HEFT #50

Ausgabe OKTOBER 2021

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Sea Devils, Panthers und Galaxy dominieren - Woche 5 der ELF

Nicht zu stoppen: Johnson (#24) von den Sea Devils Nicht zu stoppen: Johnson (#24) von den Sea Devils IMAGO / Beautiful Sports
Nach Woche 5 der Premieren-Saison der European League of Football werden allmählich die Probleme der neuen Liga deutlich. Die angenommene Ausgeglichenheit der Liga ist längst Makulatur – und auch sonst hat die ELF noch allerhand Handlungsbedarf.
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Spannung adé? Drei Teams quasi schon sicher in den Playoffs

Das 55:0 der Hamburg Sea Devils gegen die Leipzig Kings hat verdeutlicht, was die Liga lange versucht hatte zu kaschieren. Auch die ELF ist, wie es der German Football League häufig vorgeworfen wird, mittlerweile eine Zweiklassengesellschaft. Die Hamburg Sea Devils und Wroclaw Panthers stehen im Norden gefühlt als Playoff-Teilnehmer bereits fest, obwohl gerade so einmal Halbzeit der Regular Season ist. Im Süden sieht es nicht wesentlich besser aus. Die Frankfurt Galaxy marschiert vorneweg, während die Barcelona Dragons kein Bein auf die Erde bekommen. Der Record der Cologne Centurions und der Stuttgart Surge (beide aktuell 2-2) suggeriert zumindest noch Spannung um den zweiten Postseason-Platz im Süden. Bewertet man die Spiele, dürften die Kölner sich in den kommenden Wochen von den Schwaben noch absetzen.

Fehlende Spannung führt zu den Problemen, mit denen die GFL schon seit Jahren zu kämpfen hat, wenn es in den letzten Wochen vor den Playoffs nur noch für wenige Teams um etwas geht. In der ELF fehlt aufgrund des Franchise-Systems sogar der Kitzel eines möglichen Abstiegskampfes, wenn „oben“ die Tickets längst vergeben sind. Obwohl nach und nach die Corona-Beschränkungen fallen, wirkt es an vielen Standorten nicht so, als würden die Massen bedingungslos in die Stadien strömen. Immerhin die Einschaltquoten sind stabil bis sogar steigend. So veröffentlichte die Liga am Montag einen Marktanteil von 3,8 Prozent in der werberelevanten Gruppe, was deutlich über dem ProSieben-Maxx-Senderschnitt von 1,5 Prozent liegt.

Wie stabil ist die Liga?

Der Hype ist noch immer vorhanden. Viele Football-Fans freuen sich bereits auf den ELF-Bowl am 26. September in Düsseldorf, für den bereits über 10.000 Tickets verkauft worden sind. Die Ankündigung neuer Franchises entfacht ebenfalls Euphorie. So verkündete Commissioner Patrick Esume bereits, dass ein Team in London (Monarchs?) entstehen wird, Standorte wie Düsseldorf (Rhein Fire) oder Amsterdam (Admirals) sind zudem wahrscheinlich. Dennoch fragt man sich, wie stabil die Liga in Gänze ist. Die Dragons werden mit ihrer Niederlagenserie kaum Fans gewinnen können. Wie sieht es in Leipzig oder Berlin aus, wo weder Kings noch Thunder sich sportlich empfehlen?

Die European League of Football ist im Wesentlichen nicht transparenter als es der häufig für seine Undurchsichtigkeit kritisierte deutsche Football-Dachverband AVFD ist. Wer herausfinden will, wer hinter einzelnen Teams steckt, muss lange Nachforschungen betreiben, nur selten wird, wie zuletzt bei den Kings, der Besitzer veröffentlicht. Unbekannt ist auch der tatsächlich verwendete Salary Cap. Geben aktuell tatsächlich alle Teams in etwa das gleiche Geld aus? Und wenn ja, wie hoch ist der Betrag? Was die Vorbild-Liga NFL jedes Jahr transparent liefert, daraus macht die ELF ein großes Fragezeichen und schürt damit die individuellen Einschätzungen und Vermutungen, dass bei einer Liga, die doch deutliches Leistungsgefälle hat, eben doch nicht alle (nahezu) das gleiche Budget aufwenden.

Wer ist auf MVP-Kurs?

Kommen wir zum Sportlichen. Kürzlich hat die ELF endlich weitergehende Statistiken veröffentlicht. Immerhin die Top-Ten-Spieler etlicher Kategorien, wie Rushing oder Receiving Yards, Interceptions und Sacks sind nun auf einen Klick (und Blick) zu sehen. Demnach scheint es, dass sich als Quarterbacks vor allem Lukas O`Connor (1187 Yards für 14 Touchdown-Pässe bei vier Interceptions in vier Spielen) von den Wroclaw Panthers und Jakeb Sullivan (1059 Yards, 13 TDs, 5 INT/5 Spiele) von der Frankfurt Galaxy in Stellung bringen. Als Runningback kann sich der überragende Madre London von den Cologne Centurions Hoffnung machen. Der 25-Jährige erlief in bisher vier Spielen 1044 Yards für 11 Touchdowns und dominiert damit seine Position.

Gleich mehrere Receiver sind auf ihrer Position vorne, rechnet man aber mit ein, dass MVP eigentlich nur ein Spieler werden kann, der faktisch dominiert und mit seiner Mannschaft in die Playoffs kommt, dann kommen wohl nur Breslaus Jakub Mazan (317 Yards, 5 TDs) und Przemyslaw Banat (306 Yards, 5 TDs) in die nähere Auswahl. Jean Constant (Barcelona Dragons) hat mit 508 Yards zwar deutlich mehr Raumgewinn erzielt, dürfte mit seinem Team die Playoffs aber ebenso verpassen, wie Seantavius Jones von Berlin Thunder, der mit sechs Touchdowns bisher der Top-Punktebringer unter den Wideouts ist. Aus der Defense überzeugt vor allem Jan-Phillip Bombek von den Hamburg Sea Devils. Der Outside Linebacker hat mit 30 aktuell die sechstmeisten Tacklings gesammelt und führt mit 7,5 Sacks die Quarterback-Jagd deutlich an.


Wer wurde MVP von Woche 5?

Diesmal wurde Justin Rogers von den Hamburg Sea Devils ausgezeichnet. Der Cornerback fing eine Interception ab und erzielte gleich zwei Punt-Return-Touchdowns.

Ergebnisse von Woche 5:


  • Frankfurt Galaxy vs. Barcelona Dragons 42:22 (14:6, 7:6, 21:7, 0:3)
  • Berlin Thunder vs. Wroclaw Panthers 26:45 (0:7, 6:18, 0:6, 20:14)
  • Leipzig Kings vs. Hamburg Sea Devils 0:55 (0:7, 0:24, 0:14, 0:10)
Markus Schulz

Markus Schulz arbeitet seit 2009 beim Sport-Informations-Dienst in Köln. Seine Leidenschaft für den American Football entdeckte der Familienvater bereits mit elf Jahren während Super Bowl XXIII. 2017 schloss sich Schulz TOUCHDOWN24 zudem als Chefredakteur an. Außerdem hat der gebürtige Mönchengladbacher mehrere Bücher über den US-Sport publiziert und engagiert sich ehrenamtlich als Pressesprecher bei seinem örtlichen Football-Verein Remscheid Amboss.
Twitter: @ELFinsider
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