Ryan Pace muss im Draft flexibel bleiben Ryan Pace muss im Draft flexibel bleiben Imago Images / ZUMA Wire / Erin Hooley, Chicago Tribune

Chicago Bears stehen im Draft unter Druck

geschrieben/veröffentlicht von/durch  16.04.2021
Die Chicago Bears benötigen im nächsten Jahr eine bessere Offense, um nicht nur in die Playoffs einzuziehen, sondern dort auch zu gewinnen. Dafür draften sie momentan an 20. Stelle der ersten Runde und haben viele Möglichkeiten. Eine ist, für den nächsten jungen Quarterback vorzutraden. Die nächste ist, den besten Spieler in der zweiten Hälfte an Tag Eins zu nehmen. Eine weitere Alternative ist ein Downtrade oder der Transfer einiger Spieler, um mehr Draftkapital als in den Vorjahren zu generieren. Durchleuchten wir einmal alle Chancen.

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In der Vergangenheit hat General Manager sehr wenig frühe Draftpicks in die Offensive Line und gar keine in die Offensive Tackle investiert. Dies scheint ihm und seinem Team nun auf die Füße zu fallen und ist einer der Gründe für das schwache Abschneiden seiner Offense. Neben der Auswahl des falschen Quarterbacks ist es sicherlich der Hauptkritikpunkt, den sich der entscheidungsfreudige Planer des aktuellen Bears-Kaders anhören muss.

Trade Up

Gerade seine Entschlossenheit hat ihn in die derzeitige Lage gebracht. Viele Uptrades, dazu hoch dotierte Verträge, um wichtige Leistungsträger zu halten. Im Prinzip hat er mit seinen Handlungen ähnliche Resultate erzielt, als wesentlich passivere General Manager, und wird eben dafür kritisiert. Sein Tatendrang wird Pace helfen, nicht vor unpopulären oder aggressiven Entscheidungen zurückzuschrecken, die ihm auf Jahre seinen Job in der “Windy City” garantieren. Sie können aber genauso den letzten Sargnagel in seine hoffnungsvolle Karriere schlagen.

Ein Uptrade der Chicago Bears für einen neuen Heilsbringer auf der Quarterback-Position ist nicht auszuschließen. Erste Gerüchte machen bereits die Runde, Ryan Pace würde sogar bis an Platz Vier im Draft vorziehen. Dieser Trade ist aber sehr kostspielig und setzt die Zukunft der Franchise über Jahre aufs Spiel. Ein so hoher Poker ist beim Bears-GM möglich, realistischer ist jedoch ein Trade rund um die Position Zehn. In Richtung Denver Broncos, Dallas Cowboys oder New York Giants lässt sich ein Handel über zwei Zweitrundenpicks, eventuell Spieler oder einen weiteren Lateround-Pick durchaus umsetzen. Egal was dann daraus wird, man behält zumindest den 2022er Firstroundpick und damit Optionen für die Zukunft.

Es gilt die Faustregel: Uptrade nur für einen Quarterback mit viel Potential. Den soliden Starter wie Mac Jones nimmst du, wenn er dir an Platz 20 vorgesetzt wird.

Aber bist du als GM von Trey Lance oder Justin Fields so überzeugt, dass du erhoffst, dieser Spieler kann deine Franchise über ein Jahrzehnt in die Erfolgspur führen, dann probierst du alles, sobald sie im Draft in erreichbare Distanz für einen Trade gelangen. Die Kansas City Chiefs gelten hier als Blaupause, als sie für Pat Mahomes vorpreschten.

Sollte einer der beiden genannten Spielmacher aus den Top Acht herausfallen, bin ich überzeugt, dass mehr als ein Team ans Telefon stürmt und versuchen wird, einen Deal einzufädeln. Bekanntermaßen wird Ryan Pace nicht Ruhe geben, ehe er den Trade landet. Bereits in den Vorjahren ging er für Mitch Trubisky oder Leonard Floyd hoch. Und er war es, der Khalil Mack aus Oakland loseiste, wofür er ligaweit große Anerkennung von seinen Mitbewerbern erhielt.

Take a…

Sind die Quarterbacks bereits früher vom Board, entfällt die Option eines Uptrades aus Sicht der Chicago Bears. Stattdessen werden sie an Platz 20 ihre Möglichkeiten bewerten und einen Spieler auswählen oder zurücktraden.

Im besten Fall fällt eines der besten Talente dieser Draftklasse aufgrund des Rennens um die Quarterbacks auf einer anderen Position. Im Mock Draft Simulator von Pro Football Network war so mancher edle Draftee an 20 überraschenderweise noch zu haben. Einige halten das für unrealistisch. Doch die Realität war im letzten Jahr, dass CeeDee Lamb als dritter Receiver der ersten Runde gewählt wurde und bis an die 17 fiel. Wer das vorher in Prognosen behauptet hätte, wäre von den meisten Lesern nur müde belächelt worden.

Offensive Tackle Penei Sewell könnte plötzlich immer noch darauf warten, seinen Namen auf der Bühne in Cleveland, Ohio zu hören. Oder Mac Jones erfuhr doch mehr Hype und ist an 20 noch da. Die Wahl könnte auf einen Wide Receiver, wie Rashod Bateman fallen. Genausogut ist es möglich, dass DeVonta Smith oder Jaylen Waddle weiterhin zu haben sind.

Wir wissen es erst, wenn die Bears an der Reihe sind und so ergeht es auch Ryan Pace und seiner Scouting Abteilung. Vielleicht fällt der Pick auch auf einen Verteidiger und damit auf einen der athletischen Freaks dieser Klasse der Edge Rusher. Azeez Ojulari oder Kwity Paye, Jaelan Phillips oder Gregory Rousseau. Irgendwer wird auf den enormen Upside dieser potentiellen Stars setzen. Warum nicht die Bears?

Trade Down

Sollte Ryan Pace die möglichen Spieler an 20 eher für solide Starter als für potentielle Franchise Player halten, lohnt es sich, einen Downtrade in Betracht zu ziehen. Alle Quarterbacks wären in diesem Szenario vom Board und mit dem derzeitigen Spielmacher Andy Dalton wird Chicago maximal die Resultate der vergangenen Saison einfahren. Da lässt sich nichts erzwingen und die Methode mit der Brechstange hilft nicht weiter. Cornerback Greg Newsome II oder Offensive Guard Alijah Vera-Tucker sind zwar nützliche und talentierte Spieler, werden der Franchise aber kurzfristig nicht weiterhelfen.

Sowohl für die Verjüngung des Kaders als auch für einen erstklassigen Veteran-Quarterback braucht es Draftpicks. Mit einem Downtrade ans Ende der ersten Runde oder bis in die Mitte der zweiten Runde lassen sich weitere Picks für Tag Zwei der nächsten beiden Jahre generieren. Eventuell wechselt sogar der ein oder andere Spieler dabei das Trikot.

Für Ryan Pace und weitere Verantwortliche der Chicago Bears ist diese Offseason richtungsweisend und bestimmt den weiteren Verlauf ihrer Karrieren und der Franchise. Um einen guten Draft zu ermöglichen, sind gleich mehrere Strategien zu überdenken und erfordern höchstes Maß an Flexibilität. Der General Manager muss einen kühlen Kopf bewahren und wird sich auf all die genannten Szenarien der ersten Runde einstellen. Es gibt für ihn mehr als den Weg nach vorn, will er seinen Job behalten. Das verspricht ein spannender Abend zu werden.

Philipp Forstner

DraftNerdPhilipp Forstner, alias Draft Nerd, ist ehemaliger O-Liner und sammelte erste Erfahrungen als Autor bei "Beardown Germany". Er schreibt über den NFL Draft und College Football für TOUCHDOWN24 und beobachtet als Scout die zukünftigen und aktuellen Spieler der NFL.

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