Däuber: "Mir geht es darum, dass wir die GFL promoten und nicht die ELF schlechtreden" Däuber: "Mir geht es darum, dass wir die GFL promoten und nicht die ELF schlechtreden" Foto: Marc Junge

Ulz Däuber: “Unsere Spieler glauben an das, was wir machen“

geschrieben/veröffentlicht von/durch  06.05.2021
Seit Oktober 2017 ist Ulrich Däuber, genannt “Ulz“, Head Coach der Dresden Monarchs. Nach Sachsen brachte der heute 51-Jährige jede Menge Erfahrung aus dem Mutterland des American Footballs mit, 18 Jahre coachte er an der University of Wisconsin-Platteville. Für die anstehende Spielzeit der German Football League hat Däuber mit den Monarchs große Ziele, will Dresden doch dieses Jahr in den German Bowl. Doch Däuber spricht nicht nur über die Monarchs und die GFL-Spielzeit, er sagt auch, was ihn an der European League of Football stört.
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TOUCHDOWN24: Hallo Herr Däuber, fallen wir mit der Tür ins Haus: Es war zu hören, dass die Dresden Monarchs sich den German Bowl als Saisonziel gesetzt haben?

Ulz Däuber: Ja, genau, das stimmt.

TOUCHDOWN24: Woher kommt das ambitionierte Ziel, haben doch die New Yorker Lions Braunschweig und die Schwäbisch Hall Unicorns den Titel zuletzt unter sich ausgemacht?

Däuber: Wir haben einen guten Kader und haben von unseren deutschen Spielern nur einen verloren. Dazu haben wir mit Kaulana Apelu einen adäquaten Nachfolger für A. J. Wentland gefunden und sind sehr begeistert von unserem Quarterback K. J. Carta-Samuels. Wir haben einen sehr guten Mix aus regionalen Spielern, Europäern und Amerikanern. Hall und Braunschweig gilt es zu schlagen und der Knoten muss irgendwann platzen.

TOUCHDOWN24: Die Staffeleinteilung ist für die Monarchs auch günstig verlaufen. Mit den Potsdam Royals und den Kiel Baltic Hurricanes sollte Dresden Favorit in der Gruppe sein.

Däuber: Ja, das muss eine machbare Aufgabe für uns sein. Allerdings ist die Staffel zum Schluss nicht ausschlaggebend, denn für die Playoffs wird die Gesamttabelle herangezogen.

TOUCHDOWN24: In Sachsen ist das Team der Leipzig Kings in der European League of Football entstanden. Welchen Einfluss hatte das auf die Monarchs?

Däuber: Es gab Abwerbungsversuche aus Leipzig, aber auch aus Berlin (Berlin Thunder, d. Red.). Wir haben Glück, dass unsere Spieler an das glauben, was wir machen.

TOUCHDOWN24: Wie stehen Sie grundsätzlich zur ELF?

Däuber: Mir ist relativ egal, was die ELF macht. Mir geht es darum, dass wir die GFL promoten und nicht die ELF schlechtreden. Wobei es ein paar Punkte gibt, mit denen ich ein Problem habe.

TOUCHDOWN24: Welche Punkte sind das?

Däuber: Wenn von der ELF der Eindruck vermittelt wird, dass sie das Sprungbrett in die NFL sind. Wenn gesagt wird: “Wir sind die Liga, die eine Partnerschaft mit der NFL hat“, wenn die ELF sagt: “Wir bringen euch in die NFL“.

TOUCHDOWN24: Das würden Sie so nicht unterschreiben?

Däuber: Nichts gegen unsere deutschen Spieler, aber ich sehe wenige Deutsche, die in die NFL können. Wenn ich mir einen Pro Day von Alabama anschaue und mir dann anschaue, was wir in der GFL machen, dann haben wir wenige Athleten, die auf NFL-Level sind. Manche Spieler mögen das eventuell nicht hören, aber da bin ich ehrlich und kann mich nicht hinstellen, wie ich es von der Frankfurt Galaxy gehört habe, dass die ELF jetzt schon auf College-Level-Division-I ist und in zwei, drei Jahren über Division-I-Level sein wird. Das ist sie schlichtweg nicht und wird sie nicht sein. Das ist platt gesagt eine Falschaussage.

TOUCHDOWN24: Wo sehen Sie denn das Leistungsniveau der ELF?

Däuber: Das weiß ich noch nicht, da ich noch keinen vollständigen Roster und kein Spiel gesehen habe. Ich habe auch noch keinen ELF-Coach coachen sehen. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen. Ich war 18 Jahre lang in den USA und habe Division III auf hohem Level gecoacht, so dass ich sagen kann, dass die besten Teams in der GFL in etwa auf einem hohen Niveau der Division II sind, sicherlich mit vereinzelten Spielern, die das Zeug zur Division I haben. Aber weder die GFL noch die ELF, die ja hauptsächlich aus GFL-Spielern der letzten Jahre besteht, ist eine SEC, Big12 oder Big10.

TOUCHDOWN24: Sie klingen sehr entschieden.

Däuber: Ja, denn es ist absolut vermessen, sowas zu sagen. Da müssen wir offen und realistisch sein und uns nichts zurechtheucheln. Aber die GFL ist eine der besten Ligen außerhalb von Nord-Amerika und darauf können wir stolz sein. Unsere Spiele sind auf einem sehr hohen Niveau und wir können den Spielern etwas bieten. Und dadurch, dass wir wieder eine Nationalmannschaft haben, können wir den Spielern viele andere Perspektiven außerhalb der NFL aufzeigen.

TOUCHDOWN24: Sprechen wir über die GFL-Saison. Die Monarchs wollen ja, wie sie bestätigten, in den German Bowl. Ist die Situation besonders günstig, da andere Teams mit der ELF-Konkurrenz zu kämpfen haben?

Däuber: Ja, zum Beispiel die Frankfurt Universe. Da haben Leute ohne Rücksicht auf Verluste die Universe von einem Titelaspiranten zu einem Team gemacht, dass hoffen muss, nicht abzusteigen. Köln hätte sicherlich auch ein Top-Team, ist aber in einer problematischen Situation. Klar, man sagt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt, aber was hier passiert, halte ich für problematisch.

TOUCHDOWN24: Wen erwarten Sie als Widersacher im Rennen um den Einzug in den German Bowl?

Däuber: Die Berlin Rebels werden eine gute Mannschaft haben, Potsdam wird sehr gut sein und Kiel darf man nie unterschätzen. Im Süden wird die Leistungsdichte nach Schwäbisch Hall problematisch. Da muss man schauen, was München und Marburg hinkriegen, während die Stuttgart Scorpions wahrscheinlich ähnlich wie Frankfurt auch zerstört worden sind. Das ist sehr schade. Die Spieler sollten genau überlegen, wo sie wirklich hinwollen.

TOUCHDOWN24: Braunschweig haben Sie jetzt außen vorgelassen?

Däuber: Braunschweig ist klarer Favorit im Norden. Das ist der amtierende Deutsche Meister, den muss man erstmal schlagen. Seitdem ich in Dresden Trainer bin, haben wir Braunschweig noch nicht schlagen können. Daher ist das erstmal mein erstes Ziel, dann den Rest der Spiele gewinnen und in den Playoffs gegen die Unicorns spielen. Dann können wir nach und nach an den German Bowl denken.

TOUCHDOWN24: Das klingt nun fast wieder bescheiden.

Däuber: Natürlich haben wir ein großes Ziel vor Augen. Aber das erste Spiel ist in Berlin am 5. Juni und wenn wir da gewinnen, bin ich sehr glücklich und weiß, dass wir unsere Hausaufgaben in der Offseason gemacht haben. Und dann sehen wir weiter.
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider

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