HEFT #52

Ausgabe DEZEMBER 2021

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Hurricanes gegen Crocodiles: Überraschungsteams unter sich

Hurricanes Chaz Elder gehört zu den besten Defensive Backs in der GFL Hurricanes Chaz Elder gehört zu den besten Defensive Backs in der GFL Imago Images / Kessler-Sportfotografie
Vor der Saison hätten wohl nur die kühnsten Optimisten unter den Fans der Saarland Hurricanes an Heimspielrecht in den Playoffs geglaubt. Doch am kommenden Sonntag um 15 Uhr ist es soweit. Zu Gast im Ludwigspark von Saarbrücken zum Viertelfinale um den German Bowl: Die Cologne Crocodiles, deren Head Coach Patrick Köpper vor der Saison im Gespräch mit TOUCHDOWN24 noch tief gestapelt hatte.



Der Aufstieg am Grünen Tisch als Nachrücker für die Ingolstadt Dukes, die sich aus der German Football League zurückgezogen hatten. Der Abgang von Alexander Haupert, den es nach Jahren als Quarterback der Saarländer zu den Schwäbisch Hall Unicorns gezogen hatte. Zudem eine unglückliche Staffelaufteilung mit zwei Partien eben gegen jene Unicorns. Es gab vor der Saison nicht viele Gründe, um eine Playoff-Teilnahme der Hurricanes vorherzusagen.

Doch am Ende kam alles ganz anders. Die Hurricanes gewannen bis auf die beiden Duelle mit den Unicorns alle acht weiteren Partien. Den Verlust von Nationalmannschafts-Quarterback Haupert machte der charismatische US-Amerikaner Josh Goldin wett, der auf 32 Touchdown-Pässe bei nur fünf Interceptions kam. Haupert im Vergleich – mit zwei Spielen weniger und im Job-Sharing mit Ian Gehrke – kam nur auf zwölf Touchdown-Pässe bei vier Interceptions. Schlussendlich stellten die Saarländer die drittbeste Scoring-Offense und -Defense der gesamten German Football League.

Die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte wurde neben Goldin von etlichen Playmakern im Team von Head Coach Christos Lambropoulus dominiert. Victor Wharton III gehörte zu den fünf besten Wide Receivern der GFL-Saison, die Verteidiger Sasan Jelvani, Mutlu Yildirim und Justin Jordan hielten die Defense zusammen, aus der Cornerback Chaz Elder als zweitbester Interceptions-Jäger der Regular Season ligaweit herausragte. Doch wird das alles für den ersten Playoff-Sieg der Vereinshistorie reichen?

Köpper selbstbewusst

Da haben die Cologne Crocodiles mächtig etwas dagegen. Zwar verzeichnete die reguläre Saison der Kölner ihre Höhen und Tiefen, doch rechtzeitig zum Saisonfinale scheinen die von Köpper trainierten Crocodiles voll dazusein. Die Saison begann mit einem Heimsieg gegen die Dresden Monarchs furios – obwohl es im Vorfeld bei den Rheinländern schon fast destruktiv zuging. Das Entstehen der Cologne Centurions in der European League of Football und das Abwandern einiger Crocodiles-Spieler zum neuen Wettbewerber hatten für Unmut und korrigierte Saisonziele gesorgt.

Doch mit dem Sieg gegen die Monarchs ließen die Kölner aufhorchen, auch wenn es im Saisonverlauf Rückschläge wie die beiden Niederlagen gegen die Potsdam Royals zu verzeichnen gab. Als es am letzten Spieltag der regulären Saison aber um Tabellenplatz drei ging, gewannen die Crocodiles bei den wiedererstarkten New Yorker Lions aus Braunschweig und holten sich so das Recht “nur“ nach Saarbrücken anstatt nach Schwäbisch Hall zu müssen.

Der Respekt vor den Hurricanes ist unterdessen groß. “Wir müssen unseren besten Football abrufen, um gegen Saarland bestehen zu können“, sagte Köpper im Interview mit dem German Football Network. Doch das Selbstvertrauen ist im Vergleich zum Stand vor der Saison enorm gestiegen: “Wir sind ein Team, das für jeden Gegner unangenehm ist und das jeden Gagner schlagen kann“, sagte Köpper, der mit seiner Mannschaft schon jetzt auf die erfolgreichste Saison seit 2002 zurückblickt, in der Köln ebenfalls Dritter wurde, dann aber im Viertelfinale an den Stuttgart Scorpions scheiterte.

Damit das nicht erneut passiert, vertrauen die Crocodiles auf das beste Receiver-Duo der GFL, bestehend aus den US-Amerikaner Aaron Jackson und Markell Castle, die von Quarterback Chris Strong, der einen britischen Pass besitzt, gefüttert werden. In Saarbrücken treffen so zwei überraschend starke Teams aufeinander, bei denen eine Favoritenrolle schwer zu vergeben ist.

Vorschau: Dresden Monarchs vs. Allgäu Comets
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider
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