Liefen den Cowboys in Woche eins nur hinterher: die Spieler der Frankfurt Universe Liefen den Cowboys in Woche eins nur hinterher: die Spieler der Frankfurt Universe IMAGO / Passion2Press

Brennende Fragen nach Woche 1: Universe, Unicorns und Crocodiles

geschrieben/veröffentlicht von/durch  07.06.2021
Über 600 Tage mussten die GFL-Teams und ihre Fans auf Spiele in der German Football League warten. Was ist passiert auf den Plätzen der höchsten deutschen Spielklasse – und wie ist es zu bewerten?


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Wie schlimm steht es um die Frankfurt Universe?

Offenbar schlimmer als in den schlimmsten Prognosen befürchtet. Den meisten Fans und Beobachtern wird bewusst gewesen sein, dass die Universe ein vollkommen anderes Team als in den vergangenen Jahren sein würde. Dass vom einstigen Titel-Kandidaten, 2018 waren die Frankfurter nur knapp durch ein verschossenes Fieldgoal im German Bowl an den Schwäbisch Hall Unicorns gescheitert, allerdings noch weniger übrig geblieben ist, als auf pessimistischste Weise prognostiziert, ist ein Schock. Ein Großteil von Spielern und Trainern war mit der Entstehung der Frankfurt Galaxy in die European League of Football gewechselt und hatte einen Trümmerhaufen bei der Universe hinterlassen. Das Ergebnis war eine 0:72-Niederlage bei den Munich Cowboys.

Und das ist nur die halbe Wahrheit: Bereits zur Pause führten die Bayern mit 58:0 und gaben in der Folge ihren Backups Spielpraxis. Hätten die Cowboys weiterhin ihre besten Waffen eingesetzt, ein dreistelliges Ergebnis wäre im Bereich des Möglichen gewesen. Frankfurt, mit einer Vielzahl an jungen Spielern aufgefüllt, war München in allen Belangen unterlegen - München freut sich unterdessen über die erste Tabellenführung der Saison. Und: Wenn wir von den Cowboys sprechen, dann sprechen wir von einem Team, das 2014 zuletzt eine Winning Season in der GFL gespielt hat. Nach dieser Vorstellung ist die Universe Abstiegskandidat Nummer eins – womöglich bricht bei einem Abstieg der Verein komplett in sich zusammen. Schon die kommenden beiden Wochen werden weitere Antworten liefern, gegen Aufsteiger Saarland Hurricanes (Woche 2) und die ebenfalls von einem ELF-Team gebeutelten Stuttgart Scorpions (Woche 4 nach einer Bye Week) geht es gegen weitere potenzielle Abstiegskandidaten bereits ums nackte Überleben.

Unicorns-Dominanz: Droht der Südstaffel die große Langeweile an der Spitze?

Davon ist schwer auszugehen. Die Ravensburg Razorbacks waren zum Saisonbeginn nichts weiter als ein etwas besserer Spielball der Schwäbisch Hall Unicorns, die sich locker mit 58:14 durchsetzten. Zu einfach sah es aus, was Quarterback Alexander Haupert mit seinen Mitspielern wie Runningback John Santiago oder die Wide Receiver Tyler Rutenbeck und Yannick Mayr so anstellte. Star-Spieler und Tight End Moritz Böhringer wurde in der Offensive noch gar nicht im Passspiel eingesetzt, agierte allerdings als starker Blocker für Santiago im Laufspiel.



Schon in den letzten Jahren war im Süden lediglich die Frankfurt Universe zeitweise auf Augenhöhe, doch das ist – siehe oben - vorbei. Vielleicht können ganz entfernt die Allgäu Comets aus der Gruppe Süd2 zumindest vom Record her mithalten, vielleicht sind die Munich Cowboys tatsächlich wesentlich stärker als in den letzten Jahren, vielleicht war die Niederlage der Marburg Mercenaries nur ein Ausrutscher zum Auftakt, der sich schnell ausbügeln lässt, an der Vorherrschaft der Unicorns im Süden wird das allerdings wenig ändern. Es scheint bereits jetzt klar, dass für Schwäbisch Hall die Regular Season mehr Preseseason als echter Wettbewerb sein wird. Die Saison fängt für die Haller so erst in den Playoffs, frühestens im Halbfinale, an.

Wie stark sind die Cologne Crocodiles?

Von den Cologne Crocodiles ging in den letzten Wochen vor dem Saisonstart eine eher negative Stimmung aus. Grund dafür waren laut Head Coach Patrick Köpper im Gespräch mit TOUCHDOWN24 die aggressiven Abwerbungsversuche von Spielern der Cologne Centurions aus der European League of Football. Laut Köpper musste man “die Ambitionen etwas zügeln“ bei den sonst so stabilen Crocodiles, die sich seit ihrem Aufstieg 2016 als Playoff-Contender etabliert hatten und sich sukzessive weiter nach oben orientieren wollten.



Entgegen der gedämpften Erwartungen folgte ein hochspannendes 48:41 gegen die Dresden Monarchs, die laut Head Coach Ulz Däuber in diesem Jahr den German Bowl als Saisonziel ausgegeben hatten – und die Erkenntnis: Crocodiles gegen Monarchs wäre die weit bessere Wahl als Saison-Auftaktspiel gewesen als das einseitige Unicorns gegen Razorbacks. Schlauer ist man aber erst hinterher, dass Hall gegen Ravensburg sich als Werbung für die GFL eher semioptimal eignen, hätte man mit etwas vorausschauendem Denken allerdings auch schon vorher wissen können.

Immerhin kommt es in Woche 2 bereits erneut zum Duell der Crocodiles gegen die Monarchs, diesmal in Dresden und diesmal im Free-TV (ab 16.30, live auf SPORT1). Doch wie stark sind die Crocodiles nun? Die Offense um Quarterback Chris Strong gehört mit seinen Receiver-Waffen Markell Castle und Aaron Jackson zur GFL-Spitze, allerdings war der Defense der Weggang einiger wichtiger Spieler anzumerken. Dennoch: Wer die ambitionierten Monarchs schlägt, ist auch trotz der negativen Stimmung im Vorfeld ein absoluter Playoff-Kandidat. Fun Fact am Rande: Im neunten GFL-Duell war das 48:41 der erste Sieg der Crocodiles über die Monarchs.

Die Ergebnisse aus Woche 1:


  • Schwäbisch Hall Unicorns vs. Ravensburg Razorbacks 58:14 (21:0, 10:0, 20:6, 7:8)
  • Cologne Crocodiles vs. Dresden Monarchs 48:41 (7:10, 10:14, 21:10, 10:7)
  • Kiel Baltic Hurricanes vs. Potsdam Royals 6:55 (0:14, 6:21, 0:7, 0:13)
  • Munich Cowboys vs. Frankfurt Universe 72:0 (21:0, 37:0, 7:0, 7:0)
  • Saarland Hurricanes vs. Stuttgart Scorpions 35:6 (7:0, 21:6, 7:0, 0:0)
  • Marburg Mercenaries vs. Allgäu Comets 7:31 (7:8, 0:14, 0:6, 0:3)
  • BYE: Berlin Rebels, New Yorker Lions Braunschweig
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider

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