HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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Brennende Fragen nach Woche 5: Was ist mit den New Yorker Lions los?

Zu oft als Receiver auf sich alleine gestellt: Braunschweigs Paul Bogdann Zu oft als Receiver auf sich alleine gestellt: Braunschweigs Paul Bogdann IMAGO / Hartenfelser
Woche 5 der German Football League hat für enge Spiele, aber auch klare Ergebnisse gesorgt. Für Aufsehen sorgte dabei das 34:31 der bis dahin sieglosen Kiel Baltic Hurricanes gegen die New Yorker Lions aus Braunschweig. TOUCHDOWN24 fragt: Was ist los in Braunschweig?
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Was ist mit den New Yorker Lions los?

Dass die New Yorker Lions einen Umbruch im Roster und mehrere wichtige Spieler verloren hatten, war schon vor der Partie am Samstag bei den Kiel Baltic Hurricanes kein Geheimnis mehr. Auch hatten die Niedersachsen eine Pleite im Gepäck von der letzten Partie gegen die Dresden Monarchs – zuvor waren sie nur denkbar knapp an einem Remis gegen die Berlin Rebels vorbeigeschrammt. Dass also noch nicht alles rundlief beim Rekordmeister war somit offensichtlich. Dass die Mannschaft von Head Coach Troy Tomlin aber gegen das bis dahin sieglose Schlusslicht aus Kiel verliert, war dann ein wahrer Aha-Moment, der einiges an Erwartungen in Braunschweig in Frage stellt.

Spätestens bei der Niederlage in Kiel wurde deutlich, dass ein funktionierendes Laufspiel über Runningback Exavier Edwards zu wenig ist, um weiterhin die dominante Rolle in der Nordstaffel zu spielen. Quarterback Jake Kennedy macht zwar nicht viele Fehler, seine 209,2 Passing Yards im Schnitt pro Spiel bedeuten aber auch nur einen Liga-Mittelwert. Klar ist: Es fehlt ein Nummer-eins-Receiver. Paul Bogdann kommt als stärkster Receiver nach vier Spielen lediglich auf 239 Yards und 2 Touchdowns. Auch ihm würde es gut tun, wenn er nur die Nummer zwei sein müsste und der Fokus der Defenses von ihm weggelenkt würde. Aber auch in der Passverteidigung läuft Braunschweig seinen eigenen Ansprüchen hinterher. Kiels Receiver Weston Carr gelangen gleich im ersten Viertel zwei Big Plays zu zwei Touchdowns.

Head Coach Tomlin hat in der kommenden Woche viel zu tun. Bereits am Samstag droht gegen die bisher stark aufspielenden Potsdam Royals die dritte Niederlage in Folge – dann stünde Braunschweig nach fünf von zehn Spielen der regulären Saison mit einer negativen Bilanz da. Mehr als eine Pleite am Stück hatte Braunschweig zuletzt in der Saison 2012 erlebt, damals als Tabellensechster die Playoffs gar verpasst. Sollte es in Potsdam tatsächlich schief gehen, droht den Lions endgültig das erstmalige Verpassen der Playoffs seit neun Jahren.

Wer ist dieser Weston Carr im Trikot der Baltic Hurricanes?

Weston Carr ist am Samstag gegen die New Yorker Lions aus Braunschweig förmlich explodiert. Mit zehn gefangenen Pässen von Quarterback Joe Germinerio für 209 Yards und (die ersten) drei Kieler Touchdowns war der 23-Jährige der entscheidende Spieler auf dem Feld. Zwar war die Partie gegen Braunschweig schon Carrs fünftes Spiel für Kiel, doch so richtig in Erscheinung trat er erst am Samstag, als er Passspielzüge über 50, 41 und 6 Yards zu seinen Touchdowns nutzte.

Ganz überraschend kommt die Qualität von Carr für die GFL-Experten aber nicht. Nachdem er an der Azusa Pacific University aus der Nähe von Los Angeles in drei Jahren mit über 3000 Yards und 36 Touchdowns auf sich aufmerksam gemacht hatte, absolvierte er seine Senior-Saison 2019 bei den Penn State Nittany Lions, wo er unter anderem Teamkollege von K. J. Hamler war, der im NFL Draft von 2020 in der zweiten Runde von den Denver Broncos ausgewählt wurde. Die Kieler sorgen insbesondere mit starkem Receiver-Scouting immer wieder für Top-Importe. Ihr letzter Clou, Markell Castle, avanciert für die Cologne Crocodiles zum besten Wide Receiver dieser GFL-Saison.

Sind die Dresden Monarchs nun der Top-Kandidat auf den German-Bowl-Einzug im Norden?

Ja, die Mannschaft von Head Coach Ulz Däuber darf als aktuell bestes Team der Nordstaffeln angesehen werden. Die Auftaktniederlage in Woche eins bei den Cologne Crocodiles ist längst abgehakt. Danach folgten Siege im Rückspiel gegen Köln, bei den New Yorker Lions und nun mit 31:15 bei den zuvor ungeschlagenen Potsdam Royals.

Insbesondere die Passverteidigung zeigte ihre starke Form und ließ nur drei Completions für insgesamt 64 Yards der Royals durch die Luft zu. Natürlich ist Potsdam über seinen Runningback Jake Mayon ein auf das Laufspiel ausgerichtetes Team, durch die frühe 14:0-Führung der Dresdner waren die Potsdamer in ihrer Spielausrichtung aber entsprechend limiert. Und in der eigenen Offense finden Monarchs-Quarterback Kyle Carta-Samuels und Wide Receiver Darrell Stewart Jr. immer besser zusammen. Ein Blick auf den noch zu absolvierenden Restspielplan offenbart zudem noch jeweils zwei Partien gegen die Berlin Rebels und Kiel Baltic Hurricanes - die beiden Schlusslichter der Nordstaffel. Dresden kann somit auf dem Weg zu Platz eins und somit Heimrecht bis zum German Bowl nur noch über sich selbst stolpern.

Ergebnisse aus Woche 5:


  • Schwäbisch Hall Unicorns vs. Stuttgart Scorpions 82:0 (21:0, 26:0, 21:0, 14:0)
  • Kiel Baltic Hurricanes vs. New Yorker Lions Braunschweig 34:31 (13:7, 7:10, 6:14, 8:0)
  • Potsdam Royals vs. Dresden Monarchs 15:31 (0:7, 7:14, 0:7, 8:3)
  • Cologne Crocodiles vs. Berlin Rebels 34:6 (6:0, 22:6, 0:0, 6:0)
  • Marburg Mercenaries vs. Munich Cowboys 21:24 ()
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider
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