Geht in seine zwölfte Saison als Head Coach der New Yorker Lions: Troy Tomlin Geht in seine zwölfte Saison als Head Coach der New Yorker Lions: Troy Tomlin IMAGO / Hübner

Gesichter der GFL: Troy Tomlin - der Titelsammler der Lions

geschrieben/veröffentlicht von/durch  27.05.2021
Er riss die Arme hoch und die Freude brach aus ihm heraus. 2013 hatte es Troy Tomlin endlich geschafft. Erstmals konnte sich Tomlin als Head Coach der New Yorker Lions Braunschweig Deutscher Meister nennen. Im German Bowl XXXV hatten seine Lions die Dresden Monarchs in einem nervenaufreibenden Spiel mit 35:34 besiegt – bis kurz vor Schluss hatte Dresden noch vorne gelegen. Am Ende war es ein Fumble des Dresdner Runningbacks Trevar Deed, der den Deckel auf den denkbar knappen Sieg setzte.
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Das Ergebnis an diesem 12. Oktober 2013 vor gut 12.000 Zuschauen im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark war dabei aber nur der Anfang einer Erfolgsgeschichte, wie sie der deutsche American Football zuvor noch nicht erlebt hatte. Tomlin holte mit Braunschweig auch die Meisterschaften 2014, 2015 und 2016, gewann den Eurobowl, den in dieser Phase größten Europapokal-Wettbewerb, von 2015 bis 2018 viermal in Folge und stellte seine Titelsammlung mit den Lions auf insgesamt neun Pokale. Bereits 2003 hatte Tomlin bei seinem ersten Engagement als Head Coach in Braunschweig seinen ersten Eurobowl gewonnen, damals hörte der Verein noch ohne namensgebenden Hauptsponsor auf den schlichten Namen Braunschweig Lions.

Dennoch war der Erfolg im German Bowl 2013 langersehnt. Tomlin war erst zum Saisonbeginn nach Braunschweig zurückgekehrt, hatte mehrere Jahre zwischenzeitlich in seiner US-amerikanischen Heimat verbracht. Bereits von 2001 bis 2004 hatte er die Lions als Cheftrainer betreut, war Nachfolger von Kent Anderson geworden, der sogar einst zum europäischen Trainer des Jahres gewählt worden war. Tomlin als Nachfolger passte gut. Als Defensive Coordinator hatte er zuvor bereits sieben Spielzeiten in Braunschweig gecoacht und war somit an den Deutschen Meisterschaften 1997, 1998 und 1999 sowie dem Triumph im Eurobowl im gleichen Jahr beteiligt.

German Bowl: Erst vier Niederlagen, dann vier Siege in Serie


Als Andersons Erbe, der mit einem kontroversen Wechsel ausgerechnet zu den Hamburg Blue Devils, dem damals größten Rivalen um die Meisterschaft, für Aufsehen gesorgt hatte, blieb Tomlin aber der große Erfolg zunächst verwehrt. Zwar führte er die Lions viermal in Folge in den German Bowl, verließ den Platz mit den Niedersachsen aber stets als Verlierer. Ausgerechnet die Blue Devils behielten 2001, 2002 und 2003 die Oberhand, 2004 triumphierte Berlin Adler über Braunschweig – und Anderson erneut über Tomlin, denn dieser war mittlerweile Head Coach in der Hauptstadt. Der Titelgewinn 2013 darf für Tomlin somit als Meilenstein seiner Karriere bezeichnet werden.

In einen ähnlichen Freudentaumel stürzte Tomlin dann 2019 erneut. Braunschweig, der Dauermeister, die deutsche Football-Dynastie, hatte zwei Jahre in Folge zusehen müssen, wie die Trophäe des German Bowls an ein anderes Team ging. Die Schwäbisch Hall Unicorns gewannen 2017 und 2018 den deutschen Meistertitel, 2018 sogar gegen die Frankfurt Universe. Es war der erste German Bowl seit fünf Jahren gewesen, der ohne die Lions stattfand. Drei Jahre und zwei Spielzeiten später endete aber die Durststrecke.

Triumph vor dem Lockdown


In einem von zwei starken Verteidigungen dominierten Finale setzten sich die Lions am Ende mit 10:7 gegen die Unicorns durch – dass es für lange Zeit aufgrund einer zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Pandemie das letzte GFL-Spiel sein sollte, wussten die Protagonisten zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Die ersten Punkte waren erst im dritten Viertel aufs Scoreboard gekommen, Runningback Christopher McClendon war der einzige Touchdown des Tages für den Sieger gelungen. Kicker Tobias Göbel legte ein Fieldgoal nach, der Haller Touchdown von Joshua Haas kam zu spät.

Der Erfolg für Tomlin, der zehnte Titel als Head Coach, der 14. als Trainer in Braunschweig, war gleichzeitig auch die erste Niederlage von Jordan Neuman als Head Coach in Schwäbisch Hall. Drei Jahre hatten die Baden-Württemberger jedes Spiel für sich entschieden, ehe sich die New Yorker Lions auf den Tag genau sechs Jahre nach der ersten Meisterschaft mit Tomlin als Head Coach wieder Deutscher Meister nennen durften. Wenn Braunschweig im Oktober erneut den German Bowl gewinnt, dann hat Tomlin nach einem Jahr Corona-Pause diesmal nur zwei Jahre und keine Spielzeit auf seinen nächsten Titel warten müssen.

Road to German Bowl XLI

Die 42. Saison der German Football League startet am 4. Juni mit dem Auftaktspiel zwischen den Schwäbisch Hall Unicorns und den Ravensburg Razorbacks. Das Spiel aus dem Optima Sportpark wird um 18.45 Uhr angepfiffen und live auf Sport1 im Free-TV übertragen. Meister Braunschweig ist zum Start bei den Cologne Crocodiles zu Gast, ein weiteres Topspiel findet zwischen den Berlin Rebels und den Dresden Monarchs im Norden sowie zwischen den Marburg Mercenaries und den Allgäu Comets im Süden statt.

In der Saison 2021 gehen insgesamt 14 Mannschaften unterteilt auf vier Staffeln an den Start, sechs im Norden, acht im Süden. Drei Mannschaften haben sich aus der German Football League zurückgezogen, nachdem es verschiedene Einflüsse aus der neuen European League of Football (ELF) gab. Die Elmshorn Fighting Pirates und Hildesheim Invaders traten beide freiwillig den Rückzug in die Regionalliga an. Die beiden Teams aus dem Norden wurden nicht durch Nachrücker ersetzt.


Im Süden wählten die Ingolstadt Dukes den Gang zurück in die Drittklassigkeit – ihren Platz nahmen die hochgestuften Saarland Hurricanes ein. Hildesheim und Ingolstadt hofften Teil der European League of Football werden zu können, allerdings scheiterten die Verhandlungen mit der neuen Liga. Die Fighting Pirates hatten einen Aderlass an Spielern zu den Hamburg Sea Devils aus der ELF zu verkraften und bekamen die anvisierten finanziellen Mittel nicht zusammen, um weiterhin konkurrenzfähig in der GFL zu spielen.

Auch in diesem Jahr gehört Braunschweig neben den Unicorns zu den Topfavoriten auf den nächsten deutschen Meistertitel, den Monarchs aus Dresden werden immerhin Außenseiterchancen eingeräumt. Weitere Playoff-Kandidaten sind die Berlin Rebels und Potsdam Royals im Norden, sowie die Marburg Mercenaries, Munich Cowboys und Allgäu Comets im Süden. Die Cologne Crocodiles haben wie die Frankfurt Universe und die Stuttgart Scorpions mit der ELF-Konkurrenz in der eigenen Stadt zu kämpfen. Die Kiel Baltic Hurricanes, Ravensburg Razorbacks und Saarland Hurricanes haben allenfalls Außenseiterchancen auf die Postseason.
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider

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