Huber: "Befinde mich im Fürsorge-Modus" Huber: "Befinde mich im Fürsorge-Modus" AFVD

Robert Huber: “Weitsicht, Einigkeit, Geschlossenheit“

geschrieben/veröffentlicht von/durch  Dirk Kaiser 11.02.2021
Seit nunmehr über zwei Jahrzehnten ist Robert Huber Präsident des AFVD, dem deutschen Dachverband für American Football. In den vergangenen Monaten ist allerdings die Kritik an dem Kommunalpolitiker und Rechtsanwalt immer lauter geworden. Die Initiative “RESTART21“ hat kürzlich schwere Vorwürfe erhoben. TOUCHDOWN24 hat nachgefragt und dem deutschen Football-Oberhaupt in einem Interview die Möglichkeit gegeben, sich zu diesen Themen zu äußern.
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TOUCHDOWN24:
Herr Huber, RESTART21 wähnt Sie als AFVD-Präsidenten im Panik-Modus. Wie beurteilen Sie selbst die Lage in Football-Deutschland und für wie angeschlagen halten Sie sich als AFVD-Präsident?

Robert Huber: Wir befinden uns seit fast einem Jahr in einem Ausnahmezustand – und das in allen Bereichen der Gesellschaft. Das hat überall zu sehr viel Verunsicherung geführt. Menschen, denen ihre Existenzgrundlage unter den Füßen weggezogen wird und die nicht mehr wissen, wie sie ihre Rechnungen zahlen sollen, haben derzeit verständlicherweise dadurch einen Anflug von Panik. Persönlich bin ich wie viele andere Menschen durch die Krise sicherlich auch leicht angeschlagen, weil ich mir viele Gedanken um die Personen mache, die mir nahe stehen. Beruflich befinde ich mich eher im “Fürsorge-Modus.“ Wir müssen es schaffen, in diesem Jahr wieder einen geregelten Spielbetrieb zu bekommen, unsere Aktiven und Ehrenamtlichen wieder ihren Sport ausüben lassen, statt sie durch eine noch längere Pause zu verlieren. Daran arbeiten wir täglich.

TOUCHDOWN24: Wie bewerten Sie rückblickend das Jahr 2020, das unter dem Eindruck der Corona-Pandemie stand. Haben Sie Fehler gemacht?

Huber: Wie definiert man in dieser Zeit Fehler? Wenn es ein Fehler war, im letzten Jahr auf jede wöchentliche Veränderung dementsprechend zu reagieren, um sich den Gegebenheiten anzupassen, damit wir für unsere Mitglieder einen Spielbetrieb organisieren können, akzeptiere ich das. Durch die sich ständig ändernden Vorgaben seitens der Politik auf die aktuelle Gesundheitslage war es alles andere als einfach, immer die richtigen Entscheidungen zu treffen. Für uns ist es wichtiger, aus diesen Handlungen zu lernen, das Beste daraus mitzunehmen und in diesem Jahr umzusetzen. Wir haben alleine durch die verschiedenen entwickelten Hygienekonzepte eine maßgebliche Vorarbeit für diese Saison geleistet. Natürlich müssen wir aufgrund der Pandemie resümieren, dass es sportlich gesehen ein Jahr zum Vergessen war, weil unsere Sportler nicht das tun durften, was sie lieben. Auf der anderen Seite haben wir die Zeit genutzt, zahlreiche Maßnahmen und Bereiche zu prüfen, um uns in 2021 so optimal wie möglich aufzustellen.

“Football-Sport hat 1,5 Millionen Corona-Hilfen erhalten“


TOUCHDOWN24: Anhand des Tätigkeitsberichtes des AFVD vermittelt RESTART21 den Eindruck, dass Ihre Arbeit keine Vollzeitbeschäftigung rechtfertigt. Wie stehen Sie dazu?

Huber: Dort sind nur die Eckpfeiler dargestellt. Welche Arbeit hinter einzelnen Maßnahmen steckt, steht auf einem anderen Blatt. Auch die Dinge, die wir unbeachtet von der Öffentlichkeit machen, dienen dem Football-Sport in Deutschland und bringen ihn weiter voran. Um allen Mitgliedern, die sich ehrenamtlich in den Verbänden und Vereinen mit viel Herzblut engagieren eine ordentliche und verlässliche Grundlage zu bieten, bedarf es einen Aufwand, der über die Zeiten eines normalen Arbeitnehmers und weit über die Zeiten eines Ehrenamtlers hinausgeht. Dazu müssen Entscheidungen getroffen werden, die nicht für den Einzelnen, sondern für die breite Allgemeinheit die vermeintlich richtigen sind. Dies wird nur durch Diskussionen, Konsens, Dialog und Ausarbeitung erreicht. Hinzu kommt eine intensive politische Lobbyarbeit, durch die wir unter anderem erreicht haben, dass unsere Sportart unter den Förderschirm “Coronahilfen Profisport“ der Bundesregierung aufgenommen wurde. Durch unsere langfristige Intervention hat der Football-Sport eine Gesamthilfe von etwa 1,5 Millionen Euro erhalten und kann davon auch 2021 profitieren, wenn es nötig ist. Wir haben über 70.000 Mitglieder mit verschiedenen Sportbereichen und Bedürfnissen. Um solch einem Konstrukt gerecht zu werden, muss man dies schon allein aus Respekt vor den Mitgliedern als Full-Time-Job machen.

TOUCHDOWN24: Der Hauptvorwurf lautet, dass Sie als Verbandspräsident Gewinne über GmbHs in die eigene Tasche privatisiert haben, anstatt dem Football-Sport zugutekommen zu lassen. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

Huber: Die Kapitalgesellschaften und Genossenschaften haben Kontrollorgane. Diese kennen und befürworten alle Vertragsabschlüsse mit wesentlichen Auswirkungen. Ebenso sind die Landesverbände als Mitglieder des AFVD über die Bundesversammlung, aber auch durch laufende Konsultationen nicht nur informiert, sondern haben über ihr Mitsprache- und Stimmrecht und teilweise als Miteigentümer über die wesentlichen Ausgestaltungen sogar im Voraus entschieden.



TOUCHDOWN24: Ein für die Fans, die sich weniger für Verbands-Politik interessieren, wichtiges Thema ist die Nationalmannschaft. Was konkret hat zur Isolation des AFVD auf IFAF-Ebene geführt und wie konnte der Anschluss an den Weltverband nun wieder hergestellt werden?

Huber: Diese Fragen wurden doch nun schon mehrfach gestellt und auch beantwortet. Wir waren stets Mitglied der IFAF, haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Gespräche geführt und sind dann zu einer Lösung gekommen, die es uns ermöglicht, wieder mit allen Nationalmannschaften an internationalen Turnieren teilzunehmen. Das fängt mit unseren Flag-Football-Nationalmannschaften an, die sich bereits in diesem Jahr bei der WM für die World Games qualifizieren können. Wir werden in den nächsten Jahren zahlreiche Maßnahmen und Wettkämpfe in allen Bereichen des AFVDs sehen.

TOUCHDOWN24: Nicht zuletzt scheut RESTART21 den Vergleich Ihrer Person mit dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump nicht. Wie angemessen halten Sie den Vergleich oder hat sich RESTART21 damit selbst geschwächt?

Huber: Die Einordnung und Einschätzung Ihrer Frage und dessen Inhalt überlasse ich jedem einzelnen selber.

“Viele Dinge entwickeln sich in die richtige Richtung“


TOUCHDOWN24: Wie ernst nehmen Sie die neue Konkurrenz für den Posten des AFVD-Präsidenten? Wie hoch schätzen Sie ihre Chancen bei einer Wahl ein, wiedergewählt zu werden?

Huber: Wir tun gut daran, uns auf uns selber zu konzentrieren. Weil wir für andere Dinge keine Kräfte verschwenden dürfen. Weil wir, besonders durch die Corona-Krise, vor großen Herausforderungen stehen und in diesem Jahr endlich wieder Football auf dem Feld sehen wollen. Darauf und auf die Optimierung der gesamten Strukturen liegt unser Fokus. Und noch einmal: Die Arbeit im AFVD wird von einem Team mit zahlreichen Personen erledigt. Da gibt es einen ständigen Austausch neuer Ideen, aber auch die Aufarbeitung des letzten Jahres, um daraus zu lernen und Dinge im Sinne der Mitglieder, Vereine und Verbände in die richtigen Bahnen zu lenken. Daran lassen wir uns dann gerne messen.

TOUCHDOWN24: Wie wird sich der Football in Deutschland unter ihrer Führung weiterentwickeln, sollten Sie dann im Amt bestätigt werden?

Huber: Wir sind keine Träumer, aber wir haben Visionen, die wir gemeinsam – auch mit neuen Kräften – angehen wollen. Viele Dinge entwickeln sich in die richtige Richtung, wie die TV-Übertragungen in SPORT1, dem Stadionvertrag für den German Bowl in Frankfurt oder die Kooperation mit der CFL (Canadian Football League, d. Red), die gerade erst am Anfang steht und durch die Pandemie unterbrochen wurde. Wir wollen starke Nationalmannschaften. Dafür haben wir mit den Trainerstäben alles auf den Weg gebracht. Wir wollen die GFL und die GFL 2 durch die Umstrukturierung stärken. Wir wollen alle Sparten mehr einbinden. Wir wollen kurzfristig mehr als 75.000 Mitglieder unter dem Dachverband des AFVD vereinen. Und wir wünschen uns mehr Menschen, die mit konstruktiven Ideen auf uns zukommen und bereit sind, bei den Vereinen, Landesverbänden oder dem AFVD mitzuarbeiten, statt nur Kritik zu üben, ohne wirkliche Konzepte zu präsentieren. Wir können in den nächsten Jahren sehr viel erreichen, wenn wir mit Weitsicht, Einigkeit, Geschlossenheit und gegenseitigem Verständnis alle Dinge anpacken, um den Sport in Deutschland in Ruhe und mit Kontinuität voran zu bringen.

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