HEFT #52

Ausgabe DEZEMBER 2021

Jetzt kaufen

#DraftWatch: Rückblick auf College Woche 3

Brandon Smith feiert mit den Fans der Nittany Lions Brandon Smith feiert mit den Fans der Nittany Lions Imago Images / ZUMA Wire / Darren Lee
Es ist Dienstag und das heißt, wir sind bereit für die neue Ausgabe #DraftWatch. Gast-Autor Luca vom Blog The Crunchtime hat sich am Wochenende wichtige Begegnungen im College Football angeschaut und äußert sich zu den Prospects für den NFL Draft 2022.

#8 Cincinnati Bearcats @ Indiana Hoosiers (38:24)

Als die Cincinnati Bearcats am vergangenen Samstag nach Bloomington zu den Hoosiers anreisten, war es das erste Spiel gegen einen Non-Conference Gegner, seit 1988, das ausverkauft war. Einen erheblichen Anteil daran hat sicherlich der Headcoach der Hoosiers Tom Allen. Mit ihm wurde die ganze Kultur im Programm verändert und dies trägt nun langsam Früchte. Zwar konnte sich Indiana letztendlich nicht durchsetzen, aber phasenweise konnte man sehen, wo Allen mit dem Programm in den nächsten Jahren hin will.

Zuerst einmal spielte die Defense der Hoosiers stark auf. Sie erlaubte nur 57 Yards, bevor Linebacker und Captain Micah McFadden wegen Targeting disqualifiziert wurde. Er traf Cincinnati Quarterback Ridder am Kopf und musste dann das Spielfeld verlassen. Bis dahin zeigte er eine sehr gute Performance. 9 Tackles, ein forcierter und gleichzeitig aufgenommener Fumble belegen dies. McFadden ist ein kleiner Sleeper und könnte im Laufe der Saison noch weiter steigen. Genauso steht es um Cornerback Marcelino McCrary, der eine Interception fing und auch des weiteren einen guten Eindruck machte.

Offensiv lief für die Hoosiers nach einem starken 14:0 Start nicht mehr viel zusammen. Der Spielmacher Michael Penix zeigte kein gutes Spiel und dürfte nach einem schwachen Saisonstart nicht hoch auf den Draftboards stehen. Positiv herausgestochen ist hingegen Wide Receiver D.J. Matthews. Er fing 5 Bälle für 120 Yards und lief dazu für weiter 26 Yards und einem Touchdown. Große Probleme hatte hingegen der hoch veranlagte Receiver Ty Fryfogle. Ihm gelang nur ein Catch (bei 8 Targets) und er hatte massive Drop-Probleme. Besser lief es hingegen bei seinem Tight End Peyton Hendershot. Sein Touchdown, bei welchem er praktisch 2-3 Spieler mit sich zog, war das Highlight des Tages von ihm.

Hendershot beendet das Spiel mit 6 Catches für 60 Yards

Auf Seiten der Bearcats waren zunächst alle Augen auf Quarterback Desmond Ridder gerichtet. Er sammelte in der letzten Saison zunehmend Draft-Hype und gilt als einer der besten running-QBs in der diesjährigen Klasse. Diesem Hype konnte er erstmal nicht gerecht werden am vergangenen Spieltag. Er warf für lediglich 210 Yards (20/36 angekommenen Pässe), einem Touchdown und einer Interception. Die zweite Hälfte war deutlich besser, aber insgesamt waren (immer noch) Probleme bei seiner Genauigkeit und seiner Entscheidungsfindung zu sehen. Wirklich geholfen hat es seinem Draft Stock also nicht, vielleicht kann er in 2 Wochen gegen Notre Dame die Scouts mehr beeindrucken. Die Offense von Cincinnati lieferte auch sonst keine großen Höhepunkte. Dafür glänzte Wide Receiver Tre Tucker bei einem 99-Yard Return Touchdown.

Defensiv hingegen gab es zwei Spieler, die aus Draft Sicht sehr interessant geworden sind. Zum einen Linebacker Darrian Beavers, der einen Fumble bei einem Handoff der Hoosiers verursachte und das Spiel mit 9 Tackles und einem Sack beendete. Zum anderen Cornerback Ahmad ,,Sauce’’ Gardner. Er verfügt über unglaublich lange Arme und gute Ball Skills. Wie im folgenden Play zu sehen, war Gardner eigentlich schon geschlagen, kann den Ball aber mit seinen Armen einfach wegschlagen und das Play machen.

#22 Auburn Tigers @ #10 Penn State Nittany Lions (20:28)

Der Höhepunkt des Tages war ohne Frage das Whiteout Spiel bei der Penn State University. Diese besondere Atmosphäre ist immer wieder beeindruckend und gerade nach der letzten Saison ohne Zuschauer, war es schön wieder solche Bilder zu sehen. Aber auch auf dem Spielfeld selber gab es das ein oder andere Highlight, an denen der ein oder andere Spieler mit realistischen Draft-Chancen beteiligt war. 

Auf Seiten der Tigers lag insbesondere die Defense im Fokus der Scouts. Linebacker Owen Pappoe, Safety Smoke Monday und Cornerback Roger McReary fielen besonders auf. Pappoe war immer sehr aufmerksam, auch gegen den Lauf, allerdings handelte er öfter kopflos und stürzte sich zu überhastet in das Gedränge. Er ließ sich außerdem schnell von viel Bewegung im Backfield der Nittany Lions (z.B. durch Play-Action) in die Irre führen. Der Linebacker hat definitiv die athletischen Fähigkeiten (vor allem Geschwindigkeit und Sprungkraft), um den Schritt in die NFL zu gehen, muss aber seine Augendisziplin verbessern und seine Aggresivität kontrollierter einsetzen.

Safety Smoke Monday zeigte auch sehr gut in dem Spiel, wo seine Stärken und Schwächen liegen. Gegen den Lauf war er stets zur Stelle und hat eine sehr schöne Tackling-Technik (2 Tackle for Loss). Allerdings war er mehr als einmal in Coverage falsch unterwegs. Cornerback McReary war solide über das ganze Spiel und fing eine sehr akrobatische Interception kurz vor der Halbzeit. Dies war das Resultat, nachdem Pappoe zuvor Penn State Quarterback Sean Clifford unter Druck gesetzt hatte. 

Bei den Nittany Lions gab es auch mehrere Spieler, die unter besonderer Beobachtung standen. Zunächst einmal sollte Linebacker Brandon Smith, nach so einer Leistung, einen großen Sprung auf vielen Draftboards machen. Zwar verpasste er zu Beginn ein Tackle, war danach aber wirklich immer zuverlässig zur Stelle. Vor allem seine Fähigkeit ein Play zu lesen und dementsprechend auf dieses zu reagieren, stach dabei heraus. Smith spiegelte quasi die Bewegungen von Auburn Runningback Tank Bigsby und war am Ende leading Tackler des Heimteams. Ärgerlich war für ihn sicherlich, dass er eigentlich eine Interception sicher hatte, aber den Ball nicht richtig kontrollieren konnte und ihn fallen ließ. 

Brandon Smith war überall

Safety Jaquan Brisker trat ebenfalls in Erscheinung. Er gilt eher als physischer Safety und zeigte dies auch in dem Spiel. Aber auch seine Deckungsfähigkeiten waren spürbar und so war er für den entscheidenden Pass Breakup verantwortlich.

Abseits von den defensiven Akteuren hatte Wide Receiver Jahan Dotson einen guten Tag erwischt (78 Yards, 1 Touchdown). Dotson hat viele Parallelen zu dem letztjährigen Draft Pick KJ Hamler (Denver Broncos): Er ist klein und flink unterwegs und insbesondere nach dem Catch unglaublich explosiv. Dazu hat er einen unglaublichen Bounce und sichere Hände. Bei seinem Touchdown schlich er sich ganz clever von seinem Gegenspieler weg und war komplett frei in der Endzone. 

Der sehr physische Runningback der Nittany Lions, Noah Cain, war nicht sehr beeindruckend. Zwar erzielte er einen Touchdown, kam aber sonst nur auf 45 Yards und keine ‘’Splash Plays’’. Dafür war Offensive Tackle Rasheed Walker eine Macht in den Trenches, sehr dominant und ein wahnsinniger Finisher. Auch im Passblocking hatte er einen stabilen Stand und ließ keinen Druck gegen Sean Clifford zu.

Das soll es für diese Woche von hier gewesen sein. Weitere Artikel aus der Draftperspektive von Luca gibt es beim Blog The Crunchtime.
Nach Oben