabei besonders kontrovers behandelt. Dabei geht es um das “Push Play” der Philadelphia Eagles aus der letzten Saison und um den Videobeweis bei persönlichen Fouls und “Roughing the Passer”-Entscheidungen. 

Mögliche Regeländerungen in der NFL

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Zuallererst kann bereits festgehalten werden, dass es bei den meisten Regeländerungen in vorderster Linie um die Gesundheit der Spieler geht. NFL Network’s Tom Pelissero hat dazu einmal alle 17 Vorschläge zusammengetragen: 

Die Kritik am so genannten Push Play der Eagles, bei dem der Quarterback während eines Sneaks in Short-Yardage-Situationen von hinter ihm stehenden Mitspielern direkt nach vorne geschoben wird, hat er nicht aufgeführt. Es macht den Anschein, als würde die Regel in dieser Offseason damit noch nicht geändert werden. 

Seattle Seahawks Head Coach Pete Carroll mahnte zwar an, dass solche Spielzüge die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Spielzugs in kurzen Situationen signifikant erhöhen würden, was der Defense einen klaren Nachteil verschafft. Doch sollte die Regel nicht geändert werden, sehe er sich veranlasst, den Spielzug ebenfalls zu trainieren und ins Playbook aufzunehmen. 

Roughing the Passer

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Die NFL benötigt hier also noch Zeit. Ähnlich liegt der Fall bei Schiedsrichterentscheidungen zu Roughing the Passer. Hier wird bereits seit Jahren darüber diskutiert, ob die Auslegung der Regel zu kompliziert ist und ob Schiedsrichter nicht die Möglichkeit erhalten sollen, ihr gefälltes Urteil auf dem Platz per Videobeweis zu überprüfen. Schließlich müssen die Refs bei einem Sack des Quarterbacks im Bruchteil einer Sekunde ermitteln, ob das Einsteigen des Defenders zu hart oder regulär gewesen ist. 

Obwohl die Los Angeles Rams diesen Vorschlag nun erstmals sogar schriftlich eingereicht haben, scheint es aber so zu sein, als würde er keine erforderliche Dreiviertel-Mehrheit der NFL-Eigentümer erhalten. Bei den Eingaben zu generellen persönlichen Fouls, wie Tätlichkeiten, sieht es anders aus. Hier möchten die Besitzer dem Vorschlag der Detroit Lions folgen und dem jeweiligen Head Coach sogar die Möglichkeit einräumen, die rote Flagge zu werfen, um die Schiedsrichter mit der “Challenge” zu verpflichten, sich die Szene nochmal im Video anzusehen. 

Kickoff und Touchback

Viele Regeln werden auch in einer Art Testballon für ein Übergangsjahr erstmal nur in der Preseason getestet, ehe sie für den regulären Spielbetrieb übernommen werden. Das ist beim Vorschlag vom Competition Committee zu erwarten, den Ball nach einem Punt an die 25-Yard Linie zu legen, wenn der Empfänger einen Fair Catch in der eigenen Endzone signalisiert. 

Obwohl letzteres ebenfalls zur Debatte steht. Denn der Vorschlag, auch innerhalb der eigenen 25 Yards könnte ein Touchback sowohl beim Punt als auch beim Kickoff dazu führen, dass der Ball direkt an die 25-Yard-Linie gelegt wird, stößt auf großen Anklang in der NFL. 

Vor allem in den Special Teams passieren Verletzungen nach harten Zusammenstößen, die Spieler wie Verantwortliche gern vermeiden möchten, ohne dabei aber die dritte Spielform neben der Offense und der Defense gänzlich abzuschaffen. Ein Spagat, der mit dieser Anpassung besser gelingen könnte. 

TV-Übertragung bereits geändert

Was sich für Zuschauerinnen und Zuschauer definitiv ändern wird, ist das erste Friday Night Game am Black Friday unmittelbar nach Thanksgiving Ende November. Hier wird vor allem Amazon Prime gestärkt, die sich für elf Jahre und einer Milliarde US-Dollar die Senderechte an den Donnerstagen gesichert haben. 

Mit diesem Geld übt Amazon scheinbar Druck auf die NFL aus, denn seit neuestem wird auch diskutiert, den Spielplan am Saisonende nicht nur an Sonntagen, sondern auch an Donnerstagen flexibel anpassen zu dürfen. 

Obwohl die Spieler und Coaches seit Jahren die Thursday Night Games und die schwierige Vorbereitung darauf anprangern, was ihrer Meinung nach auch zu vermeidbaren Verletzungen geführt haben soll, könnte es für die Beteiligten nochmal schwieriger werden. 

Die Teambesitzer entscheiden in den kommenden Tagen, ob sie sich mehr Geld aus dem TV-Deal versprechen oder im Sinne der aktiven Gestalter des Spiels entscheiden wollen. Die Spielergewerkschaft NFLPA beobachtet diese Entwicklung mit Argwohn. Solange das Salary Cap allerdings weiter ansteigt und alle Spieler angemessen beteiligt werden, dürfte es jedoch zu keinem größeren Konflikt oder gar zum Streik kommen.