Hat der Landesverband Hessen mit zu vielen Stimmen abgestimmt? Hat der Landesverband Hessen mit zu vielen Stimmen abgestimmt? Ulrike Leone auf Pixabay

Vorwurf des Wahlbetrugs – Druck auf Huber steigt

geschrieben/veröffentlicht von/durch  Frank Starkmann 18.03.2021
Der deutsche Football-Verband AFVD steht vor einem großen Skandal. Im Mittelpunkt stehen dabei AFVD-Präsident Robert Huber und der hessische Landesverband. Sie sollen bei der letzten Bundesversammlung eine falsche Stimmenanzahl für Hessen angegeben haben. Der AFV Hessen bestreitet dies und schiebt die Schuld von sich.
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Wie viele Football-Vereine gibt es in Hessen? Diese Frage bewegt aktuell die deutsche Football-Politik. Bei der letzten Bundesversammlung besaß der hessische Landesverband 67 Stimmen. Abzüglich der vier Stimmen, die jeder Landesverband als Grundstock besitzt, verfügt Hessen also über 63 stimmberechtigte Vereine. Damit sind sie nach Nordrhein-Westfalen der mitgliederstärkste Landesverband. Soweit die Theorie.

Denn es gibt Zweifel, ob diese Zahl wirklich stimmt. Das behauptet zumindest Andreas Kegelmann, der mit der Initiative “Restart21“ das aktuelle AFVD-Präsidium um Robert Huber abwählen will. In einem Instagram-Live bei RedZone legte er diesen Sachverhalt offen und untermauerte diese mit den Zahlen des Landessportbundes Hessen. In der jährlichen Mitgliedererhebung führt der LSB Anfang 2020 37 Football-Vereine auf. Auch Anfang 2019 waren die Zahlen nicht höher. Dort zählte der LSB Hessen 35 Football-Vereine.

"Null Reaktion auf Nachfrage"

Diese Vorwürfe will der Vorstand des AFV Hessen nicht auf sich sitzen lassen und hat ein vierseitiges Schreiben an die Landesverbände geschickt, das TOUCHDOWN24 vorliegt. Die Vorwürfe bezeichnen sie als “Spekulationen“ und sehen einen Versuch “etwas zu skandalisieren, was man nicht bräuchte, wenn man einfach nur einmal nachfragen oder selbst nachschlagen würde.“

Diese Aussagen sorgten für Verwunderung bei Holger Gräcmann. Der sportliche Leiter der Rhein-Main Rockets hat in Hessen die Initiative “Hessen - Football – Zusammen“ ins Leben gerufen und will mit seinen Mitstreitern den aktuellen Vorstand des Landesverbands abwählen. Auf Nachfrage erklärt er: “Ich habe im Herbst 2020 mehrfach beim Verband angefragt, wie die Stimmrechtsverteilung in Hessen ist. Hier ging es um eine transparente und nachvollziehbare Information zur tatsächlichen Stimmvergabe. Die Reaktion auf diese Anfrage war gleich null.“ In einer eigens durchgeführten Recherche kam Gräcmann aufgrund der aufgeführten Vereine auf der Homepage auf 34 aktive Mitgliedsvereine. Davon sind sechs reine Cheerleading-Vereine und laut AFVD-Satzung somit nicht stimmberechtigt auf Bundesebene. De facto hätte der AFVH laut Homepage also noch weniger Mitglieder als der LSB aufgelistet hat.

Doch die Verwunderung hört dort nicht auf. Die Begründung für diese Unstimmigkeit sieht der hessische Landesverband bei der “Mitgliederzuordnung“, die laut eigener Ausführung den DOSB schon seit Jahren ergebnislos beschäftigt. “Dabei kommt es regelmäßig zu Falschzuordnungen, fehlenden Meldungen oder anderen Abweichungen. Die Meldungen werden zudem zumeist zum Stand 31. Dezember des Vorjahres erhoben und sind bereits zum Zeitpunkt der Veröffentlichung im Folgejahre veraltet“, erläutert der AFV Hessen.

Vorstand kennt offenbar eigene Satzung nicht

Als Beispiel nennt der Verband gleich dreimal die Cheerleader. Dabei wird aufgeführt, dass die entsprechenden Abteilungen nicht im Fachverband gelistet sind, sowohl beim AFVD als auch beim CCV Landesverband auftauchen und durch die Aufnahme des CCVD in den DOSB teilweise in die CCV Landesverbände zwangsumgemeldet wurden, aber weiterhin im AFVD gemeldet sind. Dabei erwähnt der hessische Verband jedoch nicht, dass die Cheerleader gar nicht stimmberechtigt sind. Das steht zumindest in der Satzung des AFVD und AFVH. Somit haben die Cheerleader also keinen Einfluss auf die hohe Stimmanzahl des hessischen Landesverbandes.

Doch ist das nicht das einzige Mal, das der Verbandsvorstand die eigene, beziehungsweise die AFVD-Satzung, nicht kennt. Im letzten der sieben Fallbeispiele schreibt der Vorstand: “Vereine melden ihre Abteilungen beim LSB ab, übersehen aber, dass auch noch eine Abmeldung beim AFVD Landesverband notwendig ist. Dies ist gerade bei Großsportvereinen mit vielen Sparten ein wiederkehrendes Thema. In diesem Fall ist die Bestandsmeldung beim LSB niedriger, als beim AFVD.“

Das kollidiert aber mit Paragraph 15 der AFVD-Satzung, die auf der Homepage des Bundesverbandes einzusehen ist. Dort steht: “Die Anzahl der den Landesverbänden zukommenden Stimmen bemisst sich nach der Anzahl der dem Landesverband angehörenden. Mitgliedsvereine, ausgenommen Fördervereine und Cheerleadervereine. Als Nachweis dafür ist eine schriftliche Bestätigung des zuständigen Landessportbundes (LSB) vorzuweisen.“ Somit mag es zwar einen höheren Bestand beim Bundesverband geben, aber für die Bundesversammlung ist die Bestandserhebung des LSB Hessen maßgeblich entscheidend.

Hessen sieht kein Problem, da Wahlergebnis einstimmig

Dieser Vorgang hat auch andere Landesverbände auf den Plan gerufen. Der ehemalige AFVD-Vize-Präsident Peter Springwald, der aktuell Vorsitzender des Landesverband NRW ist, hat eine Mail an die anderen Landesverbände geschrieben. Besonders entsetzt stimmen ihn dabei die letzten drei Sätze des Schreibens von den hessischen Kollegen. Dort heißt es: “An den Abstimmungen auf Bundesebene in der Bundesversammlung hat diese Thematik keine Auswirkung. Alle wesentlichen Abstimmungen der letzten Jahrzehnte waren einstimmig. Der AFVH hat auch basierend auf den beim AFVD hinterlegten Bestandszahlen den Mitgliedsbeitrag an den AFVD und die CVD abgeführt.“

Er selbst ist entsetzt über die “absolut indiskutabele Art und Weise“ mit der der hessische Landesverband versucht, seine 67 Stimmen zu rechtfertigen. Dabei gesteht er aber auch ein, was Udo Römer schon im TOUCHDOWN24-Interview erwähnt hat. “Auf Vertrauensbasis habe ich eine schriftliche Bestätigung seitens der Landessportbünde bisher nie für erforderlich gehalten. Ich fühle mich betrogen“, macht er in seiner Mail klar.

Restart21 spielt dieser Vorgang in die Karte. So verkündete Präsidentschaftskandidat Alexander Sperber am Montag in einer Pressemitteilung: “Wir werden gewinnen.“ Während dies noch in den Sternen steht, wird die Luft für den AFVH- und AFVD-Präsidenten Robert Huber immer dünner.

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