GFL-Vereine frustriert über Änderungen des Verbandes all-about-football.de

GFL-Vereine frustriert über Änderungen des Verbandes

geschrieben/veröffentlicht von/durch  18.07.2020
Am Mittwoch hat der AFVD die angepasste Bundesspielordnung und das neue Lizenzstatut verschickt. Das sorgte jedoch bei den Vereinen in der GFL und GFL2 für großen Frust, denn die Absprachen wurden nicht eingehalten. In einer Telefonkonferenz wurde am Freitagabend über das weitere Vorgehen diskutiert.

Insgesamt 15 der 16 GFL-Teams, die Dresden Monarchs fehlten aufgrund eines Terminkonflikts, haben in einem kurzfristig anberaumten Online-Meeting über die neue BSO und Lizenzstatut gesprochen. Dabei stoßen viele der Änderungen auf Unverständnis, denn schließlich wurden sie anders besprochen.

Ein großer Kritikpunkt ist, dass die Vereine, die 2020 nicht am Spielbetrieb teilnehmen, nun doch ihre Lizenz zurückgeben. In dem neuen Lizenzstatut heißt es in Paragraph 2 Abschnitt b: "Ein Lizenzverein, der seine Lizenz nach den Regelungen dieses Paragraphen aufgrund der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie in der Saison 2020 zurückgibt (Rückzug einer Mannschaft vom Spielbetrieb nach Lizenzerteilung/ Rückzug einer Mannschaft vom Spielbetrieb nach Stellung des Lizenzantrages aber vor Lizenzerteilung), kann den Spielbetrieb zur Saison 2021 in derselben Spielklasse wiederaufnehmen, für die er 2020 sportlich qualifiziert und lizenziert war, vorausgesetzt, er erfüllt die sonstigen Lizenzierungsvoraussetzungen zur Saison 2021. Dies ist nur möglich, wenn der Lizenzverein die Haftungsfreistellungs- und Rechtsmittelverzichtserklärung (Anlage 1) rechtswirksam unterzeichnet hat.“

Das hat sich Anfang Juni noch komplett anders angehört. Dort sagte GFL-Sprecher Carsten Dalkowski in einem Interview mit american-football.com noch: "Die GFL-Lizenz wird auch von keinem Verein zurückgegeben." Somit liegt hier ein Wortbruch vor, der vielen Vereinen nicht gefällt. Nach den neusten Vorkommnissen stellt Alexander Korosek, Geschäftsführer der Frankfurt Universe im Gespräch mit hr-sport fest: "Das Tischtuch zwischen dem Verband und den Vereinen ist zerschnitten. Es gibt null Vertrauen mehr. Wie kann man das auf den Weg bringen, wenn sich alle Vereine für etwas anderes aussprechen?""

Ebenfalls für viel Wind sorgt der Passus, dass Vereine, die nicht an der Saison 2020 teilnehmen wollen, nun doch mit Strafen rechnen müssen. Laut Paragraph 2 des Lizenzstatuts müssen sie ihre Absage begründen und zudem nachweisen, dass sie "die negativen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie durch eigenes Handeln“ (Paragraph 2 Absatz d) abgemildert haben. "Bei Vereinen, die den Nachweis gemäß Kleinbuchstabe d) nicht führen können, kann die Lizenzierungskommission des Ligadirektoriums bestimmen, dass der Verein zur Saison 2021 die Spielklasse beibehalten kann, aber die Geldstrafe für den Rückzug aus der Liga in voller oder teilweiser Höhe festgesetzt wird“, steht es in §2 Absatz e. Hinzu kommt, dass die Höhe der Strafe nicht genau definiert ist, was dem Verband somit viel Spielraum lässt.

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Auch dieser Absatz war vorher anders abgesprochen worden. In einer Pressemitteilung des AFVD vom 2. Juli steht: "Die Einigung der Vereine auf ein neues Lizenzstatut regelt zunächst nur, dass die Vereine und die Spieler, die spielen wollen, dies tun können, und diejenigen, die es nicht wollen, keinerlei Sanktionen zu befürchten haben.“ Somit entschied sich der Verband wieder das genaue Gegenteil von dem zu tun, was er vorher mit seinen Lizenzvereinen abgesprochen hatte.

Erschwerend hinzukommt, dass der AFVD ausbleibende Zuschauereinnahmen bei der Begründung zur Absage nicht zulassen will. Der Grund ist, dass der Verband darauf hofft, in das 200 Millionen Euro schweren Hilfsprogramm des Bundes für die Profiligen aufgenommen zu werden. In einer Mail an die Vereine, die TOUCHDOWN24 exklusiv vorliegt, schreibt AFVD-Präsident Rober Huber: "Es wäre jetzt einfach fahrlässig, in Angesicht eines Förderprogramms aus dem die GFL evtl. über 1.000.000 EUR zu erwarten hat, den 'Stecker zu ziehen'. Jeder, der das jetzt macht, wird es sich später nicht verzeihen, wenn der Nachbarverein mit einem Scheck über 80% der letztjährigen Zuschauereinnahmen vom Staat in den Spielbetrieb geht, er selbst aber abgemeldet hat, keinen Zuschuss erhält und die eigenen Spieler, Zuschauer und Sponsoren dann den Verein zu eben jenen Nachbarverein wechseln.“

Die Vereine hingegen sehen das noch sehr kritisch, da dort noch zu viel Konjunktiv ist. Deswegen werden auch die zehn Vereine, die bereits im Mai in einem Positionspapier erklärt haben, dass sie nicht spielen wollen, ihre Teilnahme am Spielbetrieb absagen. Ob ihre Begründung dann von der Lizenzierungskommission des Ligadirektoriums, wo laut Information von TOUCHDOWN24 Robert Huber, Carsten Dalkowski und AFVD-Vize-Präsident Uwe Talke sitzen, akzeptieren wird, ist noch unklar. Eine Ablehnung der Begründung könnte jedoch den Unmut gegenüber dem Verband weiter verschärfen.

Korosek vermutet auf hessenschau.de: ""Es geht nicht mehr nur um Football, sondern um Geld und persönliche Einzelinteressen. Der heilige German Bowl soll mit Ach und Krach durchgeführt werden." Eine Vermutung, die TOUCHDOWN24 bereits vor Monaten geäußert hat. Wer weiß, wie der Vertrag zwischen dem Betreiber des Deutsche Bank Park, früher Commerzbank Arena, und dem AFVD aussieht und welche Kosten dem Verband entstehen, die bei einer Nichtaustragung des German Bowl nicht durch Einnahmen gedeckelt sind?


Sebastian Mühlenhof

Sebastian Mühlenhof arbeitet seit 2019 bei der SDZ Mediengruppe in Aalen. Während seines Auslandsaufenthalt in Kanada entwickelte sich seine Leidenschaft für den American Football. Seit 2019 arbeitet er als freier Mitarbeiter mit Schwerpunkt auf der GFL für TOUCHDOWN24. Außerdem ist er Kommentator in der GFL, Moderator und Experte des Football-Podcasts "Interception - der Football-Talk" und engagiert sich ehrenamtlich in der Pressearbeit bei den Stuttgart Scorpions.

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