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Wilde Trainersuche im College Football

Lincoln Riley hat seine Koffer für die Westküste gepackt. Weitere Head Coaches wechseln überraschend ihr Team Lincoln Riley hat seine Koffer für die Westküste gepackt. Weitere Head Coaches wechseln überraschend ihr Team Imago Images / ZUMA Wire / Matthew Lynch
Bereits vor einigen Wochen war zu prognostizieren, dass die Suche nach neuen Head Coaches in diesem Winter wild zugeht. Am 14. September entließen die USC Trojans ihren Trainer Clay Helton und eröffneten damit den Reigen. Einen Monat später ließ Ed Orgeron verlauten, dass er die LSU Tigers nach der Saison nicht mehr weiter coachen würde. Danach wiederholten sich die Meldungen beinah wöchentlich, dass namhafte Footballprogramme aus den Power-5-Conferences einen neuen Ausbildungsleiter suchen. Die Trainersuche im College Football verlief und verläuft weiterhin, wie erwartet, wirklich wild.

Doch weshalb gilt für den College Football eigentlich der frühe Dezember als Saisonende? Für viele Teams stehen noch die Bowl Games an, für manche sogar die Playoffs. Bei Spielern, die in die NFL abwandern, um den nächsten Karrieresprung zu machen, beschweren sich gerne Fans und Experten, wenn diese vor einem Bowl Game bereits aussteigen und sich auf den NFL Draft vorbereiten. Warum ist das bei den Coaches anders?

Die simple Antwort und Begründung findet sich im Recruiting Kalender des College Footballs. Am 15. Dezember beginnt die “Early Signing Period” für alle College Football Recruits. In den Tagen danach entscheiden sich viele High School Sportler für ein neues College. Erst danach seinen Hut bei einem Footballprogramm zu nehmen, wäre einfach ganz schlechter Stil von einem Head Coach. Ohne neuen Übungsleiter wiederum, wird es schwer für die Teams, neue Recruits vom Signing zu überzeugen. Kein College kann es sich leisten, einen Recruiting Jahrgang komplett abzuschenken. Daher ist eile geboten und die führt zu den verrückten Vorgängen, der letzten zwei Wochen.

Billy Napier macht den Auftakt

Für die meisten Trainer ist es ein logischer Schritt, irgendwann von einem kleineren Group-of-Five College zu einem Power-5-College zu wechseln. Das passiert aus den unteren Ligen genauso. Der heißeste Kandidat in diesem Jahr, ist Billy Napier. Louisianas Cheftrainer durchlief während seiner Ausbildung als Positionscoach die National Champions aus Alabama und von der Clemson. In vier Jahren gewann er mit den Ragin’ Cajuns 40 Spiele und zwei Bowl Games. Zweimal in Folge gewann der Sunbelt Coach of the Year zuletzt mit seinem Team die eigene Conference Meisterschaft.

Sowohl die LSU Tigers als auch die Florida Gators schienen interessiert. Wobei sich am Ende wohl einige Sponsoren und Booster bei den Tigers zu viel bewegt haben, schließlich könne ein so namhaftes Programm doch keinen Trainer von den kleinen Nachbarn aus Lafayette abwerben. Napier übernimmt also die Gators in der SEC und löst Dan Mullen nach vier Jahren Amtszeit ab.

Die Trainersuche ist in Gang gesetzt

Nun war es wichtig, schnell zu reagieren, ehe die besten Leute vom Markt sind, schließlich fing Napier in Florida bereits an, seinen Coaching Staff zusammenzusuchen und das Recruiting auf die Zielgeraden zu bringen. LSU umwarb zunächst Lincoln Riley, der ihnen allerdings eine Abfuhr erteilte. Was viele aber nicht wussten, der Trainer der Oklahoma Sooners verhandelte längst mit der USC in Kalifornien.

Sein Wechsel glich einem Erdbeben. Oklahoma ist mit vier Playoffteilnahmen in acht Jahren sicher kein kleines Licht im College Football. Noch dazu werden die Sooners bald in die stärkste Conference SEC wechseln. Scheinbar soll dies bei der Entscheidung von Lincoln Riley sogar eine Rolle gespielt haben. Doch dazu im Printmagazin von TOUCHDOWN24 in Zukunft näheres.

Weg ist frei für weitere “große” Wechsel

Riley wechselt also an die USC und lässt sich seinen Umzug mit einen exorbitanten Salär vergüten. Damit setzt er neue Maßstäbe und ebnet auch anderen Trainern den Weg von eigentlich großen Schulen zu den ganz bedeutenden Playern zu wechseln. LSU schnappt sich daher Brian Kelly von der Notre Dame. Kelly erzielte in zwölf Jahren so viele Siege an der Notre Dame, wie niemand vor ihm. Obwohl die Schule immer schon erfolgreich gewesen ist, setzte er damit neue Maßstäbe. Was aber verwunderlich ist, so richtig trauerten ihm die Fans der Fighting Irish nach seinem plötzlichen Wechsel an die LSU nicht hinterher.

Als dann der unerfahrene Defensive Coordinator Marcus Freeman befördert wurde, nachdem er im letzten Jahr erst von den Cincinnati Bearcats an die Notre Dame kam, und dieser die wichtigsten Assistenztrainer in South Bend halten konnte, war eigentlich klar. Ganz so groß wird der Name Brian Kelly wohl nicht an der Notre Dame geschrieben.

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Miami landet neuen Head Coach

Am letzten Montag entließen die Miami Hurricanes Manny Diaz und entbunden ihn von all seinen Aufgaben als Cheftrainer eines weiteren historischen Footballprogramms. Dies tat die Schule nicht, ohne die Nachfolge bereits geklärt zu haben. Mario Cristobal wird neuer Head Coach in Miami und es wirkt fast so, als hätte es immer so kommen müssen. Seit langem hat das einstige Powerhouse von der Ostküste Probleme, gute Talente innerhalb Floridas und aus dem Südosten zu rekrutieren. Zu groß erscheint die Übermacht der SEC Colleges.

Mit Cristobal verpflichtet man nun den besten Recruiter der Westküste. Dieser öffnet nicht nur eine momentan ausgetrocknete Pipeline zu den besten Talenten aus Kalifornien, Washington und Oregon, sondern wird sein besonderes Einfühlungsvermögen auch dazu nutzen, um in Florida, einer der Hochburgen für High School Football zumindest wieder eine Konkurrenz im Recruiting darzustellen. Denn es hilft der beste Coach mit einer gesunden Philosophie nichts, wenn einfach nicht die richtigen Spieler bei den Hurricanes unterschreiben.

Cristobals Verpflichtung ist daher mit viel Hoffnung verbunden. In ein paar Jahren dürfen wir seine Arbeit erstmalig bewerten, da er zumindest in der kommenden Saison noch mit einer Mannschaft arbeiten muss, die er gar nicht zusammengestellt hat.

Oregon das letzte Glied der Kette

Irgendwer fällt bei all diesen Entscheidungen hinten rüber. Während sich Oklahoma sehr schnell den Defensive Coordinator der Clemson Tigers und im Recruiting angesehenen Brent Venables sicherte, bekommen die Oregon Ducks nun sichtlich Probleme. Die Early Signing Period rückt immer näher und Cristobal wird bereits emsig damit beschäftigt sein, den ein oder anderen Interessierten Spieler von der West- an die Ostküste zu verschiffen.

Oregon fehlt indes immer noch der neue Head Coach. Die Alternativen auf dem Markt sehen ordentlich aus, aber wenn immer wieder der Name Chip Kelly fällt, dürfte die Auswahl nicht allzu groß sein. Im Recruiting rückt man bedrohlich nah an die Schwelle 15. Dezember und könnte somit einen kompletten Jahrgang verlieren.

Nun möchten einige gern Cristobal die Schuld für das Dilemma geben oder der späten Entscheidung der Miami Hurricanes, die über eine Woche nach USC oder LSU die Neuverpflichtung bekannt gaben. Doch war dieser Wechsel abzusehen, womit die Oregon Ducks bereits wesentlich früher mit ihrer Trainersuche hätten beginnen können. Aktuell erleben wir stattdessen einen Ausverkauf an Assistenztrainern, den Notre Dame verhindern konnte und Oklahoma gerade noch rechtzeitig stoppen konnte. Es schreit praktisch nach einer Übergangszeit für Oregon und im Beisein von Lincoln Riley in der Pac-12 unken viele bereits über den bevorstehenden Machtwechsel.

Daher tut Oregon gut daran, eine weitere Überraschung in diesem wilden Winter der Trainersuche zu präsentieren. Sogar Pete Carroll wird hinter vorgehaltener Hand genannt, oder Lane Kiffen, Urban Meyer, Luke Fickell, Dave Aranda. Egal wer es wird, eines steht fest: Die Uhr tickt unaufhörlich Richtung Early Signing Period. Und keiner will erst ans Buffet gehen, wenn der Tisch bereits abgeräumt wird.

Philipp Forstner

DraftNerdPhilipp Forstner, alias Draft Nerd, ist ehemaliger O-Liner und sammelte erste Erfahrungen als Autor bei "Beardown Germany". Er schreibt über den NFL Draft und College Football für TOUCHDOWN24 und beobachtet als Scout die zukünftigen und aktuellen Spieler der NFL.
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