HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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AFVD: CAS-Entscheidung doch bekannt?

AFVD: CAS-Entscheidung doch bekannt?
Im Machtkampf im internationalen American Football hat der Weltverband IFAF den Aussagen von AFVD-Präsident Robert Huber widersprochen.

Sämtlichen Nationalverbänden wurde „die vollständige Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs CAS mitgeteilt“, sagte Richard McLean, der Präsident des IFAF mit Sitz in New York auf Ran.de.
Die Entscheidung zugunsten McLeans und zuungunsten der IFAF mit Sitz in Paris sei lediglich noch nicht veröffentlicht. „Gegenwärtig hat unser Anwalt uns gebeten, das Urteil nicht zu veröffentlichen, bis das CAS es getan hat“, so McLean weiter, der jeden Tag mit der Publizierung rechne. Der AFVD hatte sich bis zuletzt ahnungslos gegeben und den Anschluss an die IFAF mit Sitz in New York verweigert. Mit der Folge, dass die für 2018 an Deutschland als Gastgeber vergebene Europameisterschaft nun in Finnland ohne Titelverteidiger Deutschland stattfindet und der deutsche Verband inklusive seiner Nationalmannschaft international isoliert ist.

Im Gegensatz zu McLean hatte Huber sich unwissend gegeben und verkündet, dass der AFVD McLean aufgefordert habe, „darzulegen, woher er seine Legitimation als Präsident ziehe“, Wenn aber - wie laut McLean – ein Schreiben des CAS auch an den AFVD herausgegangen ist, dann führt Huber weiterhin ein undurchsichtiges Spiel und versucht die Öffentlichkeit am Nasenring durch die Manege zu führen. Nicht zuletzt zieht sich die mangelnde Transparenz wie ein roter Faden durch die Öffentlichkeitsarbeit des AFVD. Sollte Huber sich aber am Ende als derjenige erweisen, der die Wahrheit gesagt hat, dann war es womöglich richtig, sich einem Anschluss zu verweigern.

Aussage gegen Aussage

Die Indizien sprechen hingegen für die Version von McLean. Warum sonst sollten sich starke europäischen Nationalverbände wie der von Frankreich oder Österreich sonst ohne Murren dem New Yorker Weltverband angeschlossen haben? Für die ursprüngliche EM waren beide ebenso qualifiziert wie sie nun via Einladung am "Ersatz"-Turnier teilnehmen.

Doch warum sollte Huber die Unwahrheit gesagt haben? Am Sonntag gibt es Gespräche mit den Vereinen aus der GFL. Es geht vornehmlich darum, zu klären, ob die Vereine ihre internationalen Spieler für die Football-Europameisterschaft, die laut Huber für den AFVD keine offizielle ist („Es ist in Deutschland keiner offiziellen Stelle bekannt, dass es eine American-Football-EM in Finnland gibt. Es gibt keine Mitteilung von irgendeinem internationalem Verband“) abstellen sollen. Doch es ist mächtig Druck im Kessel. Vielleicht versucht Huber die Wogen zu glätten, ehe ihm der Verband mit dem Aushängeschild GFL vollends entgleitet. Am Sonntag könnte es zu kritischen Tönen seitens der GFL-Vereine kommen, vielleicht mehr.

Wie auch immer, es gibt zwei gegensätzliche Aussagen. Sollte sich erweisen, dass McLean die Wahrheit gesagt hat und Huber damit wissentlich die Öffentlichkeit belogen hat, dann sollten die Landesverbände, insbesondere die Mitgliederstärksten aus Bayern und Nordrhein Westfalen sich fragen, ob der von ihnen gewählte Präsident noch länger tragbar ist. Eine Anfrage seitens Ran.de beim CAS mit der Bitte um Aufklärung wurde bisweilen nicht beantwortet. So warten dann alle auf eine Veröffentlichung seitens des CAS.

Lösung: Paralleler Spielbetrieb?

Derweil hat die Europäische Kommission im vergangenen Dezember in einer völlig anderen Sache ein richtungsweisendes Urteil gesprochen, die auch auf den American Football international wie auch in Deutschland anzuwenden wäre. Damals hatten Eisschnelllauf-Olympiasieger Mark Tuitert und Shorttrack-Staffelweltmeister Niels Kerstholt gegen ihren Weltverband ISU geklagt, der ihnen unter Androhung von Strafe verweigern wollte, dass sie an einem hochdotierten Show-Wettkampf in Dubai teilnehmen.

Die EU-Kommission wertete dabei Verbandsregularien, die Athleten für den Start bei nicht unter dem Dach der ISU veranstalteten Wettbewerben sanktioniert, als Verstoß gegen europäisches Kartellrecht. EU-Kommissarin Margrethe Vestager begründete: „Die aufgerufenen Strafen dienen der ISU jedoch auch dazu, die eigenen kommerziellen Interessen zu schützen und hindert Wettbewerber daran, eigene Events auszurichten.“

Damit öffnete die EU das Tor für parallele Wettbewerbe in der gesamten Sportwelt. Auf den American Football bezogen, könnte das dazu führen, dass sich unter dem Dach einer parallelen Organisation neben der IFAF eigene internationale Turnierserien entwickeln. Aber auch das Alleinstellungsmerkmal des AFVD im deutschen American Football könnte so von einer weiteren Organisation angegriffen werden. Es müsste sich nur ein Investor finden, der zum Beispiel die GFL-Vereine dazu einlädt in einer semi-professionellen und finanziell attraktiven Liga mitzuspielen. Der AFVD dürfte die Vereine, nach Interpretation dieses Urteils, die sich dem neuen Wettbewerb anschließen, nicht sanktionieren.

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