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Reisetagebuch: Ein unvergessenes Wochenende in Pennsylvania

Penn State Receiver K.J. Hamler erzielt im Spiel gegen die Purdue Boilermakers einen Touchdown Penn State Receiver K.J. Hamler erzielt im Spiel gegen die Purdue Boilermakers einen Touchdown Imago Images / ZUMA Wire / Abby Drey
Allein die Anfahrt scheint irgendwie anders zu verlaufen, als bei allen anderen Football Spielen, die ich bisher besucht habe. Auf dem Weg von der Ostküste nach State College, Heimstätte der Penn State Nittany Lions werden die Hauptstraßen zunächst immer maroder, ehe man die letzten Ausläufer der Appalachen erreicht und die Städte zu Dörfern werden und die Autos sich in aller Regelmäßigkeit mit Pferdekutschen abwechseln.



Einen Tag vorm Spiel der Nittany Lions gegen die Purdue Boilermakers reise ich mit meiner Frau an, die ihr erstes Footballspiel im großen Stil überhaupt erleben soll. Es ist Homecoming Wochenende und das habe ich in meiner typischen Spontanität und geringen Vorplanung wieder einmal komplett vergessen. Deshalb kommen wir erst gar nicht in die 40.000 Einwohner fassende Stadt hinein. Denn eine große Parade begrüßt alle zurückgekehrten ehemaligen Studierenden und die Familien der aktuell in State College lernenden Studenten. Nach ewig langer Parkplatzsuche weist uns ein freundlicher Polizist daraufhin, einfach das Auto auf einem nicht öffentlichen Parkplatz stehen zu lassen, was uns deutschen Touristen reichlich unbehagen bereitet. 

Homecoming im College Football

Doch wir hören auf den Polizisten und finden uns nur wenige Minuten später in einer anderen Welt wieder. Wie gesagt, die Stadt befindet sich inmitten ländlicher Provinz und bietet von ihrer Größe einer mittelgroßen Stadt nicht einmal einen Kontrast. Plötzlich säumen jedoch weitaus mehr Menschen die Straßen für die Parade als dieser gemütliche Studentenwohnsitz überhaupt fassen kann. 

Die Parade plätschert so dahin und neben ein paar Cheerleadern und Bands ist wenig spektakuläres zu erkennen. Trotzdem erfasst uns ein Geist dieser Collegewelt, der uns immer weiter in seinen Bann zieht.

Noch während die Wagen an uns vorbeiziehen, gehen wir einen Burger essen und betreten die Five Guys Filiale direkt an der Straße. Die Warteschlange ist wirklich lang, was ja kein schlechtes Zeichen sein muss und so stellen wir uns an. Zwei Burger, individuell zusammengebaut und zwei Pommes bestellen wir. Der Koch wirft mir bei der Zusammenstellung des Essens einen breit grinsenden Blick zu und packt mir auf meine zwei Burger in der Tüte einen Berg an Pommes, von dem wir drei Tage satt geworden wären.

FIVE GUYS und Penn State Football

Die Burger waren wirklich gut und ich suche auch in Deutschland oder zuletzt in Wien gern einen der mittlerweile weit verbreiteten Five Guys Läden auf. Doch hat mich eine Situation beeindruckt. Während wir da so saßen, erlebte der Laden einen wahren Ansturm. Dementsprechend sah das Lokal auch irgendwann aus, als würde ich mich in meinem alten Teenager-Zimmer wiederfinden. Ihr versteht. Dann betrat ein Schwung Studierender das Geschäft, griff sich Besen und Schaufel und räumte alles wieder auf, bestellte dem Besitzer einen schönen Gruß und entschuldigte sich für die Unordnung.

Hier in State College fühlen sich die Studierenden verantwortlich für ihre Community und natürlich ihr Team, dass sie alle zwei Wochen im Herbst im Beaver Stadium anfeuern. Und so kam am nächsten Tag der Game Day gegen Purdue. Bereits früh am Vormittag erreichten wir den Campus, was ich nur jedem Fan empfehlen kann. Die Tailgatings habe ich zwar an anderer Stelle schon ausschweifender erlebt, aber sind immer wieder eine unvergessene Erfahrung. Wer hier den Kontakt zu anderen Fans nicht scheut und ein paar deutsche Biere als Einladungsgeschenk auf der Tasche hat, findet schnell Zugang zu einem der Grillfeste auf den Parkplätzen bevor das Spiel losgeht.

Ein paar nette Gespräche später ging es dann endlich ins Stadion. Mit 106.572 Zuschauern ist das Beaver Stadium der Penn State Nittany Lions das viertgrößte Stadion der Welt und man fragt sich wirklich, wo all diese Menschen herkommen, die gleich die Ränge füllen werden.

Wir haben gute Plätze. In einem der höheren Ränge zwar, aber direkt unter der Student Section und der Marching Band. Die Stimmung ist ohrenbetäubend und ein völlig neues Erlebnis. Mit keinem anderen besuchten Footballspiel und vor allem nicht mit der NFL zu vergleichen. Auf dem Feld sind K.J. Hamler, Pat Freiermuth und Jahan Dotson für die Boilermakers einfach eine Nummer zu groß. Der Speed der beiden Receiver Dotson und Hamler ist unbeschreiblich und so nur im Stadion erkennbar.

Nittany Lions eine Klasse für sich

David Bell ist auf Seiten von Purdue der auffälligste Spieler. Doch gegen Shaka Toney, Micah Parsons und Yetur Gross-Matos weiß der Passangriff auch nichts auszurichten, weshalb das Spiel schon zur Pause bei 28-7 steht. Am Ende erhöhen die Nittany Lions noch um einen weiteren Touchdown von Noah Cain auf 35-7 und gewinnen das Spiel deutlich, was der ohrenbetäubenden Stimmung aber keinen Abbruch tut.

Nach der Live-Action lauschen wir noch dem Konzert der Marching Band auf dem Platz und wollen jeden Tropfen dieser Energie in uns aufsaugen. Danach gehen wir zufrieden etwas essen und landen beinah wieder bei Five Guys, entscheiden uns aber für eine andere Sportsbar, schließlich muss der College Football Fan in mir den restlichen Spieltag sehen und findet sich kurz darauf vor einem Haufen Wings und der Übertragung Auburn Tigers vs. Florida Gators wieder. Ich erlebe den ersten Einsatz von Kyle Trask und wie Florida das Spiel knapp gewinnt. Doch ist das eher zum Herunterkommen.

Am Abend lege ich mich zufrieden ins Bett und weiß, dass ich sobald wie möglich wieder ein Spiel an der Penn State sehen muss. Aufgewacht am Sonntag machen wir uns dann auf den Weg in die Hauptstadt und machen einen Zwischenstopp in Gettysburg auf unserer Rundreise an der Ostküste der Vereinigten Staaten.
Philipp Forstner

DraftNerdPhilipp Forstner, alias Draft Nerd, ist ehemaliger O-Liner und sammelte erste Erfahrungen als Autor bei "Beardown Germany". Er schreibt über den NFL Draft und College Football für TOUCHDOWN24 und beobachtet als Scout die zukünftigen und aktuellen Spieler der NFL.
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