Notre Dame Fighting Irish Notre Dame Fighting Irish Imago Images / ZUMA Wire / Anthony Nesmith

College Conference Meisterschaften: Drama ist vorprogrammiert

geschrieben/veröffentlicht von/durch  17.12.2020
Vor den Spielern und Coaches steht der nächste Höhepunkt im College-Football-Kalender. Trotz vieler Spielabsagen und Verschiebungen hat es die Football Bowl Subdivision letzten Endes geschafft, die Saison halbwegs anständig durchzuführen. Das Finale gipfelt nun in den Conference-Meisterschaften, die am Freitag und Samstag ausgetragen werden. Bei vielen Finals an einem Wochenende verliert man schnell den Überblick. Zumal die Paarungen die endgültige Entscheidung für die Playoffs beeinflussen. Die wöchentliche College und NFL Draft Kolumne beantwortet wichtige Fragen zu den Spielen für die Playoffs und Bowl Games.


Viele Teams dürfen sich noch berechtigte Hoffnungen auf die Halbfinals um die Nationale Meisterschaft machen, obwohl sie teilweise sogar schon zwei Spiele in der Saison verloren haben. Dahinter bewerben sich noch andere um die „New Year’s Six“-Bowls. Die Teilnahme daran ist alles andere als ein Trostpreis. Wir sprechen hier von Prestige, Aufmerksamkeit im nationalen Fernsehen und einem zweistelligen Millionenbetrag als Preisgeld und Antrittsprämie.

ACC-Showdown bestimmt über die Playoffs

Das ACC Championship Game wird im Bank of America Stadium in North Carolina ausgetragen. Ab 22 Uhr jagen die Clemson Tigers den sechsten ACC-Triumph in Folge. Ihnen in den Weg stellen sich die Notre Dame Fighting Irish, die zum ersten Mal überhaupt an einem Conference Endspiel teilnehmen.

Notre Dame nimmt ausnahmsweise am Spielbetrieb der Atlantic Coast Conference teil, um einen reibungslosen Spielplan gewährleisten zu können. Bisher trat der elffache National Champion (weitere elf “unclaimed” Titel) unabhängig auf. Mit einem 10-0 Record bewahrten die “Irish” 2020 eine weiße Weste und fordern den Seriensieger und Playoffanwärter Clemson heraus. Deshalb geht es im Spiel auch um mehr als den Conference Titel.

Für Clemson wäre eine Niederlage das Saisonaus. Verlieren die Tigers erneut gegen Notre Dame, wird der amtierende Vizemeister nicht an den Playoffs teilnehmen. Ein Szenario, mit dem vor der Saison niemand gerechnet hatte. Doch der wochenlange Ausfall von Star-Quarterback Trevor Lawrence brachte Clemson in diese Bredouille. Steht Clemson am Sonntag bei 10-2 wird das Playoff Komitee nicht darum hinkommen, den größten College Spieler der letzten Jahre von der Endrunde auszuschließen.

Sollte Notre Dame die ACC Meisterschaft zum ersten Mal gewinnen, wäre es möglich, sie im Playoff Ranking bis Ende des Jahres an Nummer Eins zu führen. Zum Orange Bowl dürften dann die Tigers fahren. Bei einer knappen Niederlage Clemsons gäbe es keinen Titel und keine Playoffs. Ihr Trostpreis wäre die Teilnahme an einem der traditionellsten New Year’s Six Bowls in Miami Gardens, Florida.

Klarer Favorit in der SEC

Anders sind die Voraussetzungen in der Southeastern Conference. Die Alabama Crimson Tide sind für die Playoffs gesetzt. Daran ändert auch eine Niederlage im SEC Championship Game gegen die Florida Gators nichts mehr. In der Nacht von Samstag auf Sonntag ab 2 Uhr steigt das Aufeinandertreffen der beiden Powerhouses in Atlantas Mercedes-Benz Stadium.

Nick Sabans Starensemble geht als Favorit in das Spiel und will den siebten Titel mit seinem Erfolgscoach holen. Florida hingegen wartet seit 2008 auf diesen Erfolg. Zuletzt gelang ihnen ein Sieg im SEC Championship Game mit Cheftrainer Urban Meyer.

Gewinnen die Gators überraschend, wäre es für das Playoff Komittee das Worst-Case-Szenario. Noch nie haben sie ein College Programm mit zwei Saisonniederlagen in die Playoffs gelassen. Doch Alabama als Verlierer drinnen lassen und Florida als SEC Champion zusehen lassen, ist keine attraktive Option.

Und was passiert mit Texas A&M in diesem Fall? Die Aggies spielen ebenfalls am Samstag gegen Tennessee und werden versuchen, im Schatten der Conference Championships den vierten Playoffplatz zu ergattern. Drei SEC Teams wird es auf gar keinen Fall in der College Endrunde geben.  Doch wenn Florida verliert, bedeutet dies ebenfalls Kopfschmerzen. Die Florida Gators wollen für ihre gute Saison wenigstens mit einem New Year’s Six Bowl belohnt werden. Sogar ein Ticket zum Peach Bowl gilt dann aber nicht mehr als sicher. 

Ohio State will den vierten Big Ten Titel in Folge

Die Ohio State Buckeyes treffen am Samstagabend um 18 Uhr im Lucas Oil Stadium, Heimstätte der Indianapolis Colts, auf die Northwestern Wildcats. Sollte der Favorit aus Ohio seiner Rolle nicht gerecht werden, wäre das eine Sensation.

https://twitter.com/barstoolsports/status/1336748710286553101?s=20

Die Big Ten hat eigens ihre Regularien geändert, um dem Serienchampion und Playoffanwärter mit weniger als sechs regulären Saisonspielen trotzdem einen Platz im Championship Game zu überlassen. Da wäre es doch recht schmeichelhaft für die Conference Leitung, sollten die Buckeyes nicht gewinnen.

Gelingt den Wildcats die Überraschung, müssen sich Fans der OSU Sorgen machen. Obwohl ein Showdown der Quarterbacks Justin Fields und Trevor Lawrence im Interesse der Medienanstalten zu sein scheint, dürfte ein Playoff-Platz dann futsch sein. Northwestern, derzeit noch an 14 gerankt, kann vom Komitee als Meister einer Power 5 Conference und nur einer Niederlage den Playoffs nicht vorenthalten werden. Ein Sieg bringt ihnen dafür den ersten Titel seit 20 Jahren ein. Indiana, zum Zuschauen aufgrund der Regeländerung der Big Ten verdammt, würde obendrein auch noch die Teilnahme am Fiesta Bowl verlieren. 

Pac-12: Oregon als Nachrücker zur Meisterschaft

Gewinnen die Oregon Ducks von Freitag auf Samstag ab 2 Uhr die Pac-12 Meisterschaft, kann sich das Playoff-Komitee am restlichen Wochenende zumindest was die Colleges an der Westküste betrifft entspannt zurücklehnen. Oregon ist für das von einem CORONA-Ausbruch gebeutelte Washington ins Endspiel nachgerückt und spielt für die New Year’s Six oder gar die Playoffs keine Rolle.

Das Zünglein an der Playoff-Waage sind aber die USC Trojans. Vor der Saison als Mitfavorit tituliert, werden sie den hohen Erwartungen nun tatsächlich gerecht. Im LA Memorial Coliseum in Los Angeles, Kalifornien will USC die zweite Conference Meisterschaft in vier Jahren gewinnen. Außerdem stünden sie dann ohne Niederlage mit sechs Siegen da. 

Zu Gute sollte das Komitee ihr bei einem Sieg halten, dass die Pac-12 in den letzten drei Jahren bezüglich Playoffs außen vorgelassen wurde. Ob ein Sieg gegen Oregon aber ausreicht, entscheidet sich erst über den Ausgang der Begegnungen am Samstag. Die Trojans sollten vor allen möglichen Spekulationen erst am Freitag den Titel einfahren. Dann dürfen ExpertInnen gern über ihre Positionierung im abschließenden Ranking am restlichen Wochenende debattieren. 

Oklahoma und Iowa State kämpfen um Big12-Titel

Samstag ab 18 Uhr läuft das Big12 Championship Game im AT&T Stadium in Arlington, Texas auf ProSieben Maxx. Eingeführt wurde das Endspiel eigentlich nur wegen der College-Playoffs. Die eingleisige Liga ist die einzige, in der jedes Jahr alle Teams während der Saison gegeneinander spielen. Der Meister wäre daher auch ohne Finalspiel zu ermitteln.

Jedoch tragen alle anderen großen Conferences am letzten Spieltag ihre Meisterschaftsspiele aus und erhalten eine weitere Gelegenheit, das Playoff Komitee zu beeindrucken. Währenddessen hatte der Big12-Champ in der Vergangenheit spielfrei und musste mit ansehen, wie er hinter die anderen Sieger zurückfiel. Nun wird zum dritten Mal die Meisterschaft mit Endspiel ausgetragen. Und siehe da, seitdem ist die Big12 Dauergast in den Playoffs.

In dieser Saison dürfte es aber nichts werden. Im Fernduell mit den anderen Power 5 Conferences müssen die Oklahoma Sooners und Iowa State Cyclones jeweils eine Saison mit zwei Niederlagen ausbügeln, um den vierten Platz im Ranking zu erhalten. Ein recht auswegloses Unterfangen.

Oklahoma kann dafür aber seinen sechsten Titel in Folge einfahren und weiterhin ungeschlagen in der jungen Geschichte des Big12-Endspiels bleiben. Iowa State gewann zuletzt 1912 eine Conference Meisterschaft. Im selben Jahr versank die Titanic. Für Cheftrainer Matt Campbell und seine Cyclones wäre der Erfolg also ein historisches Ereignis. Außerdem winkt die erste Teilnahme an einem New Year’s Six Bowl in ihrer langen Geschichte. 

Cincinnati will den AAC-Titel und in den Cotton Bowl

Bereits am letzten Wochenende sollten Tulsa und Cincinnati gegeneinander spielen. Beide Teams verloren kein einziges Spiel in der American Athletic Conference und so wurde der Showdown auf das Endspiel Wochenende vertagt. Geht der Sieg an das Heimteam aus Ohio, ist es der erste Titel seit 2014 für die Bearcats. Die damit verbundene Teilnahme am Peach Bowl wäre der erste New Years Six Bowl nach zehnjähriger Abstinenz.

Tulsa wartet seit 2012 auf einen Titel in der American Athletic Conference. Sie werden sich allerdings am frühen Sonntagmorgen ab 2 Uhr mit der Außenseiterrolle begnügen müssen.

Cincinnati darf auf die Dienste ihres Quarterbacks Desmond Ridder zählen und baut auf seine starke Defense. Tulsa wird sich mächtig strecken müssen. Denn Cincinnati spielt dieses Jahr in einer anderen Klasse als die restlichen Group-of-Five Teams. Mit dem Titelgewinn werden sie als das beste Non-Power-5 Team gerankt und haben sogar gewichtige Argumente für die Playoffs im Gepäck.

Die restliche Konkurrenz der AAC wird ebenfalls den Bearcats die Daumen drücken. Bei der Teilnahme an einem New Year’s Six Bowl oder gar den Playoffs winkt allen Schulen der Conference ein satter Geldregen. Gewinnt Tulsa darf sich eher eine andere Conference Hoffnungen auf den Peach Bowl machen. 

FBS-Frischling Coastal Carolina will überraschende Saison krönen - Spiel abgesagt!!!

Was für eine Erfolgsgeschichte: Die Coastal Carolina Chanticleers stiegen erst vor drei Jahren in die FBS auf. Seitdem sind sie Bestandteil der Sunbelt Conference und können erstmalig im Süden gewinnen. Im eigenen Stadion stehen ihnen die Louisiana Ragin‘ Cajuns im Weg. Kickoff ist Samstag um 21:30 Uhr.

Am Ende könnte ihnen nicht nur der Sunbelt-Titel winken. Coastal Carolina hat mit keiner einzigen Saisonniederlage ebenfalls Ambitionen auf den begehrten Platz im Peach Bowl. Dazu müsste Cincinnati verlieren. Selbst sollten sie dem Playoff-Komitee mit einer besonderen Performance genügend Argumente liefern. Damit sie am Schluss im Ranking definitiv vor BYU und Cincinnati bleiben.

Allen Teams der Sunbelt würde das eine seltene Prämie bescheren. In der Ära der CFP-Playoffs durfte noch nie ein Team aus ihrer Conference einen New Year’s Six Bowl bestreiten. Das Rennen hinter den Playoff-Plätzen ist also mindestens genauso eng und spannend. Sogar Louisiana könnte mit einem Sieg noch an der Konkurrenz vorbeiziehen und dürfte nach zwei aufeinanderfolgenden Vizemeisterschaften besonders motiviert sein.

Mountain West: Boise State will nächsten Titel

Die Mountain West hat in diesem Jahr nichts mit den New Year’s Six Bowls zu tun. Dennoch wollen die Boise State Broncos ihren Conference Titel verteidigen. Dazu treffen die Broncos am Samstag Abend ab 22:15 Uhr auf die San Jose State Spartans zum Finale in Las Vegas, Nevada.

Die Spartans aus Kalifornien wittern die Chance auf ihren ersten Conference Titel seit fast 30 Jahren. Seit Bestehen der Mountain West standen sie noch gar kein Mal im Endspiel. Außerdem winkt dem Underdog die erste “Undefeated Season” in seiner 127 jährigen Geschichte. 

MACtion: Buffalo und Ball State greifen nach Titel

Für die besonderen Bowl Games am Neujahrstag können sich weder Teams aus der Midamerican-Conference noch aus der Conference USA qualifizieren. Dennoch sollen beide Endspiele hier nicht zu kurz kommen.

Im Ford Field der Detroit Lions steigt bereits am Samstagmorgen ab 1:30 Uhr das Finale in der MAC. Für die Ball State Cardinals ist es die erste Teilnahme seit 2008. Favorit im Endspiel sind allerdings die Buffalo Bulls. Sie verloren noch kein einziges Spiel und wollen erneut mit einem überragenden Laufspiel um Runningback Jaret Patterson das Spiel dominieren. Erst zum zweiten Mal können die Bulls die Midamerican Championship gewinnen. Schon vor zwölf Jahren besiegten sie dafür die Cardinals im Finale. 

UAB und Marshall wollen Conference USA Meister werden

Die Marshall Thundering Herd empfangen in der Nacht von Freitag auf Samstag ab 1 Uhr die UAB Blazers. Unter Coach Doc Holliday kann Marshall den zweiten Titel in seiner Amtszeit einfahren.

Doc Holliday / Imago Images / ZUMA Wire / Octavio Jones

Bemerkenswert ist auch die jüngere Geschichte vom Gast aus Alabama. Nach der Saison 2014 musste das Football-Programm der Blazers aus finanziellen Gründen eingestellt werden. Dank der Spendensammlung von über 27 Millionen US-Dollar und diverser Veränderungen in der UAB-Athletik-Abteilung konnte das Football-Team zur Saison 2017 den Betrieb wieder aufnehmen.

Im ersten Jahr schaffte man bereits einen positiven Record. Im zweiten Jahr gewannen die Blazers den Conference-Titel. Nun soll der zweite Erfolg in drei Jahren folgen.

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Philipp Forstner

DraftNerdPhilipp Forstner, alias Draft Nerd, ist ehemaliger O-Liner und sammelte erste Erfahrungen als Autor bei "Beardown Germany". Er schreibt über den NFL Draft und College Football für TOUCHDOWN24 und beobachtet als Scout die zukünftigen und aktuellen Spieler der NFL.

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