Köpper: "Die Centurions greifen ohne Rücksicht auf Verluste jeden einzelnen Spieler an" Köpper: "Die Centurions greifen ohne Rücksicht auf Verluste jeden einzelnen Spieler an" Foto: Marc Junge

Patrick Köpper: "Wir werden nicht der Zulieferbetrieb der Centurions"

geschrieben/veröffentlicht von/durch  20.04.2021
Mit der European League of Football sind in Deutschland sechs neue Teams entstanden, die den Anspruch haben Top-Football zu präsentieren. Das trifft nicht überall nur auf freudige Reaktionen, insbesondere an Standorten, an denen bereits ein Team in der German Football League aktiv ist. In Köln haben die Cologne Crocodiles (GFL) kürzlich öffentlich ihren Unmut über die Cologne Centurions (ELF) kundgetan. In der Kritik stehen offene Abwerbungsversuche von Spielern “ohne Rücksicht auf Verluste“, wie Patrick Köpper, Head Coach der Crocodiles TOUCHDOWN24 in einem Interview erzählt.
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TOUCHDOWN24: Herr Köpper, die Cologne Crocodiles sind selbst angesprochen worden, ob Interesse daran besteht, in die European League of Football zu wechseln. Warum haben sich die Crocodiles dagegen entschieden?

Patrick Köpper: Wir sind Ende letzten Jahres angesprochen worden, ob wir Lust hätten, in die ELF zu kommen. Es gab einmal die sportliche Frage, wie stark wird diese Liga sein, wenn sie gerade in der Pandemie-Zeit gegründet wird, in der es ja schon fraglich war, ob überhaupt eine GFL-Saison starten kann. Weitere Folgen wären hinzugekommen. Als Crocodiles hätten wir gar nicht wechseln können, hätten uns in eine GmbH aufsplitten müssen und zudem hätten wir uns einen neuen Namen zulegen müssen. Damit wäre unsere Crocodiles-Tradition verloren gegangen. Schlussendlich gab es noch wirtschaftliche Fragen, die für uns nicht ausreichend beantwortet wurden, so dass wir uns dagegen entschieden haben.

TOUCHDOWN24: Wir stehen die Crocodiles denn grundsätzlich zum Projekt “Profi-Football“ in Deutschland?

Köpper: Der Vorstand wir auch ich persönlich würden es begrüßen, wenn der Football in Deutschland grundsätzlich professionalisiert werden würde und Spieler wie Trainer auch umfassende finanzielle Möglichkeiten für ihren Aufwand bekommen würden. Daher gab es in dem Prozess auch wirklich lange Überlegungen und Abwägungen. Aufgrund der Situation, dass wir uns aber gerade in einer Pandemie befinden und wir nicht wussten, wie das alles aufgehen soll, haben wir gesagt, dass wir grundsätzlich nicht abgeneigt sind, jetzt aber erst noch ein Jahr in der GFL bleiben wollen und dabei schauen, wie sich die ELF entwickelt. Und wenn sie sich gut entwickelt, sind wir gerne bereit, im nächsten Jahr dazuzustoßen. Dabei hat man uns auch gesagt, dass das sehr interessant für die Liga wäre, gerade auch weil NRW der größte Football-Markt in Deutschland ist und man gerne hier einen Standort und ein Team hätte. Wir hatten dann so eine Art Gentlemans Agreement, im kommenden Jahr nochmal zu sprechen, dann wurden allerdings andere Coaches hier in Köln aktiviert, um die Centurions aus dem Boden zu stampfen.

TOUCHDOWN24: Das Thema dürfte dann aber jetzt durch sein. Oder denken Sie, dass die ELF zwei Kölner Teams haben will?

Köpper: Klar, die ELF wird nur ein Kölner Team haben wollen und das werden wir jetzt erstmal nicht mehr sein. Natürlich kann im Football immer etwas passieren, aber wir planen jetzt wieder langfristig für die GFL.

TOUCHDOWN24: Ein Konfliktpunkt ist jetzt, dass Spieler abgeworben werden. Wie kann man sich die aktuellen Vorgänge vorstellen?

Köpper: Die Centurions greifen ohne Rücksicht auf Verluste jeden einzelnen Spieler an, unterbreiten ihnen finanzielle Angebote. Das betrifft aber natürlich nicht nur uns, auch Düsseldorf, Langenfeld (beide GFL2, d. Red.) und Troisdorf (Regionalliga, d. Red.) sind dabei. Die Centurions müssen natürlich jetzt versuchen, in kürzester Zeit ein Football-Team zusammenzustellen und da wird jeder gute GFL- und GFL2-Spieler angesprochen und es werden gewisse finanzielle Zuwendungen versprochen.

TOUCHDOWN24: Grundsätzlich ist es natürlich nicht neu, dass Spieler von anderen Vereinen oder Teams abgeworben werden. Was macht es im Falle der Centurions so pikant?

Köpper: Also durch die Pandemie-Zeit ist jeder Verein in der GFL wirtschaftlich schonmal schwächer aufgestellt als in den Jahren zuvor. Wir hatten da auch unsere finanziellen Verluste, haben aber durch harte Arbeit und am Rande unseres Budgets ein sehr gutes Team zusammenstellen können. Und jetzt sind wir mitten in der Vorbereitung auf die Saison, die kurz vor der Tür steht und da ist es natürlich sehr ärgerlich, wenn Spieler, mit denen wir fest geplant haben, kurz vor der Saison mit finanziellen Anreizen abgeworben werden. Das zerstört aktuell die Kaderplanung der Trainer und bringt sehr viel Unruhe rein. Unter den anderen Spielen wird sich gesorgt, wie konkurrenzfähig man noch ist. Wir sind natürlich in der freien Wirtschaft, aber in dem Ausmaß, der Größenordnung und der Aggressivität ist das selten so vorgekommen und führt zu einer ernstzunehmenden Situation. Wir müssen jetzt schauen, wie wir das händeln, damit wir als Crocodiles vernünftig rauskommen.

TOUCHDOWN24: In der Nachricht auf der Crocodiles-Homepage deutet Ihr an, Euch wehren zu wollen. Welche konkreten Gedanken habt Ihr?

Köpper: Es gibt ein paar Sachen, bei denen von den Centurions rechtliche Verstöße vorgelegen haben. Zum Beispiel wurde Bildmaterial unserer Spieler in unseren Trikots genutzt, ohne dass wir zugestimmt hatten. Wir werden in rechtlichen Fragen anwaltlich stark vertreten und es gab auch schon Gespräche, dass man besser miteinander kooperieren und sich außergerichtlich einigen will. Aber das betrifft rein rechtliche, nicht die sportlichen Aspekte. Unser Fokus ist jetzt, dass wir möglichst unsere Spieler halten und eine schlagkräftige Truppe für die GFL aufstellen können.



TOUCHDOWN24: Gibt es darüber hinaus noch weitere Konfliktfelder?

Köpper: Ja, bei den Trainingsmöglichkeiten. Wir bekommen zwar bald unseren Kunstrasenplatz gebaut, weil unsere Trainingsplätze in einem schlechten Zustand waren. Aber wir haben jahrelang bei den Cologne Falcons (Regionalliga, d. Red.) an der Ostkampfbahn Trainingszeiten bei der Stadt angefordert und das wurde uns immer verneint. Jetzt auf einmal wird ein Wirtschaftsunternehmen bevorzugt und bekommt dort sofort Platzrechte. Das ist sicherlich auch nochmal zu durchleuchten, ob das der Gleichberechtigung entspricht. Also da sind schon einige Punkte, die sehr ärgerlich sind, bei denen wir uns in einem Rahmen, der uns möglich ist, dann auch einfach wehren müssen.

TOUCHDOWN24: Wie sieht es denn rechtlich bei Spielern aus, die, sofern sie vertraglich gebunden sind, vertragsbrüchig werden?

Köpper: Also von den Statuten ist die ELF für den AFVD ein illegaler Spielbetrieb. Mit Sicherheit ist es eine andere Liga. Das heißt, wenn die Spieler wieder in die GFL zurückkommen wollen, werden sie erstmal fünf Spiele gesperrt. Wie das dann vom AFVD angewandt wird oder ob es sich noch ändert, weil sehr viele Spieler abgeworben werden und falls die ELF doch nicht startet, diese womöglich zurückkommen wollen, kann ich nicht beurteilen.

TOUCHDOWN24: Welche Liga ist denn in der kommenden Saison aus Ihrer Sicht für einen Sportler oder Importspieler sportlich attraktiver?

Köpper: Also unsere Importspieler haben sicherlich kein Interesse daran, in der ELF zu spielen. Die fühlen sich bei uns gut aufgehoben. Unser Quarterback (Christian Strong, d. Red.) wurde auch von der ELF angesprochen, hat sich aber für uns entschieden, auch weil er sich hier besser gecoacht fühlt.

TOUCHDOWN24: Ist denn eine mittelfristig funktionierende Koexistenz der Crocodiles und Centurions in Köln denkbar?

Köpper: Rein sportlich wird es schwer, zwei Top-Teams in einer Stadt zu unterhalten. Da wird sich am Ende des Tages einer durchsetzen müssen. Als Crocodiles sehen wir uns auch nicht in der Position, dass wir der Zulieferer für die Centurions werden wollen. Es kann nicht sein, dass wir unsere Spieler jahrelang auf unsere Kosten ausbilden und sich die Centurions dann einfach bei uns bedienen. In den letzten zehn Jahren kann man sagen, hatten wir deutschlandweit die beste und erfolgreichste Jugendarbeit. Wir müssen mit allen Mitteln, die wir haben, uns aufstellen und dagegenhalten und die Crocodiles in diesem neuen Umfeld positionieren. Wir werden mit Sicherheit nicht der Zulieferbetrieb der Centurions sein.

TOUCHDOWN24: Wären da verpflichtend zu zahlende Ausbildungsentschädigungen ein Ansatz, wenn man das von womöglich gar Weltverbandsseite rechtlich durchbringen könnte, ähnlich wie im Fußball?

Köpper: Also mir geht es nicht um Finanzen. Wir wollen unsere Spieler ausbilden und mit unseren Spielern die Früchte der Ernte einsammeln, auf einem entsprechend hohen Level spielen. Wenn es dann dauerhaft so ist, dass die finanziellen Anreize zu groß sind, dass die Spieler nicht widerstehen können, dann macht es irgendwann auch nur noch bedingt Spaß. Dann würde ich persönlich lieber wieder in einen Jugendbereich zurückgehen und Jugendliche für das College, die GFL, ELF oder eine andere Liga ausbilden. Wenn ich aber im Seniorenbereich auf höchstem Level coachen möchte, dann kann ich es nicht verkraften, wenn jedes Jahr Spieler massenhaft weggezogen werden.

TOUCHDOWN24: Blicken wir noch sportlich auf die Crocodiles. Wie seid Ihr nun noch aufgestellt in Hinblick auf die anstehende Saison?

Köpper: Es ist halt jetzt eine schwere Situation. Die Pandemie hat natürlich alle GFL-Teams im gleichen Maße getroffen. Wir hatten trotzdem ein sehr vernünftiges Team zusammengestellt, was sicherlich oben mitspielen hätte können. Wir müssen allerdings jetzt beobachten, wie viele unserer Leistungsträger und Spitzenspieler den Weg in die ELF suchen. Es ist natürlich unsere Krux, dass wir die Spieler so gut ausgebildet haben, dass sie für andere Ligen, ELF oder CFL (Canadian Football League, d. Red.) interessant werden. Wir müssen jetzt abwarten, welche Spieler uns noch wegbrechen und dann ist es unsere Aufgabe das Beste noch daraus zu machen. Entsprechend muss man die Ambitionen jetzt etwas zügeln.
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider

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