Philipp Forstner

Kyle Pitts ist der beste Tight End im NFL Draft. Er ist der beste Passempfänger dieser Klasse und der beste Nicht-Quarterback seines Jahrgangs. Alternativlos ist seine Auswahl als erster Spieler, nachdem die größten Spielmacher ihren Namen auf der Bühne in Cleveland, Ohio gehört haben. Weder Ja’Marr Chase, Penei Sewell noch Micah Parsons. Wird Kyle Pitts nicht sofort nach den Quarterbacks ausgewählt, ist der Pick für einen anderen Spieler an seiner statt in meinen Augen verschwendet. Da spielt auch die Berücksichtigung von “Needs” der Teams keine Rolle. Wer in den Top Ten an der Reihe ist, hat mehr als eine Baustelle im Kader und kann einen solchen Playmaker immer gebrauchen.
Vor einer Woche bebte die Szenerie um den NFL Draft 2021. Die San Francisco 49ers tradeten ihren 12. Pick in diesem Jahr und beide Firstroundpicks der kommenden zwei Jahre und erhielten im Gegenzug die dritthöchste Auswahlmöglichkeit im anstehenden Draft der Miami Dolphins. Das ist eine Menge Draftkapital und die brennende Frage steht im Raum: Nach wem graben die Goldsucher mit einem solch hohen Aufwand?
Vom 29. April bis zum 1. Mai 2021 findet der NFL Draft statt. Alle Augen der Footballwelt sind an diesen drei Tagen auf Cleveland, Ohio gerichtet, wo die 86. Auswahl junger Talente für die größte Profiliga im American Football abgehalten wird.
Die Free Agency erhält gerade das Rampenlicht im NFL Zirkus. Doch ist bekannt, langfristiger Erfolg fußt auf starken Entscheidungen im Draft. Die Suche nach möglichen “Sleepern” oder Spielern, die andere Teams zu unrecht negativ bewerten, ist dabei besonders wichtig. Denn während in den ersten Runden das “Bust”-Potential minimiert wird, soll es am dritten Tag darum gehen, Spieler aufzutreiben, die eigentlich Tag-Zwei-Talente sind und definitiv Starterpotential besitzen.
Der NFL Draft 2021 findet, wie geplant, ab dem 29. April bis zum 1. Mai statt. Der Weg dorthin ist aber ein ganz anderer als in den Vorjahren. In einem normalen Draftprozess kehren gerade die meisten Talente vom NFL Combine aus Indianapolis zurück und die Teams werten ihre gesammelten Eindrücke und Resultate aus. Dieses Jahr verschiebt sich die Debatte in den einzelnen “War Rooms” nach hinten. Denn bis zum 9. April finden die Pro Days der einzelnen Colleges statt.
Zum ersten Mal seit 2002 erreichten die Cleveland Browns die Postseason. Die Kirsche auf dem lang ersehnten Sahneeisbecher war dann der erste Playoff-Erfolg seit 1995. Mit dem Sieg über Pittsburgh steigt nun der Erfolgsdruck. Was über zwei Jahrzehnte als formuliertes Saisonziel genügte, wird in Zukunft den Ansprüchen nicht gerecht. Doch für den Super Bowl scheint das Team um “Coach of the Year” Kevin Stefanski noch nicht gerüstet. Die Browns müssen ihre Hausaufgaben gründlich erledigen, wollen sie die Spitze der NFL erobern.
Technisch gesehen, haben junge Spieler noch bis zum 1. März Zeit, um sich für den NFL Draft 2021 anzumelden. Allein deshalb werden NFL Teams noch keine Big Boards in Stein gemeißelt in ihren Büros liegen haben. Zusätzlich gibt es in den nächsten Wochen noch viele Interviews und Pro Days, die eine wichtige Rolle im Evaluationsprozess der Talente spielen. Charakter, Athletik, medizinische Checks, all das wird auch die New York Jets erst Anfang April eine Entscheidung treffen lassen, wer für sie der Beste auf der Position des Quarterbacks ist oder ob sie Sam Darnold behalten.
Dak Prescott, Derek Carr, Kirk Cousins, Russell Wilson und Tom Brady teilen eine Gemeinsamkeit. Allesamt wurden sie nicht in der ersten Runde ihres Jahrgangs gedraftet und trotzdem sind sie Starter in der NFL. Der Draft bietet keine Garantien und im weiteren Verlauf werden die Chancen immer geringer, noch einen zukünftigen Franchise Player zu ergattern. Doch kam es in der Vergangenheit immer wieder vor, weshalb es sich lohnt, auch in diesem Jahr auf die zweite Reihe an Quarterbacks zu schauen.
Die Quarterback Klasse erscheint in diesem Draft rekordverdächtig. Bis zu sechs Quarterbacks könnten am Ende in der ersten Runde ausgewählt werden. Trevor Lawrence geht momentan in allen Mock Drafts an Eins. Kurz dahinter warten Zach Wilson und Justin Fields. Doch wie steht es um Mac Jones, Trey Lance und Kyle Trask. Können wir sicher sagen, dass alle in über zwei Monaten ihren Namen am ersten Tag des Drafts hören und was sagt die frühe Auswahl über ihre Einsatzchancen in der NFL aus? 
Unter erschwerten Bedingungen hat Veranstalter Jim Nagy mit seinem Team eine exzellente Spielerauswahl getroffen. Die eingeladenen Talente präsentierten ihre Fähigkeiten bei professionellen NFL Bedingungen, in der sich alle Beteiligten sicher vor einer Ansteckung fühlten. Eine der entscheidendsten Wochen ist am Samstag mit dem Senior Bowl zu Ende gegangen. Profi-Scouts und General Manager überzeugten sich in Mobile, Alabama vom Wert der einzelnen Draft Prospects. Viele Gewinner vermochten ihrem Draft Stock einen Push zu geben, was zwangsläufig einen früheren Draftpick und mehr Gehalt im Rookievertrag nach sich zieht. Ein paar Verlierer gab es leider auch.