Offenes Werben um Spieler von anderen Vereinen Offenes Werben um Spieler von anderen Vereinen Footballpix.de/Instagram/Collage TOUCHDOWN24

Beispiel Düsseldorf Panther: Wie Vereine versuchen, aus der Krise Profit zu schlagen

geschrieben/veröffentlicht von/durch  Dirk Kaiser 24.07.2020
Der heutige Tag war ein wichtiger Tag hinsichtlich einer GFL-Saison 2020. Zehn Erstligisten und aktuell fünf Zweitligisten haben die Exit-Option genutzt und werden an einer womöglich noch stattfindenden Saison im Herbst nicht teilnehmen.

Die Gründe sind vielfältig und verständlich, ebenso legitim ist es aber, dass andere Vereine sich die Chance auf Wettkampf-Football erhalten wollen, sofern sie starke Sponsoren im Hintergrund haben, ihr Stadion auch zur "Fußballzeit" im Herbst nutzen können, sich zutrauen, wahrscheinliche Hygienekonzepte an Gamedays umzusetzen und gegebenenfalls nur mit einer kurzen Vorbereitungsphase Wettkampf-tauglich zu sein.

Wie auch immer die Entscheidungen der Vereine ausgefallen sind, man darf davon ausgehen, dass das Pro oder Contra erst nach reiflicher Überlegung zu einer Entscheidung geführt hat. Es gibt nichts, was die Vereine untereinander spalten sollte, die Corona-Krise trifft bis auf regionale Unterschiede letztendlich alle.

Umso verstörender ist es, wie nun Spiel-willige Vereine um Spieler pausierender Vereine buhlen und versuchen diese abzuwerben. Allzu verlockend scheint für viele Zweitligisten die Möglichkeit des schnellen Aufstiegs in die GFL, die verbliebenen GFL-Teams könnten ihrerseits "billig" an einen Meistertitel im Briefkopf kommen, immerhin nimmt Titelverteidiger New Yorker Lions Braunschweig ja nicht teil.

Insbesondere im Westen, wo Teams oft nur wenige Kilometer auseinanderliegen, hat das verstärkte Werben um Spieler bereits begonnen. "Did your Season get canceled? Do you still want to play" - ein Slogan mit dem Zweitligist Düsseldorf Panther beispielsweise auf Instagram wirbt, heißt nichts weiter als "Wechsel zu uns, weil Dein Verein nicht spielt." Und insbesondere im Westen gilt: "Wechsel zu uns, bevor Du woanders hingehst". Denn die vier nordrhein-westfälischen Teams gehen wohl alle an den Start einer verkürzten GFL2-Saison. Essen Cardinals, Langenfeld Longhorns, Solingen Paladins und eben Düsseldorf. Es wird also geworben ohne Rücksicht auf die Vereine, die sich ihre Entscheidung ebenfalls nicht leicht gemacht haben und 2021 wieder spielen wollen.

Natürlich ist es im Amateursport auch weit über den Football hinaus Gang und Gäbe, dass Spieler abgeworben werden, schließlich gibt es nur selten vertragliche Bindungen von Spielern bei ihrem eigentlichen Verein. Die Art und Weise wie Düsseldorf Panther aber vorgeht, entbehrt jedem Anspruch von Respekt anderen Vereinen gegenüber, die ihre Entscheidung ebenso gewissenhaft, nur eben gegen einen Spielbetrieb, getroffen haben.

Düsseldorf wird dabei kein Einzelfall sein, in der ganzen Republik werden nun Spieler verstärkt und mehr oder weniger offen angesprochen und zum Wechsel animiert. Angesichts der Krise in der sich jeder Verein jeder Spielklasse befindet, ist dieses Verhalten aber alles andere als solidarisch. Wenn Teams 2021 mangels ausreichender Spielerpässe nicht an den Start gehen können - egal in welcher Klasse - dann ist auch das nur eine Folge des schlechten Krisen-Managements des AFVD, der mit seinem Verhalten in den letzten Monaten sehr viele Keile in Football-Deutschland hineingetrieben hat.

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